Lexipedia

Aebi Andreas · Nationalrat · 2012-09-19

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-09-19

Wortprotokoll

Meinen Nichteintretensantrag möchte ich wie folgt begründen: Die AP 2014-2017 ist die sechste Reformrunde in zwanzig Jahren. Sie trägt den enormen ökologischen Leistungen, die unsere Bauernfamilien in dieser Zeit erbracht haben, viel zu wenig Rechnung, und sie gibt keine schlüssigen Antworten auf die aktuellen und kommenden Herausforderungen.

Worin sind wir gut? Was haben wir geleistet? 98 Prozent der Schweizer Bauernbetriebe erfüllen heute den ökologischen Leistungsnachweis. Mehr als 120 000 Hektar Kulturland sind ökologische Ausgleichsflächen, und drei Viertel aller Nutztiere geniessen regelmässig Auslauf im Freien. Die Schweizer Bauern produzieren GVO-freie Produkte von hoher Qualität und Sicherheit, Produkte mit einer Identität. In den letzten zwanzig Jahren haben sich zwei Drittel aller Bauernfamilien diesen ökologischen Herausforderungen gestellt, das andere Drittel gibt es schlicht und einfach nicht mehr. Unsere Landwirtschaft hebt sich ab vom internationalen Massengeschäft. Wir setzen auf Tierwohl und auf ökologisch wirtschaftende Familienbetriebe. Hinsichtlich Ökologie, das wage ich zu sagen, gelten wir als beispielhaft, und das weltweit. Trotzdem setzt diese Reform genau dort den Schwerpunkt. Viel eher müssten Sie hier im Saal eine Antwort auf die schlechte wirtschaftliche Situation vieler Bauernbetriebe geben, und das tut diese Reform eindeutig nicht.

Der Bauer soll mit weniger Ressourceneinsatz mehr Leistungen erbringen und erhält dafür am Schluss noch weniger als heute - diese Rechnung geht nicht auf! Ich hätte gerne, dass der Bundesrat sich hier grundlegende Gedanken dazu macht. [PAGE 1498]

Dieses Parlament hat in jüngster Zeit mehr als einmal beschlossen, dass wir bezüglich der Versorgung mit Lebensmitteln unsere Abhängigkeit vom Ausland nicht noch mehr vergrössern wollen. Der Pro-Kopf-Anteil importierter Lebensmittel ist in der Schweiz heute schon sehr hoch, mitunter einer der höchsten der industrialisierten Länder - dies als Hinweis an alle, die meinen, wir wollten unsere Landwirtschaft abschotten. Mit unserer Kaufkraft können wir uns das zwar leisten, dennoch müssen wir aufpassen, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen.

Die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion nimmt weltweit dramatisch zu. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 von 7,5 auf 9,5 Milliarden Menschen anwachsen. Der Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln und an nachhaltiger Energie wird stark ansteigen. Wir wissen alle: Die fruchtbare Ackerfläche ist begrenzt. Das verfügbare Ackerland pro Kopf wird im Jahr 2050 deutlich weniger als 0,2 Hektar betragen. Im Jahr 1950 waren es noch 0,5 Hektar - nur so als Vergleichsgrösse. Hinzu kommen die Auswirkungen der Klimaveränderung, insbesondere die sich ausbreitende Wasserknappheit. Die Schweiz als Wasserschloss der Welt hat 5 Prozent der Süsswasservorkommen der Erde. Kein Wunder, dass die Chinesen und die reichen Golfstaaten weltweit Tausende von Hektar Ackerland kaufen.

Wir haben in der Schweiz ein günstiges Klima, wir haben Wasser, und wir haben ein sehr hohes Ausbildungsniveau. Unter diesen Gesichtspunkten ist es für mich unverständlich, dass wir ein Reformpaket vorgelegt erhalten, das die Extensivierung der Landwirtschaft vorantreibt. Nahrungsmittel, die wir nicht selber produzieren, müssen wir, das ist ganz klar - und es wird in den folgenden fünf Stunden vielleicht nicht mehr gesagt, weshalb ich es jetzt sage -, schlicht und einfach aus dem Ausland importieren. Wir importieren damit aber auch allfällige ökologische und soziale Probleme der Herkunftsländer.

Ich bitte Sie deshalb: Stimmen Sie meinem Antrag auf Nichteintreten zu! Sie ersparen uns so eine langwierige Debatte und geben dem Bundesrat Gelegenheit, noch einmal über die Bücher zu gehen. Wir sind nicht einfach strikte dagegen, aber bitte, Herr Bundesrat, gehen Sie da noch einmal über die Bücher. Es geht vor allem darum, dass Sie vielen Bauernfamilien etwas ersparen, was am Schluss nicht viel bringt und keine Perspektiven schafft.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Unterstützung.