Hany Urs · Nationalrat · 2011-03-17
Hany Urs · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-03-17
Wortprotokoll
Ferien sind wichtig; Erholung ist wichtig, und zwar aus Sicht der Arbeitnehmer wie auch aus Sicht der Arbeitgeber und der Wirtschaft. Wer arbeitet, muss genügend Zeit haben, sich zu erholen und einen Ausgleich zu finden. Das ist zum einen für die Gesundheit wichtig, zum andern aber auch für den Erhalt der langfristigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ich gehe in diesen Punkten durchaus mit den Initianten einig. Auch teile ich die Ansicht, dass der Arbeitsalltag in den letzten 25 Jahren im Allgemeinen stressiger und belastender geworden ist. Ich bin aber der Meinung, dass eine höhere, gesetzlich verankerte Mindestferienzeit diese Probleme nicht zu lösen vermag. Zudem bezweifle ich, dass wir in der Schweiz grundsätzlich zu wenig Ferientage haben.
Die Initianten zitieren gerne Untersuchungen, in denen die Schweiz mit anderen Ländern verglichen wird. Was die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestferientage angeht, liegt die Schweiz im internationalen Vergleich im unteren Mittelfeld. Doch trockener Gesetzesbuchstabe und Wirklichkeit sind zwei verschiede Paar Schuhe, denn die Schweizer Wirtschaft gewährt in der Regel mehr Ferien, als vom Gesetz vorgeschrieben wird.
Bei uns in der Baubranche sind 5 bzw. 6 Wochen Ferien bereits heute Realität. Bis zum 20. und nach dem 50. Altersjahr gehen die Mitarbeiter unserer Branche jährlich 6 Wochen in den Urlaub. Bei allen anderen sind es 5 Wochen Ferien. Das macht bei der Arbeit auf den Baustellen durchaus Sinn, und die Bauunternehmer sind auch bereit, die Kosten dafür zu tragen. Das Baugewerbe hat mit seinen Sozialpartnern eine einvernehmliche, für alle Seiten tragbare Lösung gefunden. Die Baubranche steht diesbezüglich aber bei Weitem nicht alleine dar. Laut Bundesamt für Statistik haben die Vollzeitarbeitenden in der Schweiz im Durchschnitt bereits heute 5 Wochen Ferien. Werktätige, die mehr als 50 Jahre alt sind, haben durchschnittlich sogar 5,6 Wochen Ferien, trotz einem gesetzlichen Minimum von heute 4 Wochen notabene.
Die in der Schweiz lebende Bevölkerung arbeitet viel, sie gilt als fleissig. Entsprechend hoch ist unsere Produktivität, entsprechend hoch ist das Schweizer Lohnniveau. Die Schweiz ist nicht zuletzt dank ihrer liberalen Tradition und des wirtschaftsfreundlichen Umfelds eines der produktivsten Länder und gehört zu den wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften. Die Schweizer Wirtschaft weiss aber auch, dass langfristiger Erfolg nicht auf Kosten der Arbeitnehmer zu haben ist. Darum bezahlt sie ihren Mitarbeitern dort, wo sie dazu in der Lage ist, zum Teil deutlich mehr Ferien, als das Gesetz vorgibt. Ob wir mit der Initiative den Angestellten solcher KMU tatsächlich weniger Stress oder eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen würden, wie es die Initianten vorgeben, bezweifle ich. Bei nur fünf Angestellten z. B. kriegt jedes KMU ein Problem, das es unmöglich selber bewältigen [PAGE 487] kann, wenn es plötzlich 6 Wochen Ferien, also pro Angestellten zwei Wochen mehr, gewähren soll.
Ich bitte Sie, insbesondere im Interesse unserer KMU, diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen, und danke Ihnen, wenn Sie das klar und deutlich tun.