Hardegger Thomas · Nationalrat · 2015-03-11
Hardegger Thomas · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-03-11
Wortprotokoll
Ich bitte Sie, der parlamentarischen Initiative im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung und auch im Interesse einer nachhaltigen Luftfahrtpolitik zuzustimmen. Gerne gebe ich meine Interessenbindung bekannt: Als Gemeindepräsident der Flughafengemeinde Rümlang habe ich ein grosses Interesse an einem funktionierenden Flughafen, aber auch am Schutz der Bevölkerung vor übermässigem Lärm.
Ich habe mich seinerzeit auch sehr für die Swiss-Kredite eingesetzt, damit der Flughafen überhaupt eine Perspektive hat. Trotzdem setze ich mich mit Überzeugung für eine ausreichende Nachtruhe ein. Die parlamentarische Initiative verlangt eine Nachtruhe, wie sie heute am Flughafen Zürich gilt und wie sie auch an vielen Flughäfen in Europa entwickelt wird oder auch schon besteht.
In Zürich ist in den letzten Jahren die Nachtruhe zweimal verlängert worden: 2003 ist sie am Morgen von 05.00 Uhr auf 06.00 Uhr verlängert worden, und 2010 ist ihr Beginn am Abend von 24.00 Uhr auf 23.00 Uhr vorverlegt worden. Beiden Verlängerungen sind keine Destinationen zum Opfer gefallen, und der ordentliche Betrieb am Flughafen konnte weitergeführt und optimiert werden. Das führt für den Flughafen auch zu Kosteneinsparungen und zu einer besseren Auslastung des Personals in den Betriebszeiten. Diese Effizienzsteigerung sichert letztlich sogar die Arbeitsplätze. Der Flughafen lebt gut mit der Beschränkung, er entwickelt sich prächtig. Die Passagierzahlen wachsen natürlich auch, weil heute fast gratis um die ganze Welt geflogen werden kann. Die Flugbewegungen stagnieren also, es gibt keine Anzeichen, dass mehr Flugbewegungen abgewickelt werden sollten. Die Flughafenleitung verlangt auch keine längeren Betriebszeiten: Im letzten Politbrief hat sie lediglich gesagt, sie möchte keine weiter gehenden Einschränkungen. Der Flughafen hat sich also sehr gut auf diese Zeiten der Nachtflugsperre eingestellt.
Es gibt darum keinen Grund, weshalb die Anwohnerinnen und Anwohner der Landesflughäfen Basel und Genf nicht die gleichen Ruhezeitgarantien haben sollten. Es sind ja unwiderlegbare Tatsachen, dass die Gesundheitsgefährdung evident ist, und dies nicht nur in der Nähe der Flughäfen, sondern auch weiter weg: Bereits bei Belastungen ab 50 Dezibel erhöhen sich die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das heisst, zu einem grossen Teil wirken sich diese Lärmbelastungen weiträumig aus; das ist evident. Die Nachtruhe ist sehr entscheidend für die Gesundheit. Am offensichtlichsten sieht man dies bei Kindern. Bei fünf bis sechs Stunden Ruhe erhalten die Kinder nicht die Schlafmenge, die für die Erholung nötig ist und dafür, die Konzentration und die Leistungsfähigkeit während des Tages aufrechtzuerhalten. Wir haben in Zürich sechseinhalb Stunden garantierte Ruhezeit. Das ist das absolute Minimum.
Der technologische Fortschritt wird in zehn, zwanzig Jahren vielleicht lärmarme Flugzeuge hervorbringen, sodass man auch wieder über diese Zeiten diskutieren kann. Sie wissen, vorgestern ist Solar Impulse gestartet. Das macht uns hoffnungsfroh und zeigt eine mögliche Entwicklung auf; nur dauert es leider noch Jahrzehnte, bis das dann auch für Passagierflüge eingesetzt werden kann.
Bis es so weit ist, bitte ich Sie, die Gesundheit mit einer ausreichenden Nachtruhe zu schützen, indem Sie dieser parlamentarischen Initiative Folge geben.