Lohr Christian · Nationalrat · 2016-03-09
Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · CVP-Fraktion · 2016-03-09
Wortprotokoll
Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung, der schwindenden Ressourcen - als Stichworte dazu dienen "Klimawandel" und "Wassernot" -, aber auch aufgrund der steigenden Bedürfnisse der Menschen in den Schwellenländern und in der Dritten Welt tun wir gut daran, ja sind wir in der Verantwortung, auch in unserem Land dem Thema "Ernährungssicherheit" noch vermehrt Beachtung zu schenken. Die Wichtigkeit derselben haben nun schon diverse Fraktionsrednerinnen und -redner dargelegt. Selbst der Bundesrat hat sie ja in seiner Begründung des inzwischen zurückgezogenen Gegenvorschlages auch ganz klar anerkannt.
Ich möchte diese Vorlage nun aber auch noch aus zwei speziellen Blickwinkeln betrachten, einerseits aus der Sicht meines Wohn- und Heimatkantons Thurgau und andererseits auch als sehr wohl kritischer Konsument.
Zum ersten Punkt: Ich komme aus dem ländlich geprägten Kanton Thurgau. In diesem Kanton sind noch doppelt so viele Menschen in der Landwirtschaft tätig, wie dies in der übrigen Schweiz der Fall ist. Die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Betriebe wie Metzgereien, Bäckereien, Lebensmittelläden, Landmaschinenhändler, aber auch grosse und national bekannte Betriebe wie die Zuckerfabrik, die Milchpulverfabrik, die Bischofszell Nahrungsmittel AG, die Mostereien und Mühlen gehören unseres Erachtens zu wichtigen Elementen der Ernährungswirtschaft.
Gemäss Studien hängen im Kanton Thurgau rund 15 Prozent der Wirtschaftskraft des Kantons mit der Landwirtschaft zusammen. Wenn man dann noch die durch alle Betroffenen ausgelösten Bauvolumen hinzuzählt und mit einbezieht, so werden es noch bedeutend mehr sein. Ausserhalb der grossen Wirtschaftszentren treffen wir in vielen Landesgegenden ähnliche Verhältnisse an. Wenn wir also - wie ich dies aus Überzeugung tue - eine Vorlage unterstützen, die die inländische Ernährungswirtschaft stärkt, betreiben wir auch eine sinnvolle Wirtschaftspolitik und vor allem eine durchaus zukunftsorientierte Regionalpolitik.
Zum zweiten Punkt: Als verantwortungsvoller Konsument will ich - das sage ich ausdrücklich -, dass die in der Schweiz zur Lebensmittelproduktion vorhandenen Ressourcen effizient und nachhaltig bewirtschaftet werden. Ich will eine naturnahe und eine schonende, eine ökologisch vielfältige Produktion und Produktionsverfahren, die überzeugen. Beides ist der Schweizer Bevölkerung sehr wichtig. Nur so ist die langfristige, nachhaltige Produktion auch für die nächsten Generationen gewährleistet. Eine stärkere Verankerung der Versorgung mit inländischen Lebensmitteln in der Verfassung stärkt auch meine Position als Konsument. Mir ist es wichtig, auch in Zukunft selber und überzeugt bestimmen zu können, was auf meinen eigenen Teller kommt.
Ich bin dezidiert der Auffassung, dass ein Zusatz in der Verfassung betreffend die Ernährungssicherheit Sinn macht. Mit dieser Ergänzung handeln wir zukunftsorientiert und proaktiv. Ich bitte Sie, die Initiative zur Annahme zu empfehlen. Freuen Sie sich mit mir auf die baldige Erdbeerernte im Thurgau!