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Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · 2013-04-15

Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2013-04-15

Wortprotokoll

"Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland." Der bekannte Pfarrer und Dichter Jeremias Gotthelf hat es auf den Punkt gebracht: Das Gemeinwesen lebt von gut funktionierenden Familien, von Familien, welche Kinder und junge Menschen erziehen, heranbilden und ihnen Werte vermitteln, die sie ihrerseits befähigen, das Leben zu meistern, Konflikte zu bewältigen und das Leben in der Gemeinschaft positiv mitzugestalten.

Doch was geschieht in Wirklichkeit? Die funktionierende, traditionelle Familie verliert mehr und mehr ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Die Anerkennung der Familienfrauen oder der Familienmänner, welche sich der Betreuung der Familie sowie dem Wohlergehen und der Erziehung widmen, schwindet zunehmend. Im Trend liegt, wer seine gute Ausbildung und seine Fähigkeiten möglichst umfassend der Wirtschaft, auch der Staatswirtschaft, zur Verfügung stellt. Die Kinder müssen möglichst rasch in Kinderkrippen. Dabei wird vergessen, dass Geborgenheit, Zuwendung und Körperkontakt, welche der Nesthocker "Mensch" im Vorschulalter für seine Entwicklung braucht, beschnitten werden. Die Bedürfnisse der Kinder werden ignoriert. Schon von den Kleinkindern wird das Einordnen in eine grosse Kindergruppe und in den Arbeitsrhythmus der Erwachsenen verlangt. Damit diese Kinder später ihre Defizite aufarbeiten können, stellt der Staat dann unzählige Fördermassnahmen zur Verfügung, die von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen.

Erwiesenermassen ist es das Beste für das Kind, wenn seine Eltern die Erziehungsverantwortung selber wahrnehmen können. Denn nur mit einer Eins-zu-eins-Betreuung können sie auf die wichtige Entwicklungsphase des Vorschulkindes wirkungsvoll Einfluss nehmen. Kleinkinder lernen über die Nachahmung. Wir sind also ihre Vorbilder. Ihr natürlicher Wissens- und Bewegungsdrang kann in einer Kindergruppe mit nur einer Betreuungsperson kaum gestillt werden. In einer Studie von Isopublic ist festgehalten worden, dass Kinder, die von ihren Eltern selber betreut wurden, gesünder und glücklicher waren als Krippenkinder. Damit konnte aufgezeigt werden, dass die eigene Kinderbetreuung durchaus auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt.

Als Kindergärtnerin stellte ich fest, dass Kinder, welche sich immer dem Rhythmus der Erwachsenen anpassen mussten, unter Schlafstörungen, Magenschmerzen, depressiven Verstimmungen und Kopfschmerzen litten. Das ist nachvollziehbar, brauchen Kinder doch für ihr Wohlergehen viel Zeit für sich und Ruhe. Lassen wir den Kindern diese Zeit der Ich-Findung, die später nie mehr nachgeholt werden kann! Sie gehört in den ersten sieben Jahren zur gesunden Reifung [PAGE 565] und Entwicklung des Menschen. Erst wenn diese Entwicklungsphase abgeschlossen ist, kommt die Zeit der Sozialisation. Grosse Kindergruppen stellen für Vorschulkinder eine immense Belastung dar. Müssen sich Kinder zu früh in eine Gruppe einfügen, entwickeln sie sich schon im Vorschulalter entweder zum Duckmäuschen oder zum Ellbogentyp, was die harmonische Persönlichkeitsentwicklung stören kann. Es ist wichtig, dass das Kleinkind möglichst wenige und immer die gleichen Bezugspersonen hat, damit es sein Vertrauen, seine Selbstsicherheit und seine Beziehungsfähigkeit aufbauen kann.

Eltern, die ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen, tragen also viel zu einer nachhaltigen und kostengünstigen Familien- und Gesellschaftspolitik bei. Wie Recht hatte doch Rousseau mit seiner Aussage: "Kindererziehung ist ein Beruf, wo man verstehen muss, Zeit zu verlieren, um Zeit zu gewinnen"!

Für die SVP bilden Ehe und Familie nach wie vor die Grundlage und den Kern unserer Gemeinschaft, daher kämpft sie für die Erhaltung und die Anerkennung der Familien. Familien mit ihren Kindern verdienen nämlich den besonderen Schutz und die Achtung der Gesellschaft. Die Erziehung der Kinder soll grundsätzlich in der Verantwortung und Pflicht der eigenen Eltern liegen. Mit unserer Initiative "Pro Kind ein Steuerabzug" überlassen wir es aber den Eltern, wie sie ihre Kinder betreuen lassen wollen.

Ich bitte Sie, die Familien-Initiative zum Wohl unserer Kinder und für mehr Gerechtigkeit zu unterstützen!