Jenny This · Ständerat · 2012-03-14
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-03-14
Wortprotokoll
Ich begreife meinen Kollegen Roland Eberle aus dem Kanton Thurgau. Trotzdem, wenn wir der Mehrheit folgen, ist das kein Schnellschuss. Die Delfinhaltung kann auch nicht mit der Rudelhaltung beim Hund verglichen werden,denn bei den Hunden, das weiss ich als Hundebesitzer, ersetzt eben der Mensch das Rudel. (Heiterkeit) Wir sind uns ja wohl alle einig: Sämtliche Wildtiere, sofern sie genügend Nahrung vorfänden, würden sich gerne in der freien Wildbahn bewegen. Die meisten Wildtiere können jedoch - und das entgegne ich Roland Eberle - auch in Gefangenschaft artgerecht gehalten werden. Wer das nicht glaubt, begebe sich, wie ich das jedes Jahr einmal mache, in den Tierpark Dählhölzli in Bern. Das ist ein Tierpark mit einem begnadeten Team und ein tolles Beispiel, wie Wildtiere in Gefangenschaft gehalten werden können.
Ich halte es hier mit Kollege Gutzwiller: Eine artgerechte Haltung ist bei Delfinen auch mit dem allergrössten Aufwand - Sie können bei den Delfinen Millionen investieren - nicht möglich. Es wurde von Kollegin Bruderer gesagt: In der Freiheit brauchen diese Tiere Hunderte von Quadratkilometern - das entspricht der Strecke von Bern nach Zürich im Quadrat - und einige Hundert Meter Tiefe, und zwar täglich. Jetzt stellen Sie sich vor, was das heisst! Weil man den Delfinen das nicht bieten kann, muss man sie mit Medikamenten vollstopfen. Was das bedeutet, wissen Sie aus der Vergangenheit. Wer sich nun nur ein ganz wenig mit dem Lebensraum an der Meeresoberfläche beschäftigt, der muss wissen, dass der Auslauf in der Gefangenschaft nie befriedigen kann. Nur täuschen diese Delfine mit ihrem lieblichen Wesen, mit ihrem Ausdruck über die wahren Probleme, über die sozialen Probleme, denen sie ausgesetzt sind, hinweg.
Nun wird damit argumentiert, dass man auch die Haltung anderer Wildtiere verbieten müsste. Das stimmt eben nicht. Wölfen und Löwen ist pudelwohl, sofern sie genügend zu fressen haben und im Rudel gehalten werden. (Heiterkeit) Sie sind rundum glücklich, auch die Fortpflanzung gestaltet sich bei diesen Tieren problemlos, was bei den Delfinen nachweislich nicht der Fall ist. Das zeigt ja schon das Problem, das wir mit diesen Tieren in Gefangenschaft haben.
Natürlich hat ein solches Verbot - da gehe ich mit Kollege Eberle einig - auch eine wirtschaftliche Komponente, das stimmt. Das tut mir als Unternehmer im Herzen weh. Als Vergnügungspark mit über fünfzig anderen Attraktionen hat das Connyland jedoch noch andere Möglichkeiten. Nun, ich weiss, es ist einfach, das zu sagen. Aber andere Pärke, der Europa-Park Rust beispielsweise, haben es vorgemacht und halten heute keine Delfine mehr.
Ich möchte Sie bitten, der Kommissionsmehrheit zu folgen, damit diese Diskussion wirklich intensiv geführt werden kann. Es ist auch kein Schnellschuss. Es ist ein Problem, es beschäftigt die Bevölkerung und soll auch uns nicht gleichgültig lassen.