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Keller Peter · Nationalrat · 2016-02-29

Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-02-29

Wortprotokoll

Die Stiftung Education 21 koordiniert und fördert gemäss eigenen Angaben die Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schweiz. Faktisch ist diese Stiftung ein Hort ideologischer und abgehobener Ideen, die im Schulalltag nichts verloren haben. Im Gegenteil: Mit der Unterstützung solcher Organisationen unterläuft der Bund indirekt unseren Föderalismus. Viel zielführender wäre es, auf die Praktiker und die demokratisch gewählten Schulbehörden vor Ort zu hören.

Der stark in Kritik geratene Lehrplan 21 mit seinen ursprünglich 550 Seiten und 4753 Kompetenzen steht exemplarisch dafür, was herauskommt, wenn Bildungsakademiker und staatlich subventionierte Organisationen wie die Stiftung Education 21 das Heft in die Hand nehmen. Sie mischen sich in die didaktische Hoheit der Schulen und Lehrpersonen ein. Mit dem Kompetenzenmodell und dem selbstgesteuerten Lernen wird der Lehrer zum Lerncoach. Sie versuchen das Schulmodell - Zyklen statt Klassenstufen - von oben zu bestimmen. Statt verbindliche Lerninhalte zu definieren, werden diffuse Kompetenzen und umerzieherische Vorgaben eingeschleust. Die Stichworte dazu sind eben Nachhaltigkeit, Sexualunterricht, Gender-Thematik usw. Das sind letztlich ideologische und praxisferne Übergriffe auf die Schule, die es nicht nur zu verhindern, sondern für die Zukunft zu unterbinden gilt. Dazu gehört eben auch, dass der Stiftung Education 21 die Bundesmittel entzogen werden. [PAGE 20]

Wenn Sie auf der Website dieser Stiftung nachschauen, dann sehen Sie, dass insgesamt 47 Mitarbeiter aufgeführt sind. Diese teilen sich insgesamt 30 Vollzeitstellen. Das muss ein Teilzeitparadies sein, das in dieser subventionierten Stiftung geschaffen worden ist, bezahlt natürlich von den Steuerzahlern. Allein 10 Stellen, Herr Bundespräsident, sind in dieser Stiftung für die Kommunikation vorgesehen. Mich würde es wirklich wundernehmen, warum es in dieser Stiftung einen Kommunikationsbeauftragten auf vier Mitarbeiter braucht.

Auch der Auftrag ist fragwürdig. Wir haben hier letztlich eine Zwei-, Drei-, sogar Viergleisigkeit, wenn es um den Bereich geht, den die Stiftung zu betreuen vorgibt, also Unterrichtsentwicklung, Erarbeitung von Lehrplänen, Unterrichtsmedien, Qualitätsentwicklung, Aus- und Weiterbildung usw. Dafür gibt es nämlich schon Stellen in den Kantonen, bei den jeweiligen Bildungsdirektionen. Wir haben die Erziehungsdirektorenkonferenzen der Deutschschweiz und der Westschweiz, die entsprechend Leute beschäftigen. Wir haben mittlerweile die pädagogischen Hochschulen, die geschaffen wurden und die ja auch so tun, als ob sie wissenschaftlich arbeiten und forschen müssten. Es gibt also hier genügend Stellen, die genau diese Aufgaben wahrnehmen können. Die Stiftung Education 21 ist insofern überflüssig geworden.

Wir müssen uns auch bewusst werden, dass wir ein enormes Stellenwachstum beim Bund haben. Solche Stiftungen, wie sie hier entstanden sind und die letztlich mit öffentlichen Geldern bezahlt werden, haben versteckte Stellen, die zusätzlich geschaffen wurden, und zwar unter den Titeln "Dienstleistungen Dritter" oder "Leistungsvereinbarungen" oder wie man das auch immer nennen mag. Also, diese Stiftung ist von ihrem Auftrag her nicht nötig, im Gegenteil: Sie schadet, sie widerspricht dem föderalistischen Aufbau der Bildungslandschaft Schweiz. Die Streichung der Beiträge ist ein kleiner Beitrag an die Entlastung des Bundeshaushaltes, die wir ohnehin vornehmen müssen.

Ich bitte Sie entsprechend, diesen Vorstoss zu unterstützen.