Graf Maya · Nationalrat · 2013-11-25
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2013-11-25
Wortprotokoll
Das erste Geschäft auf unserer Tagesordnung ist ein trauriges; es sind zwei Nachrufe.
Herr Ständerat Pankraz Freitag ist nicht mehr unter uns; er hat uns Anfang Oktober vollkommen unerwartet verlassen. Pankraz Freitag wäre am 12. Dezember 61 Jahre alt geworden. Die Bundesversammlung trauert um eine grosse Persönlichkeit und einen besonnenen Sachpolitiker; wir verlieren einen lieben, aufmerksamen und magistralen Kollegen. Er war ein Brückenbauer mit grossen integrativen Fähigkeiten.
Am 3. März 2008 übernahm Pankraz Freitag die Nachfolge von Fritz Schiesser in der Kleinen Kammer und wurde im Jahr 2011 als Vertreter des Kantons Glarus klar bestätigt. Er handelte im Ständerat stets bestimmt und ruhig. Seine klaren Voten und seine umsichtigen Lösungen haben die Politik im Bundeshaus geprägt. Seine Fachkompetenz und seine Sachlichkeit beeindruckten über die Parteigrenzen hinweg.
Mit seiner zurückhaltenden und bescheidenen Art erwarb sich Pankraz Freitag in Bern grosse Wertschätzung. Er war Mitglied der Finanzkommission, die er von 2009 bis 2011 präsidierte, sowie der Kommission für Wirtschaft und Abgaben und der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Dort interessierte ihn als Verwaltungsratspräsidenten der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle besonders die Energieversorgung. Er leitete aber auch die parlamentarische Gruppe Klimaänderung.
Als Sohn einer Bergbauernfamilie setzte sich Pankraz Freitag zudem für sinnvolle Landwirtschaftsreformen ein und war ein grosser Fürsprecher seines Heimatkantons und der Berggebiete. Die Kantone hatten in ihm einen überzeugten Verfechter des Föderalismus.
Pankraz Freitag hatte als Wissenschafter, ehemaliger Mathematiklehrer und alt Baudirektor eine Vorliebe für Fakten. "Wenn Sie schon Vergleiche ziehen, dann bitte korrekte", hat er während der letzten Session einem Gegenüber gesagt. (AB 2013 S 911) Er selbst sprach nur, wenn er wirklich etwas zu sagen hatte - und dann sagte er es kurz und klar.
In seiner politischen Tätigkeit verlor er nie die Interessen der Bürgerinnen und Bürger aus den Augen. Brücken schlagen zwischen entgegengesetzten Positionen, um zu sachlich richtigen Lösungen zu kommen - das war sein politisches Credo. Das kann ich auch im Namen seiner Kollegen und Kolleginnen im Ständerat bestätigen. [PAGE 1788]
Lieber Pankraz, du bist viel zu früh gegangen, und du fehlst uns allen! Mit der aufmerksamen Unterstützung durch seine Familie hat sich Pankraz Freitag weit über das übliche Mass hinaus für unser Land engagiert. Wir sprechen seiner Familie unser tiefes Mitgefühl und unsere Dankbarkeit aus.
Eine weitere traurige Nachricht hat uns am vergangenen 15. Oktober erreicht: Bekannt wurde der Hinschied von Herrn alt Bundesrat Rudolf Friedrich. Er starb in Winterthur in seinem 91. Altersjahr. In Ihrem Namen möchte ich seiner Familie unsere tief empfundene Anteilnahme aussprechen.
Für den Anwalt und promovierten Staats- und Völkerrechtler war Politik Berufung. Nach seinem Wirken als Mitglied des Winterthurer Grossen Gemeinderates und des Zürcher Kantonsrates wurde Rudolf Friedrich 1975 in den Nationalrat gewählt. Dort war er Mitglied der Aussenpolitischen und der Sicherheitspolitischen Kommission. Man nahm ihn vor allem als Verfechter einer starken Landesverteidigung wahr.
Aufgrund seiner profunden Sachkenntnis und starken Position innerhalb der FDP-Fraktion erstaune es nicht, dass Rudolf Friedrich an vorderster Stelle als möglicher Bundesrat gehandelt worden sei, hält Urs Altermatt in seinem biografischen Lexikon "Die Schweizer Bundesräte" fest. In der Tat wurde Rudolf Friedrich 1982 im ersten Wahlgang von der Bundesversammlung zum Nachfolger von Fritz Honegger in die Landesregierung gewählt. Er übernahm das Justiz- und Polizeidepartement und wurde 1983 mit einem glänzenden Ergebnis wiedergewählt.
Engagiert setzte er sich in Parlament und Öffentlichkeit für ein fortschrittliches, partnerschaftliches Eherecht ein. Mit der Lex Friedrich wurde Rudolf Friedrich zum Vater einer konsensfähigen Alternative zur Volksinitiative der Nationalen Aktion "gegen den Ausverkauf der Heimat". Als er nach 22 Monaten sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellte, begründete er dies damit, dass das Amt des Bundesrates eine volle Arbeitsfähigkeit voraussetze.
Rudolf Friedrich blieb aber auch nach seinem Rücktritt in der Öffentlichkeit präsent. Er meldete sich zu Wort, wenn er etwas zu sagen hatte. Er galt als liberaler Denker, als scharfsinniger und politischer Analytiker und scheute sich nicht, eigenständige Positionen - mitunter auch unbequeme - zu vertreten. Immer wieder plädierte er für eine weltoffene Schweiz und engagierte sich für den EWR- und den Uno-Beitritt. Für ihn war Aussenpolitik kein Luxus. "Wir sind im Land von Henry Dunant auch auf der ethischen Seite betroffen: von Armut, Elend, Krankheiten und Armut in der Welt. Die Schweiz als wirtschaftliche Mittelmacht trägt Verantwortung", sagte er in einem Interview vor der zweiten Uno-Volksabstimmung. Neben seinen politischen Aktivitäten übernahm er verschiedene Präsidien in gemeinnützigen Organisationen.
Ich bitte die Anwesenden hier im Saal und auf den Tribünen, sich zu Ehren der beiden Verstorbenen zu erheben. Wir werden Pankraz Freitag und Rudolf Friedrich ein ehrendes Andenken bewahren.
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Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire des défunts