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Guhl Bernhard · Nationalrat · 2013-03-12

Guhl Bernhard · Nationalrat · Aargau · Fraktion BD · 2013-03-12

Wortprotokoll

Meinem Vorredner möchte ich nur noch kurz sagen: Wer keine Ziele hat, kann keine Ziele erreichen.

Ich möchte vorerst meine Interessenbindung offenlegen. Ich bin Elektroingenieur und arbeite bei Siemens, einem Unternehmen, welches etliche Komponenten für die Energiewende liefern kann und auch gerne liefern wird. Als Elektroingenieur arbeite ich in der Energiebranche und kenne den Unterschied zwischen Energie und Leistung, ich kann auch zwischen Strom und anderen Energieträgern unterscheiden. Das ist eine Grundvoraussetzung, um eine realistische Energiepolitik betreiben zu können.

Ich stehe für den Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien ein. Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, das sind die Energieträger der Zukunft, da gehe ich mit etlichen Vorrednern einig. Auch ich möchte, dass die Schweiz bei diesen fortschrittlichen Technologien vorne mitmischt, und ich gehe mit Max Chopard einig, dass die Energiewende technisch absolut machbar ist. Die Frage ist nur: Wie setzen wir sie um, in welcher Zeit, und wie finanzieren wir sie? Wir haben keine Goldesel, welche unendlich Fördergelder ausschütten. Wenn Herr Girod sich vorstellt, dass dank KEV schnell 100 Prozent des Stromes von erneuerbaren Energien kommen, so muss ich ihm einfach sagen, dass das eine sogenannte Schwanzbeisserschaltung wäre, welche den Strom insgesamt massiv verteuern würde.

Es wurde auch erwähnt, dass Deutschland massiv Windkraftwerke gebaut hat. Da muss man einfach wissen, dass das Windkraftpotenzial auf dem Meer draussen wesentlich grösser ist als auf unseren Mittellandhügeln. Ich werde keine Strategie unterstützen, welche auf massive Stromimporte setzt.

Auch ich will, dass Energie gespart wird. Es wurden Industriemotoren erwähnt. Natürlich wird jeder intelligente Unternehmer bei Neuanschaffungen auf die Investitionskosten und auf die Betriebskosten und damit auch auf den Energieverbrauch schauen. Aber überlassen Sie es bitte den Unternehmen selbst, wann sie ihre älteren Motoren ersetzen. Den Investitionsschutz und damit auch die notwendige Zeit müssen Sie unserer Wirtschaft schon geben.

Ich habe Elektriker bzw. Elektromonteur gelernt und früher auf dem Bau gearbeitet. Im Gebäudebereich liegt wohl ein sehr grosses Potenzial zum Energiesparen. Dieses soll auch genutzt werden. Aber wir können nicht innerhalb von 17 Jahren den halben Gebäudepark ersetzen. Wenn Sie mit Fördergeldern die Baubranche aufblähen, um dieses Ziel bis ins Jahr 2030 zu erreichen, dann folgt nachher die Krise. Ich wehre mich dagegen, dass man künstlich Handwerkerfirmen aufbläht, welche dann wieder zusammenfallen. Mir ist eine nachhaltige Energiewende wesentlich lieber. Aber eben, das braucht seine Zeit.

Zusammengefasst: Ich unterstütze die grundsätzlichen Ziele der Initiative. Diese sind gut, und man soll sie auch [PAGE 215] verfolgen. Aber das Ziel, bis 2030 die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs - wir sprechen von Gesamtenergie und eben nicht von Strom - durch erneuerbare Energien zu decken, ist nicht finanzierbar und nicht so schnell umsetzbar.

Darum empfehle ich die Initiative zur Ablehnung.