Stöckli Hans · Ständerat · 2012-09-10
Stöckli Hans · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-09-10
Wortprotokoll
Das Votum von Herrn Minder erlaubt mir, meine Position darzulegen. Auf der einen Seite ist es zweifellos richtig, dass wir stolz auf das sein dürfen, was wir im Gewässerschutz erreicht haben; das ist ein Erfolgsmodell. Ich habe seinerzeit beim Besuch des saudi-arabischen Finanzministers sogar "plagiert", man könne aus dem See trinken. Er hat gesagt: "Just drink!" Ich habe dann ein Glas Wasser aus dem Bielersee getrunken, und ich lebe noch. Dementsprechend ist es also klar, dass das Wasser von sehr guter Qualität ist.
Es gibt aber eben eine Besonderheit, Sie haben sie selbst erwähnt, Herr Minder. Wir wissen, dass wir einen Viertel sterile Felchen haben, dass wir eine historisch tiefe Fangquote haben, dass die Wasserflohkrebse nicht mehr vorhanden sind und - jetzt kommt es - dass wir eine Beeinflussung durch die Kraftwerke Oberhasli haben. Diese Kraftwerke haben nicht nur im Sommer Einfluss, sondern eben auch im Winter. Normalerweise, natürlicherweise ist ein See im Berggebiet im Sommer trüb. Es gibt Gletscherschmelze, viele Feinstoffe, und dementsprechend ist eine trübe Wasserqualität gegeben. Weil das Wasser gestaut und eben auch im Winter abgelassen wird, wird das Wasser im Brienzersee auch im Winter trüb. Dementsprechend kann sich die ganze Wasserwelt im Brienzersee nicht gleich erholen wie jene in den übrigen Seen. Dadurch ist auch teilweise das Aussterben der Daphnien zu erklären. Je weniger Daphnien es hat, desto trüber wird das Wasser.
Weil eben diese Besonderheit, die es in dieser Grössenordnung nur beim Brienzersee gibt, zu berücksichtigen ist, bin ich überzeugt, dass man die Büchse der Pandora nicht öffnen würde, wenn man einen solchen Pilotversuch erlaubte. In der Motion Luginbühl ist klar dargelegt, Herr Minder, dass im Rahmen dieses Pilotversuches nicht ein vollständiger Verzicht auf die Phosphatfällung verlangt wird. Möglich ist auch ein teilweiser Verzicht, wenn das Resultat damit ebenfalls erreicht werden kann. Dementsprechend sind dann die Übungsanlagen zu definieren.
Sie werden verstehen, dass ich das Anliegen der Motion Luginbühl unterstütze, nachdem sich der Grosse Rat meines Kantons in einer solchen Deutlichkeit - mit 104 zu 2 Stimmen - dafür ausgesprochen hat, einen solchen Versuch zu ermöglichen.