Lexipedia

Baumann Isidor · Ständerat · 2013-09-12

Baumann Isidor · Ständerat · Uri · Fraktion CVP-EVP · 2013-09-12

Wortprotokoll

Es gehört dazu, dass man eine Offenlegung seiner Interessen macht. Die Offenlegung meiner Interessen ist, dass ich Schafbesitzer bin, dass ich Wolfsschäden hatte und dass ich dafür eine Inkonvenienzentschädigung erhalten habe. Trotzdem bin ich nicht zu einem konsequenten Wolfsgegner geworden und habe mich auch nicht bemüht, den Widerstand zu schüren. Darum möchte ich gerne zwei, drei Bemerkungen machen, und insbesondere hoffe ich, auch zwei, drei Überlegungen dazu mitzugeben, wie man mit diesem schwierigen Geschäft, mit den Betroffenen und vor allem in den Regionen, wo es viele Betroffene gibt, umgehen sollte.

Erster Punkt: Die Ausgangslage ist schlecht. Für viele gibt es immer mehr folgende Botschaft oder Definition - und das ist bedrückend; die Medien helfen leider mit -: "Die Wolfsvertreter vom Bundesamt für Umwelt bis zu und mit den Umweltverbänden machen es gut, und die Tierhalter machen es schlecht." Das ist eine schlechte Ausgangslage, um ein anstehendes Problem zu lösen.

Zweiter Punkt: Es treffen zwei ungleich ausgestattete Gegner aufeinander. Auf der einen Seite ist es der Bund mit den Gesetzen und entsprechenden finanziellen Mitteln und auf der anderen Seite ein Einzelkämpfer, ein Geschädigter. Dieser hat nur eine Unterstützung, wenn es zu seinem Glück noch andere Betroffene gibt, sonst kämpft jeder immer allein. In diesem Sinne wären Überlegungen angebracht, wieweit diese zwei Gegnerschaften sich überhaupt finden können. Die Ungleichheit wird nicht dazu führen, dass hier der Kleine irgendeine Chance hat. Ich möchte anregen zu überlegen, ob in diesem Fall nicht auch ein Gremium oder ein Mediator eingesetzt werden sollte, um solche Konfliktfälle offener und transparenter zu diskutieren.

Ich staune auch, dass es immer mehr gelingt, die Schadenfälle nicht mehr in den Medien publizieren zu lassen. Wer nämlich vor zwei Wochen in der Zeitung gelesen hat, dass zwei Hunde vier Rehe gerissen haben, dies in einem Ort, in dem es keine Wölfe gibt, und wer die Reaktionen der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen konnte, der weiss, dass die Gesellschaft solche Schäden und solche Bilder nicht akzeptiert. Daraus leite ich ab: Wäre das Wissen über die Schadenfälle bei den Haustieren der Bauern in den Alpen und die Sichtbarkeit dieser Fälle ebenso gegeben wie bei den Hunden, würde der Widerstand viel, viel besser wahrgenommen.

In diesem Sinne bitte ich, dass man mehr Verständnis hat, die Kooperation mit den Betroffenen ernster nimmt und dass [PAGE 729] Zahlen, die verlangt werden, auch präsentiert werden. Es erstaunt mich nämlich, dass in der Antwort des Bundesrates die Zahlen für Frankreich nicht kommuniziert werden konnten, weil man sie noch nicht hatte, während Ständerat René Imoberdorf diese Zahlen gefunden hat.

Es besteht ein grosses Misstrauen, da man nicht mit den Fakten und Daten, die man eigentlich hätte, operiert. Dieses Misstrauen muss verschwinden - ansonsten wird es keine Lösung geben, die Haustiere und Wolf, Bafu- und Landwirtschaftsinteressen vernünftig nebeneinander leben lässt.

Baumann Isidor · Ständerat · 2013-09-12 | Lexipedia | Lexipedia