Luginbühl Werner · Ständerat · 2011-09-29
Luginbühl Werner · Ständerat · Bern · Fraktion BD · 2011-09-29
Wortprotokoll
Erlauben Sie mir ganz kurz eine Bemerkung zum Themenbereich Wasserkraft. Ich will vorab auch meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin im Verwaltungsrat der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), die ausschliesslich Elektrizität aus Wasserkraft produziert. Irgendjemand hat bereits vor längerer Zeit einmal den Slogan oder den Satz "Die Wasserkraft ist gebaut" in die Welt gesetzt. Mit der Zeit wurde dieser Slogan Allgemeingut, etwas später ein Tabu, an dem kaum mehr jemand zu rütteln wagte. Weil das so war, haben die Kantone mehr und mehr auf Kleinkraftwerke fokussiert. Bei der Planung dieser Kleinkraftwerke ist man natürlich nicht darum herumgekommen, auch in Gebiete vorzudringen, wo vorher überhaupt keine Nutzung stattfand, sprich: Auch das letzte Tälchen, das noch nicht irgendwie genutzt worden war, wurde ins Visier genommen. Das wiederum hat nicht nur Umweltschutzkreise auf die Palme gebracht; auch sehr viele bürgerliche - sage ich mal - Vertreter aus diesen Gebieten wehren sich gegen diese Entwicklung.
Gestern sind wir ja in ein neues Energiezeitalter eingetreten, und ich denke, wir werden auch hier die Strategie grundlegend überprüfen müssen. Ein neuer Ansatz könnte sein, dass man in erster Priorität auf Gebiete fokussiert, wo wir heute bereits eine Nutzung haben, und die Nutzung in diesen und in den unmittelbar angrenzenden Gebieten erhöht. Dies wäre möglich, ohne dass wir wieder über die Greina-Ebene sprechen. Dort, wo wir schon nutzen, wo wir gewisse Beeinträchtigungen haben, ist ein Potenzial vorhanden, beispielsweise liegt das im Konzessionsgebiet der KWO alleine bei etwa 250 bis 300 Megawatt - zusätzlich zu den Projekten, die gegenwärtig im Bewilligungsverfahren sind. Wir gehen mal davon aus, dass das auch in anderen Regionen der Schweiz so ist, und kommen insgesamt auf ein beträchtliches Potenzial.
Das bedingt aber, dass wir die Erhebungen, die zum Teil gemacht wurden und die sich hauptsächlich auf Kleinkraftwerke fokussierten, wieder auf die Seite legen und grundlegend neue Erhebungen machen, gestützt auf die neue Situation und einheitliche Kriterien. Es können oder müssen die Kantone sein, die das machen, aber der Bund muss die Kriterien vorgeben.
Warum sage ich das hier? Ich wehre mich nicht gegen die Vorgabe, die in der Motion Killer gemacht wird; ich denke, dass dieses Potenzial realistisch ist. Dies war vor allem eine Bemerkung zuhanden von Bundesrat und Verwaltung, wie man meines Erachtens dieses Thema angehen müsste. Ich habe auch einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.