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Fetz Anita · Ständerat · 2011-09-19

Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2011-09-19

Wortprotokoll

Ich bin ganz und gar nicht zufrieden. Worum geht es? Zurzeit wird der Rahmenlehrplan für die Berufsmaturität zwischen den Organisationen der Arbeitswelt und dem BBT ausgearbeitet und verhandelt. Dabei ist erstaunlicherweise nicht vorgesehen, eine eigenständige Berufsmaturitätsausrichtung für den Bereich Chemie und Life Sciences zu schaffen, und das wäre ja die Voraussetzung für ein entsprechendes Fachhochschulstudium in Chemie und Life Sciences - dies ausgerechnet in Fächern, in denen qualifizierter Nachwuchs fehlt, und ausgerechnet bei einer Branche, welche eine hohe Wertschöpfung hat!

In der Antwort auf die erste Frage hält der Bundesrat fest, dass die Vertreter der Organisationen der Arbeitswelt und der Fachhochschulen die Ausrichtung der Berufsmaturität gemeinsam festgelegt haben. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Richtig ist jedoch, dass die Organisationen der Arbeitswelt sich vehement für neun Berufsmaturitätsausrichtungen starkgemacht haben und das immer noch tun. Eine der neun von der Wirtschaft geforderten Ausrichtungen ist Chemie und Life Sciences. Das BBT hat aus unerfindlichen Gründen entschieden, dass es maximal fünf bis sechs Berufsmaturitätsausrichtungen geben soll. Kein Mensch weiss, warum es so wenige sein sollen.

Bei der zweiten Frage hält der Bundesrat fest, dass bei der Festlegung der Ausrichtungen der Berufsmaturität die Zahlen der Berufsmaturitätsabsolventen berücksichtigt werden - was bedeutet, dass die Zahl der Absolventen in Chemie und Life Sciences für eine eigenständige Berufsmaturitätsausrichtung als zu klein betrachtet wird. Interessanterweise gilt dies jedoch nicht für den Bereich Landwirtschaft, obwohl es in diesem Bereich nur halb so viele Berufsmaturitätsabsolventen gibt wie im entsprechenden Bereich Chemie und Life Sciences. Nun kann man noch feststellen, dass die Zukunft der Schweiz wohl nicht von den ausgebildeten Landwirten abhängt - die sollen auch gut ausgebildet sein -; der Wohlstand und die Innovationsfähigkeit kommen wohl eher von den Bereichen Chemie und Life Sciences.

Zur dritten Frage: Die Zuordnung der Chemie und der Life Sciences zur Berufsmaturitätsausrichtung "Technik und Architektur", also dass man diese vier zusammennimmt, ist nicht akzeptabel. Zukünftige Architektinnen und Techniker brauchen sehr wenig Chemie und Biologie. Wenn diese beiden für den Studiengang in Chemie und Life Sciences zentralen Schwerpunktfächer aber nur in der Light-Form vermittelt werden, stellt sich langsam, aber sicher die Frage nach dem Wert dieser Berufsmaturität.

Herr Bundesrat Schneider-Ammann, falls Sie es nicht schon gehört haben: Sämtliche Wirtschaftsverbände fordern eine eigenständige Berufsmaturitätsausrichtung für Chemie und [PAGE 839] Life Sciences. Es gibt aus meiner Sicht keinen einzigen stichhaltigen Grund, warum nur sechs Ausrichtungen angeboten werden. Schliesslich gibt es 230 berufliche Grundausbildungen und über 200 Bachelor-Studiengänge an der Fachhochschule. Dann werden neun Ausrichtungen der Berufsmaturität wohl noch möglich sein, und das scheint bezüglich der Anzahl auch nicht überrissen.

Falls ich nachher in Ihrer Antwort keine klare Stellungnahme für einen eigenständigen Bereich Life Sciences und Chemie höre, dann wird mir nichts anderes übrigbleiben, als im Namen der Wirtschaftsverbände eine entsprechende Motion einzureichen.