Carobbio Guscetti Marina · Nationalrat · 2013-11-25
Carobbio Guscetti Marina · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-11-25
Wortprotokoll
In einem Land wie der Schweiz, wo immer mehr Menschen ein stark erhöhtes Körpergewicht haben und auch immer mehr Kinder übergewichtig werden, kann es nicht sein, dass die Evidenz, wonach Lebensmittelwerbung für Kinder gefährlich sein kann, infrage gestellt wird, wie es heute die Minderheit de Courten tut.
Mit dem Zusatz zu Artikel 14, "Abgabe- und Werbebeschränkungen für alkoholische Getränke", hat der Nationalrat in der Frühjahrssession eine wichtige Ergänzung beschlossen, die vom Ständerat nicht bestätigt wurde. Der Bundesrat soll die an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel einschränken können - der Nationalrat hat da schon einen Schritt gemacht, bei dem ihm der Ständerat aber nicht gefolgt ist -, sofern die Lebensmittel spezifische Kriterien auf der Grundlage von international oder national anerkannten Ernährungsempfehlungen nicht erfüllen. Der jetzt angeführte Satz, diese Kann-Formulierung, zeigt, dass dies kein für die Industrie schädlicher Entscheid sein kann.
Kinder werden von der Lebensmittelindustrie gezielt als Werbegruppe angesprochen. Im Sommer 2012 hat die Allianz der Konsumentenschutzorganisationen eine Analyse von Lebensmittelwerbungen veröffentlicht, welche mit Unterstützung der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz sowie der Westschweizer und Tessiner Gesundheitsdirektoren durchgeführt wurde. Wie die Untersuchung "Kinderwerbung im Fernsehen" der Universität Lugano sowie zwei andere Studien zur Analyse der Kinderwerbung 2006 und 2011 nachgewiesen haben, werden in Werbefenstern während des Kinderprogramms überproportional oft Fastfood, Fertigprodukte, Snacks und kalorienreiche Süssigkeiten beworben. Das macht fast 25 Prozent des gesamten Werbevolumens während des Kinderprogramms aus. Die Ergebnisse sind eindrücklich: Während einer Stunde Fernsehen werden durchschnittlich mehr als 18 Werbespots für Kinder gezeigt. Schaut ein Schweizer Kind pro Tag eine Stunde Fernsehen, sieht es im Jahr rund 40 Stunden Werbespots. Rund ein Viertel davon sind Lebensmittelwerbungen, welche fast ausschliesslich Fastfood, Süssigkeiten und Snacks bewerben. Der freiwillige Verzicht auf Kinderwerbung für Lebensmittel hat sich übrigens nicht bewährt, wie europäische Erfahrungen zeigen.
Noch einmal: Was da von der Mehrheit mit dieser Kann-Formulierung vorgeschlagen wird, ist nicht schädlich für die Industrie. Es ist aber ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Gesundheit von Kindern.
Im Namen der SP-Fraktion bitte ich Sie, hier dem Antrag der Kommissionsmehrheit zuzustimmen und den Antrag der Minderheit de Courten abzulehnen.