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Carobbio Guscetti Marina · Nationalrat · 2012-09-20

Carobbio Guscetti Marina · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-09-20

Wortprotokoll

Ich spreche im Namen der Minderheit, die der parlamentarischen Initiative Folge geben will. Dass im Bereich der Hausarztmedizin Handlungsbedarf besteht, wird von den meisten anerkannt, nämlich von den mehr als 200 000 Bürgerinnen und Bürgern, die die Initiative zur Hausarztmedizin in kurzer Zeit unterschrieben haben, vom Bundesrat, der zusammen mit den interessierten Akteuren einen Masterplan zur Stärkung der Hausarztmedizin erarbeitet, und auch von der Mehrheit der Kommission.

Die Kommissionsmehrheit will aber leider der parlamentarischen Initiative keine Folge geben, weil sie meint, dass dem Initiativanliegen im Zuge der Beratungen zur Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" und zu ihrem indirekten Gegenentwurf, dem Masterplan, Rechnung getragen wird. Selbstverständlich werden wir die ausführliche Diskussion zur Situation der Hausärzte im Rahmen der Behandlung der Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" führen. Aber wir können heute mit der Unterstützung der Initiative einen konkreten Beitrag zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung in unserem Land leisten, insbesondere was die Randregionen betrifft, wo die medizinische Grundversorgung immer schwieriger zu gewährleisten ist. Dieser parlamentarischen Initiative Folge zu geben bedeutet, ein klares Zeichen bei der Erarbeitung des Masterplans zur Hausarztmedizin zu setzen, damit eine qualitativ gute und für alle zugängliche Grundversorgung in der ganzen Schweiz sichergestellt wird. Es bedeutet auch, an die Kantone und an die Gemeinden ein Signal zu senden, dass auch sie eine Aufgabe haben; diese lautet, die Grundversorgung sicherzustellen.

Es ist uns allen klar, dass mehr Ärzte ausgebildet werden müssen, um die Abhängigkeit vom Ausland zu mildern. Es muss uns aber auch klar sein, dass man Massnahmen braucht, damit die Grundversorgung attraktiv bleibt bzw. attraktiver wird und damit auch die Schwierigkeiten in den abgelegenen Regionen überwunden werden können, in welchen es wirklich um die Zukunft der Grundversorgung geht. In den peripheren ländlichen Gebieten und in den Bergregionen wird es immer schwieriger, Hausärzte zu finden.

Bei der Grundversorgung gibt es eine Entwicklung in Richtung einer integrierten Versorgung. Integrierte Versorgung bedeutet Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, mit Pflegepersonal und Personen aus anderen Gesundheitsberufen. Diese Tendenz verstärkt sich angesichts des Umstandes, dass es sich bei den neuen Praxen immer häufiger um Gemeinschafts- oder Gruppenpraxen handelt. Es ist ein Strukturwandel in der ambulanten Medizin im Gange.

Die parlamentarische Initiative Fehr Jacqueline will ein Impulsprogramm, damit man dem Ärztemangel begegnen kann, aber auch damit die Ärzte besser in Netzen, in der integrierten Versorgung, in den neuen Modellen arbeiten können. Natürlich sind in erster Linie die Kantone zuständig. Gewisse Kantone und Gemeinden unterstützen neue Modelle auch bereits, sie stellen Praxisräumlichkeiten zur Verfügung und machen Inputfinanzierungen usw. Um dies aber wirklich in der ganzen Schweiz zu erreichen, wäre es gut, wenn wir eine Anschubfinanzierung für die ganze Schweiz lancieren könnten.

Die Kommission hat auch eine Motion diskutiert, die den Bundesrat auffordert, Anreize und Standards für das elektronische Patientendossier einzuführen. Das ist auch ein Thema, das den Masterplan betreffen und auch Inhalt einer Botschaft sein könnte. Gleichwohl will die Kommission richtigerweise ein Signal setzen. Es ist nötig, zur Unterstützung der Hausarztmedizin und des Strukturwandels in der Grundversorgung dieses Signal auch zu senden.

Der Initiative keine Folge zu geben wäre ein falsches Signal. Darum bitte ich Sie, der Minderheit zu folgen und der parlamentarischen Initiative Fehr Jacqueline Folge zu geben.