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Leuthard Doris · Bundesrat · 2015-03-12

Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2015-03-12

Wortprotokoll

Der Wolf beschäftigt ein weiteres Mal das Parlament. Mit der vom Bundesrat zur Annahme empfohlenen Motion Engler erhält die Regierung den Auftrag, wirklich zu schauen, wie das Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung besser geregelt werden kann. Der Wolf ist hier, seit 2012 gibt es am Calanda ein erstes Wolfsrudel. In den Jahren 2012 und 2013 wurden dort jeweils sechs Jungtiere erfolgreich aufgezogen. Es gibt Hinweise, wonach es auch 2014 am Calanda wieder Nachwuchs gab, und es ist davon auszugehen, dass neugeborene oder zugewanderte Weibchen in den kommenden Jahren weitere Rudel gründen werden. Wir werden mit dem Wolf leben müssen.

Es ist aber auch so, dass die Gemeinden rund um den Calanda heute insbesondere diese jungen Wölfe nahe beim oder im Dorf haben. Man kann sie als Tourist dort auch anschauen gehen. Das führt schon auch zu Situationen, mit denen die Bevölkerung nicht so leicht umgehen kann. Es löst Ängste aus, etwa bei Kindern und jungen Menschen, insbesondere wenn man nicht darauf gefasst ist und plötzlich vor einem Jungwolf steht. Das müssen wir schon auch ernst nehmen. Wolfsschutz, Grossraubtierschutz ist das eine, wir müssen andererseits aber immer auch den Menschen schützen und schauen, dass das Zusammenleben einigermassen erträglich ist, dass man lernt und sich aneinander gewöhnt.

Es gab Fälle von relativ dreisten Jungwölfen; mit der Motion Engler können wir schauen, wie wir damit umgehen. Dazu eignet sich eben auch der Verordnungsweg. Wir könnten festlegen, dass es im Einzelfall möglich sein soll, wenig scheue oder eben dreiste Wölfe abzuschiessen, die in den Siedlungen auftauchen oder gelernt haben - sie lernen sehr schnell -, Herdenschutzmassnahmen gezielt zu umgehen. Das ist möglich innerhalb der heutigen Rahmengesetzgebung der Berner Konvention, und das erachten wir im Einzelfall auch als Massnahme, die angezeigt und angemessen ist. Wir vertrauen hier natürlich auch auf die Kantone und die damit betrauten Wildhüter, die diese Situationen gut kennen. [PAGE 314] Wir können dabei auch feststellen, ob ein Rudel lernt, wenn man im Einzelfall mal einen dreisten jungen Wolf abschiesst, ob es sich dann weiter vom Siedlungsgebiet zurückzieht und die dortige Bevölkerung eher in Ruhe lässt. Das sind Überlegungen, die wir auch in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft machen. Wir hatten auch schon intern bei uns grosse Gespräche mit betroffenen Kantonen, mit Vertretern der Wissenschaft und mit den Organisationen des Tierschutzes und meinen, dass wir im Umgang mit Grossraubtieren - der Luchs ist das Pendant in der Westschweiz - Wege und vernünftige Regelungen finden sollten, um die Berner Konvention nicht kündigen zu müssen.

Deshalb bitten wir Sie, diese Motion anzunehmen. Wir werden sicher mit aller Sorgfalt auf beiden Seiten diese Massnahmen diskutieren und dann mit den Kantonen umsetzen.