Lexipedia

AB 156158

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2014-03-04

Wortprotokoll

Der vorliegende Leistungsbericht bietet einmal mehr Gelegenheit, die Leistungen des ETH-Bereichs in den vergangenen Jahren zu beurteilen. Wir stellen nicht ohne Stolz fest, dass sich die beiden ETH und die Forschungsanstalten sehr erfreulich entwickelt und den Leistungsauftrag weitgehend umgesetzt haben. Die starke Zunahme der Studierendenzahlen zeugt von der hohen Qualität der Lehre an den ETH. Die exzellenten Forschungsleistungen sind weltweit bekannt und anerkannt. Ein Höhepunkt unter vielen ist zweifelsohne die Wahl des Human Brain Project als FET-Flaggschiff durch die Europäische Kommission. Das war eine deutliche Bestätigung der hervorragenden Forschungsreputation unserer Institute. Die EPFL wird damit zum Zentrum eines Netzwerkes von international hochrenommierten Forschungsanstalten, die sich der computergestützten Simulierung von neuronalen Prozessen widmen.

Die Institutionen des ETH-Bereichs haben ebenfalls eine hohe Bedeutung als Innovationsmotoren. Ihre Leistungen im Wissens- und Technologietransfer sind überaus wichtig für die Entwicklung unseres Landes. Sie wissen - ich habe es heute Morgen schon einmal erwähnt -, dass wir seit mehreren Jahren auf den Innovation Scoreboards auf dem ersten Platz sind. Die ETH leisten mit jeder Sicherheit einen ganz wesentlichen Beitrag dafür. In den vergangenen Jahren sind jährlich etwa vierzig Spin-offs und auch sehr erfolgreiche Start-ups aus den Institutionen der ETH hervorgegangen. Angesichts der Wichtigkeit des Wissens- und Technologietransfers sind die Bemühungen der ETH, die diesbezüglichen Leistungen noch weiter zu verstärken, sehr zu begrüssen.

Lassen Sie mich ebenfalls die Dienstleistungen, welche der ETH-Bereich für die gesamte schweizerische Hochschullandschaft erbringt, erwähnen: In der Berichtsperiode konnte in Lugano ein neues Gebäude für das Hochleistungsrechenzentrum CSCS eingeweiht werden - es wurde eben gesagt. Darin wurde der weitaus leistungsfähigste Supercomputer der Schweiz installiert. Dieser steht Forschungsgruppen aus allen Schweizer Hochschulen für deren vielversprechende Projekte zur Verfügung. Weiter ist die Beschleunigeranlage des Paul-Scherrer-Institutes zu erwähnen, mit der man Informationen über den atomaren Aufbau verschiedenster Materialien gewinnen kann. Am PSI soll ausserdem im Jahr 2016 der Freie-Elektronen-Röntgenlaser Swiss FEL in Betrieb genommen werden. Mit dieser Infrastruktur werden Forschende extrem schnelle Vorgänge, wie die Entstehung neuer Moleküle bei chemischen Reaktionen, wie in einem Film verfolgen können.

Frau Trede hat es ebenfalls angesprochen: Neben den vielen Erfolgen gibt es auch einige Ziele, die noch nicht oder nur teilweise erreicht werden konnten. Da ist sicherlich auch meinerseits der angestrebte Frauenanteil von 25 Prozent zu erwähnen. Ich rede vom Anteil der Frauen in Führungspositionen und in den Entscheidgremien. Die Anstrengungen sind anerkannt, die Richtung stimmt. Der Frauenanteil bei den Professuren wächst: Er liegt bei 11,8 Prozent, was einer Zunahme um 23 Prozent seit 2007 entspricht. Bei den Assistenzprofessuren sind es mit Tenure Track mittlerweile 29 Prozent. Für den Bundesrat ist aber klar, dass die jetzige Situation noch nicht befriedigend ist und dass der ETH-Bereich der Frauenförderung weiterhin höchste Beachtung schenken soll.

Insgesamt ist der ETH-Bereich sehr gut aufgestellt, auch um die Zukunft zu meistern - ebenfalls nach dem 9. Februar 2014. Horizon 2020 ist weiterhin ein anzustrebendes Ziel. Die Möglichkeit, an Schweizer Hochschulen über ERC-Grants finanzierte Projekte durchzuführen, ist weiterhin wichtig, wenn wir Spitzenforschende gewinnen wollen. Die Teilnahme an Horizon 2020 erleichtert die Durchführung von Forschungskooperationen mit europäischen Partnern, und die Teilnahme an diesen Forschungsnetzwerken ist für die Spitzenforschung unerlässlich - nicht nur aus materiellen Gründen, sondern vor allem auch, um ins höchstqualifizierte Netzwerk integriert zu sein. Ich muss Ihnen nicht sagen, mit wie viel Prestige eine solche Partizipation verbunden ist.

Die ETH verzeichnen eine Zunahme der Studierenden. Diese Entwicklung ist auch angesichts des Fachkräftemangels in unserem Land grundsätzlich erfreulich. Als positiv kann auch gewertet werden, dass die Anzahl der inländischen Studierenden seit einigen Jahren wieder markant steigt. Die Zunahme der ausländischen Studierenden ist an sich erfreulich: Ausländische Studierende sind eine [PAGE 58] Bereicherung, und sie arbeiten nach ihrem Studium nicht selten in der Schweiz oder für eine Schweizer Firma im Ausland. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Problematisch wird die Zunahme der Zahl der Studierenden, wenn die Qualität der Ausbildung zu leiden droht. Die ETH haben dieses Risiko erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet, um die Qualität sicherstellen zu können.

Kurz: Der ETH-Bereich ist sehr gut unterwegs. Die Ambitionen müssen sehr hoch bleiben, in Sachen beste Lehre, in Sachen beste Forschung und natürlich auch in Sachen bestes globales Ranking. Je besser die eigene Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbasis ist, umso grösser ist die Chance einer erstrangigen Wettbewerbsfähigkeit, mit entsprechenden Beschäftigungskonsequenzen. Daran halten wir selbstverständlich fest.