von Siebenthal Erich · Nationalrat · 2012-06-04
von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-06-04
Wortprotokoll
Ich spreche zu Ziel 8 des UVEK: Die Strategie Biodiversität Schweiz ist genehmigt. Biodiversität ist heute zum Schlagwort geworden. Jeder von uns geht davon aus: Wenn Biodiversität in einer Strategie, in einer Verordnung oder, wer weiss, in Zukunft vielleicht auch in einem Gesetz geschrieben steht, sind wir gut gerüstet für die Zukunft. Ich frage Sie: Was ist Biodiversität eigentlich? [PAGE 908] Was beinhaltet sie? Auf den Wald bezogen: Ist es Totholz, das am Boden liegt? Oder sind es stehende, abgedorrte Bäume? Ist es ein ständig zunehmender Laubholzanteil? Sind es Waldreservate? Jeder von uns versteht etwas anderes unter Biodiversität, und jeder von uns meint es gut.
Heute wird der Schweizer Wald immer mehr dafür benutzt, die Umweltdefizite, die wir zunehmend haben, zu kompensieren. Gegen all die zusätzlichen Leistungen, die der Schweizer Wald erbringt, haben wir als Waldbesitzer grundsätzlich nichts. Aber Waldbesitz ist Grundeigentum, und dieses Grundeigentum wird durch all diese Bedürfnisse der Biodiversität, von der Verwaltung entwickelt und von der Politik übernommen, zunehmend belastet und folglich entwertet. Für die Abgeltung all dieser Leistungen müssen wir Lösungen finden. So, wie die Situation heute ist, werden die Waldbesitzer nicht ernst genommen.
Der Rohstoff Holz, unser nachwachsender Rohstoff, verdient einen anderen Umgang. Der Bundesrat hat eine Strategie für Energie entwickelt, die unabhängig und nachwachsend sein sollte. Gleichzeitig legen wir der Waldbewirtschaftung, die einen Teil zur Energiegewinnung beitragen könnte, Hindernisse in den Weg, die es nicht erlauben, den wunderbaren Rohstoff Holz kostendeckend aus dem Wald zu holen. Somit liegt dieses Potenzial zunehmend brach. Die Zahlen der öffentlichen Forstbetriebe belegen es: Diese Betriebe schreiben schon seit Jahren rote Zahlen. Nur dank der Unterstützung der öffentlichen Hand gibt es sie noch. Die ganze Verarbeitungskette Holz wird zunehmend geschwächt, die Verarbeitung verlagert sich ins Ausland. Arbeitsplätze vor allem im ländlichen Raum, die sehr wichtig wären, gehen verloren.
Was erfreulich ist: Der Holzbau in unserem Lande hat zugenommen - dank innovativen Holzbaubetrieben. Was negativ ist: Immer mehr verarbeitetes Holz wird importiert, auch unterstützt durch die Frankenstärke.
Wenn der Schweizer Wald in Zukunft nicht nur Wald bleiben, sondern auch Energielieferant werden soll, braucht es nicht nur Worte, sondern auch Taten, die in Richtung Wertschätzung und Motivation der Waldbesitzer gehen. Der Schweizer Wald ist in einem sehr guten Zustand. Die Biodiversität ist sehr gut, das belegen Studien, natürlich dank der guten Bewirtschaftung unserer Vorfahren. Zudem würde es unser nachwachsender Rohstoff verdienen, dass an öffentlichen Gebäuden ausschliesslich Schweizer Holz verwendet würde.
Holz ist nie ein Abfallprodukt, Holz ist CO2-neutral. Wir brauchen eine Nutzungsstrategie, die für unseren Schweizer Wald etwas bewegt und auslöst. Nur durch die Verjüngung wird der Wald stark und widerstandsfähig für die zukünftigen Herausforderungen.