Lexipedia

Candinas Martin · Nationalrat · 2013-09-26

Candinas Martin · Nationalrat · Graubünden · Fraktion CVP-EVP · 2013-09-26

Wortprotokoll

Mit meiner Motion wird der Bundesrat verpflichtet, einen Drittel der Mittel des Gebäudeprogramms zweckgebunden für die energetische Sanierung von touristischen Zweitwohnungen zu verwenden. Es handelt sich somit um 100 Millionen Franken.

Touristische Zweitwohnungen, also jene Zweitwohnungen, die entweder von den Besitzern selber benutzt oder zu fairen Bedingungen vermietet werden, machen einen erheblichen Teil des Gebäudebestandes der Schweiz aus. Und vor allem: Die selbstgenutzten touristischen Zweitwohnungen stehen während des grössten Teils des Jahres leer, werden aber während der Wintermonate oft beheizt, um Kälteschäden zu vermeiden. Selbst bei vermieteten Zweitwohnungen liegt die durchschnittliche Belegung im Jahresdurchschnitt selten über 60 Tagen. Im Gegensatz zu dauerhaft bewohnten Gebäuden ist der Anreiz zur energetischen Sanierung deshalb geringer. Ein grosser Teil der touristischen Zweitwohnungen wurde in der Boomphase der Sechziger- und Siebzigerjahre erstellt; sie sind oft schlecht isoliert und müssen dringend energetisch saniert werden. In einigen Fällen können sogar der Abbruch oder der Ersatzneubau sinnvoller sein. Etliche touristische Zweitwohnungen aus der Boomphase sind noch mit Elektro- oder Ölheizungen ausgerüstet. Neue erneuerbare Energien, wie bei Wärmepumpen und Solaranlagen, kommen nur bei den neuesten Gebäuden zum Einsatz.

Aus energetischer Sicht muss der Fokus deshalb auf die Sanierung des bestehenden Gebäudeparks gelegt werden. Dadurch kann ein nicht zu vernachlässigender Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen geleistet werden. Zudem werden durch die energetische Sanierung die touristischen Zweitwohnungen besser vermietbar, was auch im Interesse des Tourismus ist. Die vorgeschlagene Massnahme kann rasch und ohne zusätzliche Belastung des Bundeshaushaltes umgesetzt werden und gleichzeitig auch helfen, die Folgen der Zweitwohnungs-Initiative, die ab nächstem Jahr massiv spürbar werden, wenigstens ein bisschen abzufedern. Die Vernichtung von Arbeitsplätzen im Berggebiet wird gross sein; das wissen wir alle. Wenn nicht mehr gebaut werden darf und wegen fehlender Rechtssicherheit nicht mehr gebaut wird, gibt es keine Arbeit für unsere Handwerker. So einfach ist es.

Meine Motion müsste auch im Interesse der Befürworter der Zweitwohnungs-Initiative sein. Sie wurden nicht müde, immer wieder zu sagen, man müsse nun mehr in Sanierungen im Berggebiet investieren. Mit der Annahme der Motion könnte der Tatbeweis dazu erbracht werden. Das Gewerbe im Berggebiet ist stark verunsichert. Die Investitionsbereitschaft hat massiv abgenommen. Der Bund ist gefordert, Massnahmen zu ergreifen und Zeichen zu setzen. Mit der Annahme meiner Motion schaffen wir eine Win-win-Situation für das Berggebiet und für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050.

In diesem Sinne bitte ich Sie, die Motion anzunehmen.