Heim Bea · Nationalrat · 2011-03-17
Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2011-03-17
Wortprotokoll
Ich bitte Sie, diese Initiative zu unterstützen, und ich bitte insbesondere all jene, die sich jetzt dagegen ausgesprochen haben oder die noch zögern, dies auch zu tun. Denn mehr Ferien sind nicht nur verdient, sie sind nötig, sie stärken die Wirtschaft, weil sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärken.
Das Leben ist schneller und hektischer geworden, das Arbeitsleben ganz besonders. In dieser Zeit der Deregulierungen und technologischen Quantensprünge steigen die Anforderungen an die Arbeitnehmer laufend. "Just in time" heisst die Maxime, immer und überall erreichbar sein, möglichst vieles gleichzeitig erledigen, dauernder Zeitdruck und immer wieder Überstunden. Anders als angenommen wurde, stärken die neuen Arbeitszeitmodelle, Gleit- und Vertrauensarbeitszeiten, nicht die Zeitautonomie der Arbeitnehmer, sondern dienen in erster Linie den Unternehmen, kurz: Die [PAGE 494] Hektik am Arbeitsplatz ist unvergleichlich grösser als früher, die Arbeitsprozesse haben sich verdichtet, der Arbeitsrhythmus ist hektischer.
Stress ist kein Modebegriff, sondern in der Arbeitswelt eine Realität. Stress verlangt mehr Ausgleich, mehr Ruhepausen, damit Körper und Psyche das schnelle Arbeitstempo durchhalten können. Die jüngste Gesundheitsbefragung - Sie haben es mehrfach gehört - hat gezeigt, dass in den letzten Jahren in der Invalidenversicherung die Zahl der Neurenten, die aus psychischen Gründen gesprochen werden, stark zugenommen hat. Diese Leute sind keine eingebildeten Kranken, das sind Leute, die ausgepowert, die an die Grenze ihrer Kräfte gekommen sind und darum ernsthafte und chronische gesundheitliche Probleme haben. So sind heute 20 Prozent der Männer kurz vor der Pensionierung IV-Rentner, mit anderen Worten: Wir haben einerseits bei der demografischen Entwicklung einen Anstieg des Durchschnittsalters der Arbeitnehmer und andererseits aber auch den Bedarf der Wirtschaft, möglichst viele Arbeitnehmer wegen ihres Know-hows, wegen ihrer Erfahrung und Verlässlichkeit im Arbeitsprozess zu halten. Aber gerade diese Arbeitnehmer brauchen, um die hohe Arbeitsbelastung durchzuhalten - um sie auch gesund durchzuhalten - mehr planbare Ruhezeiten. Es ist doch gescheiter, in die Gesundheit zu investieren, als schliesslich die Kosten krankheitsbedingter Ausfälle berappen zu müssen. Das ist etwas, was von vielen Arbeitgebern anerkannt wird. Doch es gibt bei der Anzahl bezahlter Ferienwochen eben grosse Branchenunterschiede.
Wir meinen, es brauche eine einheitliche Regelung und nicht nur Branchenregelungen, es brauche eine Regelung, von der alle profitieren. 6 Wochen Ferien sind nicht übertrieben, sondern schlicht eine Regelung der Vernunft, und zwar nicht nur aus der Sicht der älteren Arbeitnehmer; für die jüngeren Leute und für die Familien sind sie mindestens ebenso wichtig. Es ist aus gesundheitspolitischer Sicht ganz einfach die richtige Lösung. Schliesslich ist auch ganz klar: 6 Wochen Ferien stärken die Wirtschaft, weil sie die Arbeitnehmer stärken. Sie sind eine lohnende Investition für Wirtschaft und Gesellschaft.