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Leuenberger Moritz · Bundesrat · 2001-06-21

Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2001-06-21

Wortprotokoll

Bei dieser vorgeschlagenen Zweiphasenausbildung geht es zunächst einmal darum, die Neulenker "in den Genuss" - ich betone das - dieser Ausbildung kommen zu lassen. Es ist statistisch erwiesen, dass die Neulenker die schwersten und die meisten Unfälle verursachen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass das in der Regel junge Lenker sind. Junge Lenker haben vielleicht noch etwas mehr Draufgängertum und ein höheres Aggressionspotenzial als ältere Menschen. Es kommt hinzu, dass ihnen als Neulenker die Erfahrung fehlt. Sie haben in der Theorie vieles gelernt; Physik, Masse mal Gewicht, Bremsweg usw., kann man mathematisch und abstrakt im Kopf erlernen. Aber das dann zu erleben, das ist eine andere Sache.

Wenn wir hier eine Zweiphasenausbildung vorschlagen, ist doch zu sehen, dass es sehr viele Berufe gibt, die dasselbe Prinzip kennen. Man muss ein Praktikum machen, bevor man die Ausbildung endgültig abschliesst. Die heutige Fahrausbildung kann nicht als ein Praktikum im eigentlichen Sinne betrachtet werden, denn der Fahrlehrer ist ja immer dabei. Sie können sich vielleicht an den Moment erinnern, als Sie nach der Prüfung zum ersten Mal allein am Steuer sassen. Das ist etwas anderes, als wenn der Fahrlehrer nebenan sitzt, mit seiner Autorität und mit der Möglichkeit, doch noch einzugreifen, wenn man etwas falsch macht. [PAGE 898] Deswegen ist eine Weiterbildung während einer gewissen Zeit, in der man bereits selbst ein Fahrzeug fahren kann, durchaus angebracht. Wir gehen davon aus, dass das zwei oder drei solche Kurse sein können.

Auf einen Irrtum möchte ich die Mehrheit Ihrer Kommission doch aufmerksam machen - um nicht zu sagen, ich mache ihr einen Vorwurf. Diese Ausbildung ist keine Strafe. So, wie es jetzt die Mehrheit konzipiert, könnte es eine Strafe werden - man macht einen Fehler, und dann muss man in den Nachhilfeunterricht. Wir wollen, dass alle in den Genuss dieses Unterrichtes kommen. Ich kann Ihnen sagen, dass Leute, die eine solche Ausbildung machen, Freude daran haben: Sie haben Freude, z. B. Schleuderkurse zu machen, zu sehen, wie ein Fahrzeug reagiert, wenn sie auf eine glatte Strecke kommen. Es geht auch um Bremsübungen. Es ist eben ein Unterschied, ob jemand allein in einem Automobil sitzt oder ob vier Personen in einem Automobil sitzen; da ist die Masse grösser. So zu tun, als ob das eine Strafe wäre, das ist einfach falsch. Es ist lehrreich, und es ist interessant, solche Weiterbildungen zu machen.

Daher beantrage ich Ihnen, den Antrag Joder, d. h. den Beschluss des Ständerates, zu unterstützen.