Baumann Isidor · Ständerat · 2012-12-12
Baumann Isidor · Ständerat · Uri · Fraktion CVP-EVP · 2012-12-12
Wortprotokoll
Man muss die Veränderungen in der Landwirtschaft bei dieser Frage der Ausbildung auch ein wenig in Betracht ziehen. Die Ausgangslage in der Landwirtschaft war erstens ja lange, vielleicht zu lange so, dass man ohne Ausbildung, auch ohne eine andere Berufsausbildung in die Landwirtschaft eingestiegen ist. Das kann man rückschauend schon bewerten und vielleicht sagen, dass das nicht überall das Optimale war. Heute darf man nicht nur davon ausgehen, sondern es ist so, dass praktisch jede Schulabgängerin und jeder Schulabgänger eine Ausbildung macht. In jedem Beruf gibt es Grundausbildungsfächer, die eigentlich auch für die Landwirtschaft genügen, seien es Wirtschaft, Buchhaltung oder das Thema Gesellschaft - es sind Themen, die in jeder Berufsausbildung vorkommen.
Man muss zweitens auch zur Kenntnis nehmen, dass der Generationenwechsel früher fast logisch irgendwann im Alter von 60 Jahren stattgefunden hat und die Jungen erst mit 30 Jahren legitimiert wurden, einen Landwirtschaftsbetrieb zu übernehmen, und deshalb in der Zwischenzeit als Knechte zu Hause gedient haben - diese Zeit ist vorbei. Wenn heute jemand mit 16 oder 18 Jahren die Schule verlässt und eine Ausbildung macht, ist meistens die vor ihm stehende Generation nicht bereit, den Betrieb zu übergeben. Jetzt frage ich Sie: Stellen Sie sich vor, Sie müssten Bauer lernen, dann fünfzehn Jahre warten, bis Sie den Betrieb von den Eltern übernehmen dürfen, und für die Zwischenzeit eine vernünftige Stelle finden. Haben Sie da nicht Probleme? Darum ist es besser, den Weg einer Berufsausbildung zu beschreiten, die zehn bis fünfzehn Jahre in einem Beruf mit einer vernünftigen Entschädigung zu überbrücken und dann mit dieser Zusatzausbildung Landwirtschaft - die unterstütze ich - in die Landwirtschaft einzusteigen.
Ein weiterer Punkt ist - dessen ist man sich überall in der Landwirtschaft bewusst -, dass Ausbildungsplätze für drei Jahre nicht vorhanden sind. In meinem Kanton, in dem es jährlich 20 bis 25 neueinsteigende Jungbäuerinnen und Jungbauern sind, gäbe es bestenfalls zwei Lehrstellen. Zwei Lehrstellen! National sucht man diese Lehrstellen auch. Darum bin ich der Meinung, dass eine Ergänzungsausbildung genügen sollte, wenn eine Grundausbildung in irgendeinem Beruf vorhanden ist. Wer keine Grundausbildung in einem anderen Beruf hat, der muss die Grundbildung Landwirtschaft ausweisen können. Darum ist der Beschluss des Nationalrates auch zu unterstützen.