Fetz Anita · Nationalrat · 2003-06-16
Fetz Anita · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-06-16
Wortprotokoll
Im Namen der WBK darf ich Ihnen den Schweizer Auftritt an der nächsten Weltausstellung, die im Jahre 2005 in Japan stattfinden wird, vorstellen und Zustimmung zum Verpflichtungskredit von 15 Millionen Franken beantragen.
In der Präfektur Aichi mit der Hauptstadt Nagoya wird im Jahre 2005 die nächste grosse Weltausstellung nach Hannover stattfinden, an welcher mindestens 15 Millionen Besucher aus dem asiatischen Raum, insbesondere natürlich aus Japan, erwartet werden. Das Leitthema der Ausstellung ist "Weisheit der Natur". Es dominieren drei zentrale Themen, die global und auch für die Schweiz von zentraler Zukunftsbrisanz sind:
1. die Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für die Welt von morgen;
2. die Probleme der alternden Bevölkerung und die Kreativität der Kinder;
3. die ökologische Modernisierung der Städte dieser Welt.
Der Bundesrat hat sich aus wirtschaftlichen und politischen Gründen entschieden, an dieser Weltausstellung dabei zu sein - ein Entscheid, den mittlerweile 95 Nationen getroffen haben. Die Mitglieder Ihrer WBK teilen diese Meinung vollumfänglich, denn Japan ist für die Schweiz ein wichtiger Handelspartner; viele Tourismusregionen der Schweiz leben zu einem guten Teil von japanischen Touristen.
Im von Präsenz Schweiz durchgeführten Ideenwettbewerb wurde der Projektauftrag der "Arbeitsgemeinschaft Berg" übergeben. Da hat man einen Partner gefunden, der auch schon an der Expo.02 viele Erfahrungen gemacht hat, mit dem Rundbild "Schweiz Version 2.1". Das Schweizer Projekt in Japan besticht durch eine sinnliche Darstellung der alpinen Bergwelt. Die Besucher wandeln auf sieben Stationen durch die traditionelle und die moderne Schweiz. Die Gruppe schlägt vor, die japanischen Besucher an unserem nationalen Sinnbild, dem Berg, abzuholen und sie dann im Inneren dieses Berges langsam an neue und unbekannte Facetten der Schweiz heranzubringen. Der japanischen Bevölkerung sollen unsere Vorbildfunktion im Bereich Natur und Umwelt sowie unsere technologischen Innovationen in diesem Bereich bekannt gemacht werden.
Dass das nötig ist, bestätigt eine Imagestudie, die Präsenz Schweiz in Japan durchgeführt hat. Auf der Beliebtheitsskala schneidet die Schweiz bei der japanischen Bevölkerung und den Meinungsmachern nach wie vor sehr gut ab. Es gibt jedoch grosse Unterschiede in der Beurteilung der so genannten Live-in-Faktoren - das alles sind Faktoren wie intakte Landschaft, freundliche Bewohner und hohe Lebensqualität: Da schneidet die Schweiz in den Augen der Japaner sehr gut ab. Etwas anders sieht es bei den so genannten Made-in-Faktoren, also bei der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, bei den innovativen Produkten und bei der Zukunftsorientierung der Schweiz aus: Verglichen mit Deutschland schneiden wir da sehr viel schlechter ab.
Von Schweiz Tourismus wissen wir, dass insbesondere die jungen Japaner und Japanerinnen das Interesse an der Schweiz als Ferienland zu verlieren scheinen. Die Teilnahme an der Weltausstellung in Japan bietet darum eine ganz wichtige Möglichkeit, das Image der Schweiz positiv darzustellen und nicht zuletzt auch den Imageverlust ein bisschen zu korrigieren, den wir in Asien mit dem Sars-Entscheid des BAG anlässlich der Uhren- und Schmuckmesse in Basel erlitten haben. Es wird Jahre dauern, bis dieser Imageverlust korrigiert sein wird.
Nicht zu vernachlässigen ist auch der innenpolitische Effekt dieser Ausstellung in Japan: Immerhin befürworten 81 Prozent der Schweizer Bevölkerung gemäss einer Umfrage die Teilnahme der Schweiz an der Weltausstellung in Japan.
Besonders zu reden gaben in der Kommission natürlich - wie könnte es nach unseren Erfahrungen mit der Expo.02 anders sein - die Kosten: Der Verpflichtungskredit von 15 Millionen Franken ist halb so gross wie die Ausgaben für die Weltausstellungen in Hannover und Sevilla. Das vorliegende Budget erlaubt die Realisierung einer kompletten Ausstellung inklusive Anlässen wie z. B. dem Eröffnungs- und dem Schweizertag während der Ausstellung: Das ist sozusagen das Pflichtprogramm.
Immerhin ist eine Reserve von 8 Prozent vorgesehen. Das war uns sehr wichtig. Im Budget nach Bruttoprinzip sind keine Sponsorengelder enthalten; auch das war uns sehr wichtig nach den Erfahrungen mit der Expo.02. Solche Gelder können jedoch für einen inhaltlichen Ausbau der Ausstellung generiert werden - das ist auch geplant - und damit die Ausstellung reichhaltiger, interessanter und auch aussagekräftiger machen.
Es ist deshalb geplant, sowohl in Japan als auch in der Schweiz Sponsoren in das Begleitprogramm einzubinden. Das vorliegende Controlling-Konzept erlaubt eine ganz [PAGE 1047] straffe Verfolgung des Projektes, denn wir wollen ja hier nicht nochmals negative Erfahrungen machen. Die politische Kontrolle obliegt dem EDA, die Finanzkontrolle ist einbezogen. Der aus Partnern von Präsenz Schweiz und aus Japankennern gebildete Ausschuss überprüft laufend den Projektstand und die Finanzen.
Ihre WBK hat glasklar kommuniziert, dass es unter keinen Umständen zu einem Nachtragskredit an das Parlament kommen kann. Unsere Kommission beantragt Ihnen deshalb einstimmig Zustimmung zum Verpflichtungskredit von 15 Millionen Franken und damit Zustimmung zur Teilnahme der Schweiz an der Weltausstellung 2005 in Japan.