Lang Josef · Nationalrat · 2011-02-28
Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2011-02-28
Wortprotokoll
Eine Minderheit der Kommission will bis 2015 bloss ein 0,45-Prozent-Ziel erreichen und die Kredite für Deza und Seco kürzen. Was wären die Folgen dieser Kürzungen?
Beginnen wir mit den 28 Millionen Franken für das Seco. Sie gehören zum Beitrag, den die Schweiz am Klimagipfel in Kopenhagen fest zugesagt hat. Das Seco möchte zum Beispiel die Bevölkerung im peruanischen Urwald dazu bringen, auf Brandrodungen zu verzichten, weil diese sehr viel CO2 freisetzen. Die Leute brauchen aber Alternativen zur Kleinlandwirtschaft. Diese Alternativen liegen im Urwald selber: von Paranüssen und Tropenfrüchten, die auf lokale Märkte kommen und exportiert werden, über Rohstoffe für Naturkosmetika bis zu nachhaltigem Tourismus. Solche Projekte erreichen gleich mehrere Ziele: Der CO2-Ausstoss geht zurück, der Urwald - die grüne Lunge unseres Planeten - wird erhalten, und die Bevölkerung verdient mit solchen Alternativen mehr als vorher.
Kommen wir zur Deza: Sie müsste auf 150 Millionen Franken für den Wassersektor verzichten, für einen Sektor also, der für arme Menschen vital und für arme Länder zentral ist. Wenn Menschen sauberes Trinkwasser haben, gehen Durchfallkrankheiten massiv und rasch zurück. Das ist keine Lappalie. Keine andere Krankheit in Entwicklungsländern tötet so viele Kleinkinder wie Durchfall, keine hält so viele Erwachsene von der Arbeit ab und so viele Schulkinder vom Unterricht fern. Wenn Bauernfamilien die Möglichkeit erhalten, ihre Gärten und Felder zu bewässern, können sie sich nicht nur besser ernähren, sie verdienen damit auch einiges mehr. Sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen retten umgehend Leben, landwirtschaftliche Bewässerung erhöht das Einkommen bereits in der ersten Saison. Ausgerechnet hier will die Minderheit sparen. Dabei könnte man mit 150 Millionen Franken so viel erreichen: Latrinen für Hunderte von Schulen und Spitälern, Bewässerungssysteme für Tausende von Bauernfamilien, sauberes Trinkwasser für Millionen Menschen. 0,45 Prozent bedeutet, Millionen von Menschen wortwörtlich im Dreck sitzenzulassen.
Wir haben die Wahl zwischen 0,45 und 0,5 Prozent. Entscheiden Sie sich für das saubere Wasser, für die Gesundheit, für die Entwicklung!