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Munz Martina · Nationalrat · 2014-03-05

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2014-03-05

Wortprotokoll

Haben Sie heute schon eine Frucht gegessen? Sind Sie heute mit dem Tram und Bus angereist, oder haben Sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Ihre Gesundheit mit einem kurzen Fussmarsch gefördert? Wer kümmert sich eigentlich in der Schweiz um die Gesundheit der Bevölkerung? Sicher nicht die Krankenkassen - und genau hier liegt der Systemfehler. Es gibt erst wenige Untersuchungen zur Kostenwirksamkeit von gesundheitsfördernden Massnahmen; wir wissen aber, dass hier ein enorm grosses Potenzial besteht, das noch nicht bewirtschaftet wird. Hier liegt die Stärke der öffentlichen Krankenkasse, hier liegt auch das grosse Sparpotenzial.

Aus dem Jahr 2011 gibt es für die Schweiz eine Studie über den Return on Investment im Tabakbereich. Für jeden eingesetzten Präventionsfranken wird darin ein Nutzen von 41 Franken berechnet, ein Faktor 40 also. Ist es nicht fast sträflich, dieses Potenzial nicht zu nutzen? Die indirekten Kosten wie Arbeitsunfähigkeit sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Den Krankenversicherern fehlt im heutigen System der Anreiz für Investitionen in die Gesundheitsförderung. Von einem breitangelegten Förder- bzw. Präventionsprogramm einer Krankenkasse würden auch die 60 konkurrierenden Kassen mitprofitieren. Keine Krankenkasse will aber als Märtyrerin auftreten und teures Geld in die Prävention stecken.

Hier lohnt sich der Vergleich mit der Suva, die 3 Prozent ihres gesamten Prämienvolumens für Unfallverhütung einsetzt, und das mit gutem Erfolg. Ob auf Baustellen oder auf Skipisten, die Suva ist mit ihren Kampagnen präsent. Als einzige grössere Unfallversicherung profitiert sie direkt davon, wenn ihre Versicherten unfallfrei bleiben. Im Gegensatz dazu werden von der monatlichen Krankenkassenprämie gerade mal 20 Rappen für die Gesundheitsförderung eingesetzt. Damit kann keine echte Gesundheitsförderung betrieben werden. Ein anschauliches Beispiel sind die sehr erfolgreichen Lager für adipöse Kinder: Die Finanzierung solcher Lager ist immer wieder infrage gestellt. Es müsste aber ein Kernanliegen der Krankenkassen sein, motivierten adipösen Kindern den Weg zu einem gesunden Leben zu ebnen. [PAGE 88]

Entgegen der Marktlehre ist bei den Krankenkassen Konkurrenz schädlich. Ein Monopol wäre kostengünstiger und der Volksgesundheit förderlich. Wir befinden uns in einem hochregulierten Markt - da gelten andere Spielregeln. Wir brauchen ein System, in dem sich die Förderung der Gesundheit lohnt. Damit können wir Kosten sparen, und zwar massiv.

Unser Gesundheitssystem mit seinen 61 Krankenkassen ist krank. Fördern Sie jetzt die Gesundheit unseres Gesundheitssystems mit einem Ja zur öffentlichen Krankenkasse!