Keller Peter · Nationalrat · 2015-09-17
Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-09-17
Wortprotokoll
Selbstverständlich ist niemand in diesem Saal für die Ausbeutung von Kindern. Kinder sollen Kinder sein dürfen, sie sollten nach Möglichkeit eine Schule und eine Ausbildung machen dürfen. Wir wissen aber auch, dass das für viele Kinder ein Wunsch bleibt. Wenn wir dieses Postulat zur Ablehnung empfehlen, dann hat das andere Gründe.
Wir haben einmal Abgrenzungsprobleme: Wo fängt Kinderarbeit an? Wenn ich als Schüler den ganzen Sommer auf dem Bauernhof mitgeholfen habe, hat mich dann mein Onkel ausgebeutet? Wir haben ein Berufsbildungssystem, das gewissen internationalen Konventionen widerspricht, weil die Jugendlichen in der Schweiz unter 18 Jahren schon in einen Betrieb eingebunden werden.
Dann gibt es Situationen, die sich gar nicht so eindeutig beurteilen lassen. Wenn man die Wahl hat zwischen Hunger und Arbeit, ist es dann besser oder schlechter, dass ein Kind zum Einkommen beiträgt? Wollen Sie dann aus der behüteten Schweiz kommen und mit dem grossen Zeigefinger ein absolutes Kinderarbeitsverbot einfordern?
Was können wir selber tun? Wir können auf die Herkunft der Produkte schauen und auf selbstregulatorische Kräfte setzen. Gute Kleidermarken beispielsweise können es sich nicht erlauben, in den Verdacht zu kommen, mit Kinderarbeit zu produzieren, ansonsten werden sie absolut zu Recht von den Konsumenten abgestraft. Wer andererseits Billigramsch einkauft, weiss ganz genau, dass solche Preise nur mit miesen Arbeitsbedingungen zu erzielen sind, unabhängig davon, ob Kinder oder Erwachsene daran beteiligt waren. Dafür braucht es allerdings auch keinen Bericht des Bundesrates, sondern nur etwas Ehrlichkeit gegenüber sich selber.
Um es kurz zu machen: So wenig, wie die Schweiz die halbe Welt aufnehmen kann, nur weil dort die Lebensbedingungen schlechter sind, so wenig müssen wir auswärts den Weltmoralisten spielen. Ich bitte Sie, dieses Postulat abzulehnen.