Germann Hannes · Ständerat · 2014-12-11
Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2014-12-11
Wortprotokoll
Es ist immer schwierig, am Schluss einer Debatte noch Neues hinzuzufügen. Das ergeht mir nicht viel anders. Immerhin sei darauf verwiesen, dass die Motion Aebischer Matthias ein wirklich drängendes Problem aufnimmt und aufzeigt, das wir täglich in der Arbeitswelt bzw. in der Berufswelt haben. Es tut mir weh, wenn ich mich damit abfinden muss, dass unsere jungen Leute, die das duale Berufsbildungssystem durchlaufen, einen Abschluss machen und im eigenen Land und auch international - dort gilt das zumindest für das Gesamtsystem - höchste Anerkennung geniessen, aber international dann gleichwohl keinen Titel vorweisen können, der sie entsprechend qualifiziert. Insofern hat Herr Zanetti einige bestechende Argumente für die Annahme der Motion geliefert. Auf der anderen Seite haben wir eine gemeinsame Empfehlung von 23 Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Berufsbildungsverbänden erhalten, die lautet: "Ja zur Stärkung der höheren Berufsbildung - Nein zu akademischen Titeln in der höheren Berufsbildung". Dies habe ich als Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbandes auch unterzeichnet. Ich werde mich dagegen nicht wehren, sondern mich dann bei der Abstimmung über die Motion der Stimme enthalten, wie ich das in der Kommission getan habe.
Eines sei einfach noch gesagt: Wir haben Handlungsbedarf, und es ist den jungen Leuten nicht gedient, wenn wir mit diesem englischsprachigen Diploma Supplement kommen. Frau Fetz hat einen Titel erwähnt, und ich habe eine ganze Reihe von Aufzählungen erhalten. Mit so komplizierten Umschreibungen machen sich die jungen Leute eher lächerlich. Wir haben zudem das Problem nicht nur im Ausland, sondern zunehmend auch im Inland. Immer mehr Schweizer Unternehmen, vor allem grössere, sind in ausländischer Hand. Das Management ist ganz ausländisch besetzt. Dann haben diese jungen Berufsleute plötzlich auch dort Mühe, entsprechende Stellen zu bekommen. Das tut mir weh, das finde ich unbefriedigend. Darum ist der Bundesrat aufgefordert, über die Bücher zu gehen.
Nun haben wir mit dem Postulat eine Art Mittelweg eingeschlagen; es geht dann vielleicht nicht ganz so schnell. Mir [PAGE 1309] geht es wie Kollege Luginbühl, ich hätte lieber auch die Motion quasi in der Hinterhand behalten. Das ist bedauerlicherweise abgelehnt worden, aber jetzt haben wir so entschieden. Ich bitte einfach, Herr Bundesrat: Machen Sie in dieser Sache vorwärts, leisten Sie unseren Jungen, unserem beruflichen Nachwuchs, die entsprechende Referenz, damit sie gleichberechtigt sind.
Wenn ich dann lese, dass Frankreich das System nicht eingeführt hat bzw. nur den professionellen Master, der mit unserem Fachhochschulabschluss vergleichbar ist, dann muss ich schon etwas schmunzeln. Wir wissen ja, wie viele das Baccalauréat in Frankreich machen. Sie haben dort am Schluss alle eine höhere Ausbildung. Die Beurteilung, ob sie tatsächlich auch so viel mehr können, überlasse ich Ihnen. Ich glaube an die Gauss'sche Glockenkurve; demnach wird es dort auch nicht mehr intelligente Leute geben als in der Schweiz.
Was ich weiss: Wir haben ein tolles duales Berufsbildungssystem, auf das wir stolz sein dürfen. Geben wir also mittel- oder längerfristig unserer Jugend gleich lange Spiesse bzw. jene Diplome, die es im Ausland gibt, die wunderbar tönen - aber die Verpackung macht ja, wie wir wissen, noch längst nicht den Inhalt aus.