Oehrli Fritz Abraham · Nationalrat · 2001-12-04
Oehrli Fritz Abraham · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-12-04
Wortprotokoll
Ich will zuerst meine Interessen offen legen: Als Bergbauer hat man selbstverständlich Kühe. Wir melken sie auch, sogar zwei Mal am Tag. Wir geben aber keine Milch weiter, wir verwerten die Milch gleich auf dem Hof. Wir sind also ein Betrieb ohne Milchkontingent. Wir verkaufen keine Milch. Wenn Sie meinem Antrag zustimmen, heisst das, dass der Milchpreis weniger reduziert werden muss. Er kommt also den so genannten Milchlieferanten zugute und nicht mir.
Ich begründe kurz, warum ich den Antrag gestellt habe. Seit 1990 ist wieder knapp ein Viertel der Landwirtschaftsbetriebe in unserem Land "verschwunden". Es sind heute nur noch rund 70 000. Seit 1996 sind in unserem Land z. B. rund 25 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gegangen. Trotz diesem massiven Strukturwandel und trotz allen Anstrengungen wurden in der Landwirtschaft mit anderen Wirtschaftszweigen vergleichbare Löhne bei weitem nicht erreicht. Im Berggebiet verfehlten sogar die 25 Prozent ertragreichsten Betriebe den Vergleichswert um durchschnittlich 7000 Franken pro Jahr. Das ist auf die heute katastrophale Situation im Zucht- und Schlachtviehsektor zurückzuführen; das wissen wir. Gerade deswegen wäre es dringend notwendig, den Milchlieferanten wenigstens ein zwar bescheidenes, aber doch positives Signal zu geben.
Mit grosser Sorge erfüllt mich auch, dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass immer weniger junge Bauern und Bäuerinnen ausgebildet werden: Dies, weil sie in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr sehen. Seit 1990 sind z. B. im Kanton Zürich gut 57 Prozent weniger junge Bauern und Bäuerinnen ausgebildet worden, im Kanton Waadt gut 53 Prozent, im Kanton Thurgau knapp 51 Prozent, im Heimatkanton von Herrn Bundesrat Villiger mehr als 41 Prozent weniger. Im Kanton Bern wird heute nur noch rund die Hälfte der Bauern und Bäuerinnen ausgebildet, um in Zukunft die so genannten Vollerwerbsbetriebe zu übernehmen. Bei dieser schon heute erkennbaren und für mich alarmierenden Situation sollte eigentlich nicht nur bei den Bauern in diesem Saal die Alarmglocke läuten.
All diese Überlegungen haben mich dazu gebracht, diesen Antrag zu stellen. Ich verlange mit diesem Antrag ja nicht mehr Geld, sondern ich möchte hier Mittel "umlegen", in diesem Falle zugunsten der Milch.
Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen.