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Bangerter Käthi · Nationalrat · 2001-06-20

Bangerter Käthi · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2001-06-20

Wortprotokoll

Informatiker sind Mangelware: Diese Message hören und lesen wir immer wieder. Aber auch andere Fachkräfte sind Mangelware, z. B. Polymechaniker, Techniker, Ingenieure. Wir Unternehmerinnen und Unternehmer signalisieren dies auch entsprechend, doch nimmt die Politik diese Tatsache nicht auf. Es bleibt unser ureigenes Problem. Hier stellt sich mir die Frage: Was machen wir Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter und was machen die Verbände falsch, dass diese Botschaft nicht gehört wird? Mit neuen Berufsbildern und neuen Ausbildungsgängen mit integriertem Informatikanteil versuchen wir in der Wirtschaft die Berufslehre zu attraktivieren. Dabei bin ich überzeugt, dass das neue Berufsbildungsgesetz, das im Herbst zur Beratung in unseren Rat kommt, auch wesentlich zur allgemeinen Attraktivierung der Berufslehre beitragen wird. Dieser Weg ist langfristig zu gehen. Es ist keine Sofortmassnahme, aber es ist ein Weg mit nachhaltiger Wirkung.

Nach diesem Tour d'horizon komme ich zum Kern, zum ICT-Umschulungsgesetz und zu drei grundsätzlichen Überlegungen, weshalb ich empfehle, nicht auf die Vorlage einzutreten:

1. Es ist unbestritten: Die Wirtschaft braucht gut ausgebildete Informatiker. Aber ich betone nochmals: nicht nur Informatiker, sondern auch andere Fachkräfte. Ein Grossteil der Wirtschaftsvertreter - ich spreche von der überwiegenden Zahl der Swissmem-Mitgliedfirmen und von der überwiegenden Zahl der Mitgliedorganisationen des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes - befürchtet, dass mit dem geplanten ICT-Umschulungsgesetz und seinen Umschulungsanreizen Berufsleute aus anderen Branchen abgeworben werden, die dort ebenso notwendig sind und die dann ebenfalls fehlen.

Es ist erstaunlich, dass Kollegin Riklin besser weiss, was die Wirtschaft braucht, und die Wirtschaftsvertreter scheinbar intellektuell etwas unterentwickelt sind und die Lage falsch beurteilen. Mich erstaunen Ihre Behauptungen, Frau Riklin, und mich erstaunt, dass Sie den Eindruck haben, den Durchblick zu haben.

2. Heute fehlen uns die erforderlichen Grundlagen um entscheiden zu können, welche Art von Informatik vor allem fehlt. Sind es die Software-Ingenieure oder sind es Leute im berufsspezifisch angewandten Informatikbereich? Denn heute ist in vielen Lehrberufen die angewandte Informatik bereits eingebaut.

3. Der Einbruch der New-Economy-Euphorie dämpft bereits den Druck auf den Informatikermarkt. Wir hören von Stellenabbau, auch bei den Software-Ingenieuren, sei es bei Miracle, Ascom oder - die neueste Meldung - bei der Cablecom-Tochter Swissonline, um nur einige Beispiele zu nennen. Das sind neue und neueste Meldungen, die erst nach dem Begehren, eine ICT-Umschulungs-Initiative zu lancieren, bekannt wurden. Das heisst, mit diesem Gesetz kommen wir - wie so oft bei staatlichen Interventionen - zu spät.

Nun noch eine Bemerkung zum Gesetz im Speziellen, insbesondere zur Prüfstelle: Erhebung der Bedürfnisse, Entwicklung von Bildungsmodulen, Prüfung der Eignung von Personen, die eine Bildung durchlaufen wollen, Koordination und Verteilung der finanziellen Mittel - dies alles soll eine Prüfstelle vornehmen. Diese Prüfstelle ist bereits bestimmt. Es ist die Informatik Berufsbildung Schweiz mit dem Kürzel I-CH. Diese I-CH erhält 20 Prozent der gesamten Summe von 100 Millionen Franken zugesprochen, die restlichen 80 Millionen Franken stehen dann für die eigentliche Bildungstätigkeit zugunsten Erwachsener zur Verfügung.

In der Botschaft ist bereits heute stipuliert, dass allfällige Kürzungen des Gesamtkredites nur zulasten dieser 80 Millionen Franken gehen dürften; die 20 Millionen Franken sind somit fest zugesichert. Ein solcher Administrativkostenblock scheint mir sehr hoch - zu hoch -, insbesondere deshalb, weil diese Organisation bereits Gelder erhält, gestützt auf den Lehrstellenbeschluss II, mit dem auch Informatikprojekte unterstützt werden. Gewisse Doppelspurigkeiten sind hier vorhanden.

Aus all diesen Gründen beantrage ich Ihnen auch im Namen der Mehrheit der FDP-Fraktion, den Antrag der Minderheit der Kommission zu unterstützen und auf die Vorlage nicht einzutreten. Wenn wir schon 100 Millionen Franken für die Ausbildung im Informatikbereich ausgeben wollen, wäre dieses Geld für die ICT-Ausbildung von Lehrpersonen und damit für künftige Schüler zu verwenden. Die 100 Millionen Franken wären so wesentlich effizienter eingesetzt.