Quadranti Rosmarie · Nationalrat · 2012-12-11
Quadranti Rosmarie · Nationalrat · Zürich · Fraktion BD · 2012-12-11
Wortprotokoll
Es gibt verschiedene Gesichtspunkte, die mich zu einer Befürworterin der Wehrpflicht machen. Das Milizsystem hat in der Schweiz Tradition. Es hat Tradition in der Armee und bei Behörden. Die Miliz ist, wir wissen es, sehr alt. Sie beruht auf dem in der Antike entwickelten Gedanken der Einheit von Bürger und Soldat. Die Einheit von Bürger und Soldat heisst auch die Verwurzelung einer gemeinsamen Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes. Dank unseres Milizsystems ist der Abstand vom Bürger zur Armee oder zur Verwaltung eben nicht so gross wie in anderen Ländern. Das heisst, wir wissen, was in unserer Armee passiert. Es kommt hinzu, dass mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht die Berufsarmee eingeführt werden wird, das scheint mir klar, und auch das will ich nicht.
Als ehemalige Angehörige des Frauenhilfsdienstes (FHD) könnte ich ja eigentlich für die Abschaffung sein, denn ich war ja auch freiwillig in der Armee. Als Mutter von zwei Söhnen könnte ich auch für die Abschaffung der Armee sein, weil das, was sie aus den WK nach Hause bringen, mir oft die Haare noch grauer werden lässt. Sie berichten über zu wenig Beschäftigung, über Leerläufe. Ich hätte also Gründe, für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht zu sein; trotzdem bin ich es nicht. Ich stehe hinter der Armee, ich stehe hinter der allgemeinen Wehrpflicht. Denn gerade in der heute so stark auf die eigene Person fixierten Lebensweise ist es gut, wenn mindestens die männlichen Mitglieder sich gemeinnützig engagieren müssen. Es ist ein eigentliches Zeichen der Zeit, genau hier nicht abzuspecken. Ich bin überzeugt, dass das Militär, über dessen Gestaltung und dessen Auftrag man unbedingt sprechen muss, eine wichtige Komponente hat: Förderung der Solidarität, Gemeinschaftssinn und sich in einer Organisation einfügen, auch wenn man nicht die Wahl hatte, ob man das will oder nicht.
Die Armee muss sich reformieren, sie muss sich weiterentwickeln, aber sie soll das verbunden mit der allgemeinen Wehrpflicht tun können. Grundsätzlich hat sich das System der Pflicht, allen Unkenrufen zum Trotz, in unserem Land bewährt. Die Pflicht ist Teil unseres Systems. Die Armee hat auch etwas Verbindendes: Man kommt mit Menschen aus allen Schichten zusammen, teils auch über die Sprachgrenzen hinweg. Ich meine, das trägt zum Verständnis füreinander in unserem Land bei.
Deshalb auch von meiner Seite ein ganz klares Nein zur Initiative aus der Feder der GSoA.