Fetz Anita · Ständerat · 2012-12-10
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-12-10
Wortprotokoll
Gerade als Konsumentin will ich eine wirklich schweizerische Landwirtschaft - ich habe es letzte Woche gesagt, sie ist mir lieb und teuer - und eben nicht eine Landwirtschaft, die so tut, als wäre sie schweizerisch. Ich will mich darauf verlassen können, dass schweizerische Landwirtschaftsprodukte - in diesem Fall handelt es sich vor allem um Fleisch - wirklich schweizerisch sind. Das heisst bei Tieren, dass sie hier geboren, aufgezogen und gehalten werden. Selbstverständlich sind die Grenzgebiete inbegriffen. Wir haben ja gerade im vorhergehenden Artikel definiert, dass der Bundesrat diese einbeziehen kann.
Die Vorlage, sowohl gemäss Bundesrat als auch gemäss Mehrheit, sagt aber etwas anderes. Sie öffnet meiner Meinung nach eigentlich einem landwirtschaftlichen "Swiss-Bschiss" Tür und Tor. Es ist eben nicht schweizerisch, wenn Sie aus Frankreich Ferkel einführen, die dann mit brasilianischem Kraftfutter gemästet werden. Das ergibt nicht einfach wegen der guten Luft ein Schweizer Schnitzel. Ein aus Deutschland eingeführtes Küken, das mit importiertem Kraftfutter gefüttert wird, legt nicht einfach wegen des Schweizer Wassers Schweizer Eier. Und ein aus Österreich eingeführtes Küken, das mit ausländischem Kraftfutter gemästet wird, gibt am Ende eben nicht ein Schweizer Poulet.
Fragen Sie einmal die Konsumentinnen und Konsumenten, was sie von europaweiten Ferkel- und Kükentransporten halten. Gar nichts nämlich! Fragen Sie sie auch, was sie von solchen Transporten halten, wenn sie dann erfahren, dass die Tiere danach mit dem "Swiss made"-Label geadelt werden. Ich halte das für unehrlich, um nicht zu sagen heuchlerisch.
Der Nationalrat hat hier eine "Mehr als die Hälfte"-Regel eingeführt, also eine "Mindestens 51 Prozent"-Regel für Fleisch. Ein Tier, das mehr als die Hälfte seines Lebens in der Schweiz gehalten wurde, soll Schweizer Fleisch geben. 51 Prozent Schweiz sollen bei Fleisch also genügend sein für 100 Prozent Swissness. Ich halte das für eine amtlich bewilligte Konsumententäuschung.
Unsere Kommission für Rechtsfragen ist noch weiter gegangen: Sie will den Ort der Haltung als massgebend bezeichnen. Die Folge dieser Bestimmung ist: Eine österreichische Kuh würde, sobald sie auf Schweizer Boden ist, umgehend Schweizer Milch geben. Ein deutsches Huhn würde, sobald es auf Schweizer Boden ist, umgehend Schweizer Eier legen - das alles mit ausländischem Kraftfutter. Ich finde das grotesk und wehre mich dagegen.
Wir reden ja hier von Swissness. Niemand in der Schweiz wird gezwungen, seine Produkte als "Swiss made" zu bezeichnen. Auch für die Bauern ist das absolut freiwillig. Die Konsumenten und Konsumentinnen wollen einen Mehrwert für die Swissness, die sie ja mit einem happigen Preisaufschlag bezahlen. Das gilt auch bei der Landwirtschaft. Es wäre sogar eine Stärkung der schweizerischen Landwirtschaft, wenn Sie diesem Antrag zustimmen würden. Ich will nämlich, dass das Label "Swiss made" in der schweizerischen Landwirtschaft sauber bleibt. Wo Schweiz draufsteht, soll auch in der Landwirtschaft, auch beim Fleisch, Schweiz drin sein.
Zum Schluss noch ein Wort zu Buchstabe f mit den Fischen: Selbstverständlich bin ich hier für den Antrag der Mehrheit der Kommission, der mich übrigens dazu inspiriert hat, meinen Minderheitsantrag zu stellen.
Ich bitte Sie, meinem Minderheitsantrag zuzustimmen, denn die Konsumenten und Konsumentinnen wollen zu praktisch 100 Prozent Schweiz in ihrem Fleisch haben, weil es ja, wie die Werbung sagt, mehr als eine Beilage ist.