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Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2009-03-05

Wortprotokoll

Das heute vorliegende Geschäft ist bereits sechs Jahre alt. Es stammt also aus einer anderen Zeit - aus einer Zeit, in welcher man noch ohne Sorgen und ohne rot zu werden die Wiederzulassung von Formel-1-Rennen verlangen konnte, wie das die parlamentarische Initiative tut. Man glaubte damals auch, mit Argumenten punkten zu können, die heute wahrscheinlich nicht mehr standhalten. Ich zitiere aus der Begründung der Initiative: "Der 'Rennzirkus' würde für eine ganze Region zum interessanten Geschäft." Der Rennzirkus würde "1400 bis 2500 Arbeitsplätze" schaffen. "Als Synergie des Rundkurses können auch schweizerische Unternehmen und z. B. die ETH profitieren." Und weiter: "Im Automobilbereich ... würden sich grosse Chancen eröffnen." Ein weiteres Zitat: "Ein 'Grosser Preis der Schweiz' würde den Tourismus enorm fördern." Ein letztes Zitat: "Mit einem neuen Formel-1-Rundkurs könnte auch dem Umweltschutz Rechnung getragen werden. Eine neue Rennstrecke könnte direkt mit dem öffentlichen Verkehr ... erschlossen werden." Dies sind die Argumente der Initiative.

Inzwischen sind wir ein paar Jahre älter geworden, und die Schweiz hat andere Sorgen als das Fehlen von Rundstreckenrennen und eines Formel-1-Zirkus. Wir wissen inzwischen aber auch einiges mehr. Zum Beispiel wissen wir aus einer Studie des Seco, dass der volkswirtschaftliche Effekt einer solchen Rennstrecke minimal wäre. Wir wissen nun aber auch, dass in Europa inzwischen gleich mehrere Autorennstrecken Konkurs machten oder mit Millionenbeiträgen der öffentlichen Hand, also der Steuerzahler, unterstützt werden mussten und unterstützt werden. Wir wissen inzwischen auch - und sind darüber in der heutigen Zeit überglücklich -, dass die Schweiz kein eigentliches Autobauerland ist und daher aus einer Formel-1-Rennstrecke auch kaum etwas bis gar nichts an technischem Know-how für den Automobilbau gewinnen könnte. Ich meine damit Know-how, das die in der Schweiz ansässigen Zulieferfirmen für die Automobilherstellung allenfalls nicht auch im benachbarten Ausland holen könnten.

Zudem wissen wir inzwischen auch aus einer Studie des Buwal, heute Bafu, dass Rundstreckenrennen die Umwelt nicht entlasten. Das überrascht eigentlich nicht. Die Mehrbelastung in Sachen Luftschadstoffe, in Sachen Lärm und Treibhausgase und Ressourcenverzehr durch [PAGE 133] Rundstreckenrennen war eigentlich auch ohne grosse Studien schon immer evident. Es leuchtet uns auch ein, dass weder eine mit regelmässigen Motorsportveranstaltungen belastete Region noch die Tourismusdestination Schweiz als Ganzes gewinnen würden. Schauen Sie nur einmal, womit Schweiz Tourismus oder unsere Berggebiete im Ausland werben: Sie werben mit unvergleichlichen Landschaften, mit intakter Natur, mit hoher Umwelt- und Lebensqualität oder auch mit spannenden urbanen Zentren von hoher Aufenthalts- und Lebensqualität.

Die Initiative war schon im Jahr 2003 daneben, und in die heutige Zeit passt sie schlicht nicht mehr. Wir haben heute wirklich andere Sorgen; wir brauchen keinen defizitären Formel-1-Zirkus und keine Rundstreckenrennen. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass wir mit unseren finanziellen Mitteln, unseren Energieressourcen anders, behutsamer, schonender umgehen müssen. Wir wissen auch, dass unser Volk die Klimaproblematik ernst nimmt. Wir haben schliesslich von einer Studie der BfU Kenntnis genommen, die sagt, dass im Umfeld von solchen Rundstreckenrennen auch auf den normalen Strassen massiv schneller gefahren wird und die Verkehrsdelikte deutlich zunehmen. Wir wollen keine Raserei auf unseren Strassen, wir wollen nicht falsche Signale an unsere Bevölkerung senden; wir möchten, dass wir heute mit dem Bundesrat und mit dem Ständerat zur Vernunft zurückfinden, dass wir das Strassenverkehrsgesetz so belassen, dass diese Rennen eben nicht zulässig werden.

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