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Leutenegger Oberholzer Susanne · Nationalrat · 2005-03-01

Leutenegger Oberholzer Susanne · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-03-01

Wortprotokoll

Gestatten Sie mir, Herr Baumann, eine ganz persönliche Bemerkung: Wissen Sie, wir hätten eine bessere Frauenvertretung auch gerne ohne solche Zwangsmassnahmen gehabt. Es wäre schön gewesen, wenn wir feststellen könnten: 1971 wurde der Verfassungsartikel in Kraft gesetzt, und heute, im Jahre 2005, können wir mit viel Befriedigung zurückschauen und feststellen, dass wir in der Privatwirtschaft und beim Bund zwischen den Geschlechtern eine gleichmässige Vertretung in den Organen haben. Nur ist die Realität leider eine andere. Die Bewusstseinsbildung scheint den Bedürfnissen unserer Gesellschaft in diesem Bereich doch hintennach zu hinken. Wenn es so einfach wäre! Es gibt Tausende von Erklärungsversuchen für die Untervertretung der Frauen.

Gestatten Sie mir noch eine Erläuterung zur vielfach angesprochenen Quote. Ich habe das Wort bewusst nicht benutzt; es geht um eine Zielvorgabe, und diese sollte eigentlich aufgrund der Verfassung bereits heute in den Köpfen unserer Bundesrätinnen und Bundesräte sein. Eigentlich müssten wir es ja gar nicht machen; es ist nur noch eine kleine Hilfe, um die verantwortlichen Politiker und Politikerinnen darauf aufmerksam zu machen, dass die Vorgabe jetzt erfüllt werden muss.

Mich persönlich stört es nicht, wenn ich eine Quotenfrau bin. Wenn ich dadurch eine Machtposition erreichen kann, mache ich es halt mit der Quote. Eine ganz ähnliche Attitüde hatte Ihr Bundesrat Blocher. Schauen Sie mal: Die SVP hat bei den letzten Wahlen elektoral eine Grösse erreicht, die es ihr aufgrund der Quotenvorgaben, wie sie die Zauberformel ausdrückt - auch das ist eine "Quotierung" -, ermöglichte, einen zusätzlichen Sitz im Bundesrat zu beanspruchen. Es ist Herrn Blocher sicher egal, ob er ein "Quotenbundesrat" ist oder nicht - er wollte einfach in den Bundesrat. Ganz ähnlich ergeht es mir mit den Frauen: Wir hätten einfach gerne mehr Frauen in den Leitungsgremien der Unternehmen.

Die Kommission hat es sich nicht so einfach gemacht, gerade bezüglich der Frage der Qualität. Es ist ja nicht so, dass Frauen einfach schlechter geeignet sind als die Männer. Frau Haller hat mich vorhin gefragt, ob es denn genügend geeignete Frauen für die Funktion als Verwaltungsrat gäbe. Ich habe mir die Frage auch gestellt: Haben wir denn keine Frauen? Ich habe die Gelegenheit benutzt, nach der Beratung in der Kommission mit zwei Headhuntern zu sprechen, mit sehr renommierten Herren, deren Namen Sie verschiedentlich in den Massenmedien antreffen. Ich fragte sie: "Ja, finden Sie denn keine Frauen?" Und wissen Sie, was ich unter anderem als Antwort bekommen habe? "Wir suchen Frauen, und wenn sie auf der Vorschlagsliste zum Beispiel als Verwaltungsrätinnen sind, werden sie nicht gewählt!" Das ist das Drama. Sagen Sie mir, warum; ich kann es nicht erklären. Ich denke, die Psychologie der Männer, die entscheiden, können Sie, Herr Baumann, mir vielleicht besser erläutern, als ich das kann.

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier ein bisschen nachhelfen müssen, damit wir alle davon profitieren - auch Sie, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Der Bund ist sehr wohl dazu berufen, mit einem ersten Schritt in Richtung einer besseren Geschlechtervertretung in seinen Unternehmen voranzugehen, mit einer wirklich "weichen" Forderung. Die 30 Prozent könnten ja vielleicht auch einmal den Männern nützen, wenn wir eine Übervertretung der Frauen haben.

Ich bitte Sie deshalb: Geben Sie der parlamentarischen Initiative Haering Folge. Wir machen damit einen wichtigen Schritt nicht nur in Richtung von mehr Gerechtigkeit, sondern auch in Richtung einer besseren Nutzung des Potenzials an Frauen - und zwar an qualifizierten Frauen.