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Eder Joachim · Ständerat · 2014-09-23

Eder Joachim · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion · 2014-09-23

Wortprotokoll

Gestatten Sie mir ebenfalls noch einige ergänzende Bemerkungen. Das mit dem Postulat aufgegriffene Anliegen ist unbestritten und sehr wichtig. Ich bin dem Bundesrat dankbar, dass er bereit ist, die entsprechenden Arbeiten an die Hand zu nehmen.

Warum ich mich melde: Ich möchte die Ausführungen von Kollegin Brigitte Häberli-Koller unterstreichen und den Fokus verstärkt auf die Pflegeberufe richten. Wir wissen, dass Bund und Fachverbände des Gesundheitswesens im Pflegebereich mittelfristig einen drastischen Personalmangel prognostizieren. Gemäss einer Studie von 2008 benötigen Heime und Spitäler bis im Jahr 2020 zusätzlich 25 000 Beschäftigte. Die demografische Entwicklung fordert uns in jeder Beziehung. Verstärkte Anstrengungen sind also nötig, denn es darf nicht so weit kommen, dass wir in Zukunft zwar genügend Pflegebetten, aber zu wenig Personal haben.

Ich lege aufgrund meiner Erfahrungen als früherer Gesundheitsdirektor vor allem allergrössten Wert auf folgende zwei Punkte:

1. Ich denke, wir sollten von der gegenwärtigen Verakademisierung der Pflegeberufe wegkommen; da wäre ich froh um eine Einschätzung des Bildungs- und Wirtschaftsministers. Selbstverständlich brauchen wir auch Pflegewissenschafterinnen und akademisch ausgebildetes Personal. Wir dürfen aber in diesem wichtigen Wachstumsbereich nicht denselben Fehler machen, der uns zum Teil im Bildungsbereich passiert ist. Ich nenne dazu nur das Stichwort "Maturavoraussetzung für Kindergärtnerinnen und Unterstufenlehrpersonen". Ich bin überzeugt, dass Sie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, mich nicht falsch verstehen: Natürlich können und werden auch Akademikerinnen und Akademiker die notwendigen Kompetenzen von Kopf, Herz und Hand mitbringen, und natürlich braucht es auch in der Pflege das ganze Spektrum an Ausbildungen.

2. Wir müssen davon wegkommen, den Mangel an Gesundheitspersonal mit ausländischen Fachkräften lösen und so die bei uns vorhandenen Lücken schliessen zu wollen. Der Weg geht über Wiedereinsteigerinnen, über Zweitausbildungen, wie es ja die Motion der CVP-Fraktion 11.3889, "Umschulungsmöglichkeiten und Zweitausbildungen für Pflegepersonal fördern und unterstützen", fordert. Diese Motion hat unser Rat seinerzeit entgegen dem Antrag des Bundesrates angenommen. Die bei uns vorhandenen Lücken dürfen wir nicht mit ausländischen Fachkräften füllen.

Pilotprojekte wie jenes zur Rekrutierung von philippinischem Pflegepersonal, welches vom Bund sogar noch unterstützt wurde, sind für mich nicht nur der falsche Ansatz, sondern ganz eindeutig auch der falsche Weg. Abgesehen davon, dass es eine Binsenwahrheit ist, dass so nicht nur eine Person pro Familie in die Schweiz kommt, sondern mit dem [PAGE 890] Nachzug in der Regel mindestens auch eine zweite, ist es viel besser und eindeutig vernünftiger, auf unsere einheimischen Kräfte zu setzen, auf unsere einheimischen brachliegenden Kräfte, wenn Sie den Ausdruck gestatten, und diese, wie es das Postulat verlangt, auch gezielter zu fördern.

Ich bin Ihnen, Herr Bundesrat, dankbar, wenn Sie auch diesen speziellen Aspekt des Pflegepersonals in Ihre Antwort und in die Arbeiten am Postulat aufnehmen.

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