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Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · 2015-03-04

Geissbühler Andrea Martina · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-03-04

Wortprotokoll

Mit der Volksinitiative soll verhindert werden, dass im Vorschulalter eine obligatorische Frühsexualisierung stattfindet, wie das in Basel und in anderen Kantonen seit 2011 getestet wird. Die Erziehungsdirektorenkonferenz und auch die Fachleute wollen die Sexualerziehung gemäss Grundlagenpapier im neuen Lehrplan für vier- bis sechzehnjährige Kinder obligatorisch integrieren und dieses Konzept landesweit umsetzen. Wir haben in der Kommission viele Experten angehört, und mit einer einzigen Ausnahme hat sich niemand vom Basler Konzept distanziert. Alle fanden, man müsse mit der Sexualkunde bereits im Kindergarten anfangen. Dies wollen wir nicht.

Die Sexualität ist für Kinder im Kindergarten und in der Primarschule überhaupt kein Thema. Eine zu frühe Sexualisierung der Kinder schadet ihrem natürlichen Schamgefühl - welches ein Schutz der Kinder ist -, und dies wäre verheerend.

Zu Frau Trede: Wir müssten nicht über diese Initiative diskutieren, wenn das Bundesamt für Gesundheit nicht den Auftrag erteilt hätte, im Kindergarten mit der Frühsexualisierung zu beginnen.

In meiner Ausbildung zur Kindergärtnerin wurden wir unter anderem auch über Entwicklungspsychologie in Bezug auf Kinder unterrichtet. Die Sexualisierung der Kinder im Kindergarten und in der Unterstufe war nie ein Thema, weil es für die Kinder in diesem Alter zu früh dafür ist. Die meisten Kinder im Alter von vier bis neun Jahren sind an diesem Thema nicht interessiert. Dies habe ich in meiner achtjährigen Tätigkeit als Kindergärtnerin ebenfalls feststellen können.

Die Lehrmittel, wie z. B. der grosse Koffer, sind für Vier- bis Zehnjährige, also nicht nur für die Oberstufe, gedacht. Ihr Inhalt sind Puppen mit erkennbaren Geschlechtsteilen, Puzzles, Bücher und anderes mehr. Die Kindergarten- und Unterstufenkinder sollen lernen, männliche und weibliche Körperteile zu unterscheiden und zu benennen - auch die Geschlechtsorgane. Sie sollen wissen, wie ein Baby gezeugt wird und wie eine Geburt vor sich geht. Dazu liefert der Sexkoffer eindeutiges Bildmaterial und Puppen zum Üben. Auch sollen die Kinder erkennen, dass Berührungen an Körperstellen lustvoll sein können. In der Praxis sind dann Sequenzen geplant wie einander zu leiser Musik massieren. Die Kinder sollen von entsprechend ausgebildeten Sexualpädagogen unterstützt werden, damit sie ihre Sexualität lustvoll entwickeln und erleben können. Auch das "Dökterle" wird quasi offiziell.

In den Boxen für die älteren Kinder sind Filme zur Aufklärung, Holzpenisse sowie eine künstliche Vagina aus Plüsch. Vielerorts müssen Kinder bereits heute Kondome über Bananen streifen. Wenn man dann diese elf- bis zwölfjährigen Kinder fragt, wie sie das gefunden hätten, sagen sie, es sei für sie lächerlich oder auch erschreckend gewesen. Diese Inhalte sind inakzeptabel und unnötig.

Sie haben jetzt gesagt, dass Sie diese Koffer hier nicht hätten auftreiben können, weil sie für uns, wie es hiess, nicht altersgemäss, also nicht zumutbar seien. Für unsere kleinen Kinder sind diese Sexkoffer aber anscheinend zumutbar. Solche Lerninhalte und -praktiken werden viele Kinder überfordern und ihnen sogar seelische Schäden zufügen. Sie sind auch ein Affront gegenüber allen Eltern, die ihre Kinder sachte, liebevoll und verantwortungsbewusst an sexuelle Themen heranführen. Die an Pornografie grenzenden Lerninhalte werden viele Kinder und deren Eltern schockieren und grenzen an Kindsmissbrauch. Wir sind ohne diese neuen Lehrmittel gut gefahren.

Die Initiative will den Status quo erhalten, das heisst, dass die obligatorische Sexualkunde weiterhin ab dem zwölften Lebensjahr von Biologielehrern unterrichtet werden soll. Es braucht dazu keine teuren Sexualpädagogen. Das Geld kann in der Bildung sinnvoller eingesetzt werden. Auch wäre eine Prävention im Kindergarten weiterhin möglich und sinnvoll. Diejenigen, welche behaupten, dass wir mit der Initiative keine Prävention machen können, sollten vielleicht den Initiativtext lesen. Eine Prävention im Kindergarten ist sehr wohl möglich und sinnvoll. Man muss den Kindern vermitteln, dass sie nicht mit fremden Leuten mitgehen und dass sie Nein sagen, wenn ihnen eine Berührung an Körperstellen unangenehm ist. Mehr ist nicht nötig. Man muss keine Geschlechtsteile benennen und berühren, um die Kinder zu sensibilisieren.

Die heutige Praxis, zum Beispiel diejenige im Kanton Bern, hat sich bewährt. Die Eltern, Lehrer und Kinder sind mit der Sexualerziehung ab dem zwölften Lebensjahr zufrieden. Wir haben mit dieser Praxis gute Erfahrungen gemacht, und es hat auch keine unter Zwölfjährigen gegeben, die schwanger wurden. Es reicht daher, die Kinder ab zwölf sexuell aufzuklären.

Damit diese bewährte Praxis weiterhin umgesetzt werden kann, braucht es diese Volksinitiative. Ich bitte Sie daher, diese auch zu unterstützen.