Calmy-Rey Micheline · Bundesrat · 2011-12-14
Calmy-Rey Micheline · Bundesrat · Genf · 2011-12-14
Wortprotokoll
Au début de 2003, lorsque j'ai pris mes fonctions au Département fédéral des affaires étrangères, le monde était encore sous le choc des attentats du 11 septembre 2001. Nous nous trouvions à quelques semaines du début de la guerre en Irak menée par une coalition conduite par les Etats-Unis. Ce conflit a laissé de profondes blessures dans l'alliance transatlantique autrefois si solide. Et il a été alors question d'une ancienne et d'une nouvelle Europe.
La guerre en Irak appartient aujourd'hui au passé, et les dernières troupes américaines quittent ces jours-ci le pays. Mais les difficultés en Afghanistan et les attentats toujours plus nombreux dans l'Hindu Kuch montrent que les causes plus profondes du conflit n'ont pas encore disparu.
Durant ces neuf ans, le monde a changé. Les centres de gravité économiques et politiques se déplacent, et ils se déplacent durablement. La Chine et l'Inde sont entrées dans le cercle des grandes puissances. Ces deux Etats sont même devenus de véritables locomotives de la croissance économique mondiale.
L'OCDE estime qu'en 2030, les économies des pays en développement, y compris celles des pays émergents, représenteront 60 pour cent du produit intérieur brut mondial. L'Occident, autrement dit les Etats-Unis et l'Europe, jouit toujours du niveau de vie le plus élevé du monde. Cependant, la part relative des économies occidentales au produit social brut mondial diminue constamment. La crise de la dette au sein de la zone euro et aux Etats-Unis illustre bien la fragilité de nos structures économiques. Plusieurs pays européens et les Etats-Unis ont fait appel aux investisseurs de pays émergents pour financer leurs dettes, particulièrement de la Chine qui détient de très importantes réserves monétaires. [PAGE 2293]
Ainsi se créent de nouvelles interdépendances dont les effets, entre autres sur la géopolitique, sont aujourd'hui encore largement méconnus. Mais, en tout état de cause, l'hégémonie ininterrompue de l'Occident dans l'économie et dans la politique mondiale, qui perdure sous différentes formes depuis le XVIIIe siècle, prend fin.
Cette fin s'accompagne d'une globalisation marquée. Celle-ci concerne désormais tous les domaines: financier, économique certes, mais aussi énergétique, climatique ou encore environnemental. Que dire par ailleurs du terrorisme, des crimes transnationaux, du trafic d'êtres humains, qui se moquent clairement des frontières? En un siècle, nous sommes passés d'un monde dominé par le continent européen à un monde multipolaire, une terre où les rapports de force se sont complexifiés. Interdépendance et multipolarité constituent à mon avis les deux caractéristiques de la période qui s'ouvre.
L'Etat, qui était habitué à dominer les relations internationales, à pouvoir fixer leur agenda, doit redéfinir son rôle dans cet univers. Sans conteste, l'Etat demeure un acteur important du monde actuel, mais un acteur désormais contraint d'interagir avec d'autres: les organisations internationales, le secteur privé et la société civile. Cette dernière a pleinement bénéficié des nouvelles technologies. Elle a été en mesure d'influencer de manière significative le sort de certains Etats - pensons à l'Afrique du Nord, au Proche-Orient. Comment ne pas constater l'influence des entreprises multinationales au niveau global? Comment ne pas ressentir à quel point le fonctionnement des marchés financiers dicte non seulement la conduite des Etats, mais aussi le développement global? Ces tendances lourdes transforment en profondeur la société contemporaine. Elles ne restent bien évidemment pas sans conséquences sur la place du continent européen et de la Suisse dans le monde.
Durant ces neuf années, mes efforts, nos efforts ont porté en priorité sur la politique européenne, avec le renforcement de la voie bilatérale. Nous avons mis en place des partenariats stratégiques avec les puissances émergentes et nous avons approfondi notre engagement sur les questions globales. Enfin, nous avons retenu comme priorité le positionnement de la Suisse comme médiatrice et comme actrice dans le développement des standards communs et du droit international.
Wir haben in den letzten Jahren Aussenpolitik und Diplomatie in einem schwierigen Umfeld und anhand wichtiger Konzepte und Ideen weiterentwickelt. Wir haben die Politik der menschlichen Sicherheit durch zahlreiche Initiativen vorangebracht. Wir haben Vorschläge zur Reform von Institutionen und zu globalen Gouvernanzfragen gemacht. Wir haben unsere Vermittlungsbemühungen in Konflikten verstärkt. Wir haben uns im Dialog mit schwierigen, aber relevanten Partnern gegen Stigmatisierungen gewendet, um der Diplomatie vor der Gewalt eine Chance zu geben. Wir haben uns um die Weiterentwicklung des Rechtes bemüht, insbesondere im Bereich des Schutzes der Zivilbevölkerungen, auch wenn wir uns vielerorts mit nichtbindenden Regeln begnügen mussten, obwohl wir gerne verbindlichen Abmachungen zum Durchbruch verholfen hätten. Weiter haben wir in der Armutsbekämpfung und in Bereichen wie Wasser, Klimawandel, Migration und Gesundheit Fortschritte gemacht. Wir haben dazu beigetragen, Ungleichheiten zu reduzieren und den Zugang zu den Ressourcen zu fördern.
Zu viele Menschen leben in Armut. Über eine Milliarde Menschen hat kein Geld für genügend Nahrung, und eine weitere Milliarde riskiert, wieder in Armut zu versinken. Auch die Verteilung des Reichtums und der Einkommen in der Welt ist problematisch. Über einen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren konnte das ärmste Fünftel der Weltbevölkerung seinen Anteil an den Einkommen nur um ein halbes Prozent erhöhen, währenddem eine Gruppe von 10 Millionen Menschen innerhalb von nur einem Jahrzehnt ihr Vermögen verdoppelt hat.
Was wir somit brauchen, ist ein nachhaltiges und gerechtes wirtschaftliches Wachstum. Ein solches ist ohne ein stabiles Finanzsystem undenkbar. Das Finanzsystem hat sich dank einer Vervielfachung der Hebelwirkung und nicht auf der Grundlage eines realen Wachstums entwickelt. So ist es seit einiger Zeit offensichtlich geworden, dass sich das Finanz- und Bankensystem ändern muss. Dies bedeutet, dass sich die Finanzmärkte regulieren und überwachen lassen und gleichzeitig transparenter werden müssen. Das arrogante Verhalten und insbesondere die Höhe der Boni bei einigen dieser Unternehmen haben uns zu Recht schockiert und zum Handeln veranlasst.
In unserer Politik müssen wir die Kräfteverhältnisse realistisch einschätzen. Es gibt jene, die glauben, dass wir machtlos sind und ohnehin nichts ausrichten können, und es gibt jene, die glauben, dass wir allmächtig sind und alle Probleme lösen können. Beide liegen falsch. Internationale Beziehungen sind Machtbeziehungen, die von der Suche nach Kompromissen zwischen unterschiedlichen Interessen geprägt sind. Was wir in der Innenpolitik seit Jahrhunderten praktizieren, ist nun auch zum Kern unserer Aussenpolitik geworden. Natürlich sind wir mit einer Reihe von Fragen konfrontiert, für die wir noch keine Lösungen gefunden haben. Wir stehen in schwierigen vorbereitenden Diskussionen mit der Europäischen Union. Aber wir kommen voran und haben eine Strategie, die den Weg für eine weitere Runde bilateraler Verhandlungen und Diskussionen aufzeigt. Wir haben mit wichtigen Wirtschaftspartnern Differenzen im Steuerbereich. Mit unseren Nachbarn haben wir Meinungsverschiedenheiten bei Fragen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere über Personenfreizügigkeit, Flughäfen und andere Verkehrsfragen. Aber wir bemühen uns um konkrete Problemlösungen und machen konstruktive Vorschläge.
Aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre drängt sich für die schweizerische Aussenpolitik eine Feststellung auf: Wir müssen die Interessen des Landes, wie sie die Innenpolitik artikuliert, mit einer verstärkten internationalen Präsenz begleiten. Wer passiv abseits steht, vertritt unsere nationalen Interessen nicht und schränkt unseren Einfluss und unsere Möglichkeiten nur ein. Die Schweiz braucht Engagement und aktives Mitwirken, und zwar mehr denn je.
Die Natur der heutigen multipolaren und globalisierten Welt stellt für die Schweiz eine wichtige Herausforderung dar. Aber ich bin überzeugt, dass es sich dabei für uns vor allem um eine riesige Chance handelt. In einem von Multipolarität und Pluralismus gekennzeichneten dynamischen Umfeld hat der Staat keine andere Wahl, als sich dem, wie ich es nennen würde, Gebot der Zusammenarbeit zu verschreiben. Er hat keine andere Wahl, als alle Beteiligten, die für ein bestimmtes Thema relevant sind - also nicht nur die politischen Akteure -, in die Lösungssuche mit einzubeziehen. Die Schweiz ist dank ihrer langen Tradition der Demokratie und des Dialogs, ihrer nichtkolonialen Vergangenheit, ihrer Neutralität, der ausgezeichneten Qualität ihrer Diplomatie und der Stabilität ihres politischen Systems eine besonders glaubwürdige, zuverlässige und konstruktive Partnerin. Weil es heute mehr Entscheidungszentren, mehr internationale Akteure und mehr globale Probleme gibt, die selbst das mächtigste Land der Welt nicht mehr allein lösen kann, hat die Schweiz heute gute Voraussetzungen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, bessere Voraussetzungen als während des Kalten Krieges, als sich zwei Supermächte gegenüberstanden.
1848 wurde unser Bundesstaat gegründet, in einer Zeit, als der europäische Kontinent von grossen Wirren heimgesucht wurde. Damals war die Schweiz erfüllt von Kühnheit, Mut und Offenheit; sie hat sich damals entschieden, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken und die Chancen, welche diese bereithielt, zu ergreifen. Heute erlebt die Welt wieder gewaltige Turbulenzen, und die Schweiz muss erneut den Mut aufbringen, an die Zukunft zu glauben.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und ich danke Ihnen auch für die Zusammenarbeit im Laufe der vergangenen neun Jahre, während denen ich die Ehre hatte, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten zu leiten. (Stehende Ovation)
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