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Jositsch Daniel · Ständerat · 2016-03-09

Jositsch Daniel · Ständerat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-03-09

Wortprotokoll

Als Vertreter des Standes Zürich bin ich weniger betroffen als andere, und ich möchte mich deshalb auch kurz halten. Vielleicht ermöglicht mir aber meine fehlende Betroffenheit, das zu tun, was eigentlich Kollege Rieder wollte, nämlich eine nüchterne Analyse der Situation zu machen.

Ich habe intensiv zugehört und habe festgestellt: Es gibt auf der einen Seite Interessen von Gruppen in unserem Land, die betroffen sind durch Wölfe, die Tiere reissen. Dass Wölfe keine Vegetarier sind, wusste ich. Das heisst, wenn wir Wölfe in der Schweiz haben, haben wir auch Tiere, die gerissen werden. Das ist die eine Seite. Ich möchte diese eine Seite gar nicht gegen die andere ausspielen.

Die andere Seite sind die Interessen des Tierschutzes. Sie können sagen: Um Gottes Willen, vierzig Wölfe in der Schweiz! Wir haben, auch im Tierschutz, quantitativ noch ganz andere Probleme. Aber ich glaube, es geht einem grossen Teil der Bevölkerung in unserem Land einfach auch darum, dass sie sagt: Ein bisschen Natur muss doch auch noch sein. Und zur Natur gehören auch Wildtiere, und Wildtiere haben wir nun einmal nicht zu hundert Prozent unter Kontrolle.

Das ist ja auch der Grund, warum wir die Berner Konvention unterzeichnet haben. Viele sind für die Unterzeichnung solcher Konventionen, weil sie sagen: Wildtiere sind schön, aber bitte in Afrika auf der Safari, da wollen sie schützen - aber nicht bei uns. So funktioniert es natürlich nicht. Wir können nicht auf der einen Seite eine Berner Konvention unterzeichnen, zu einem Zeitpunkt, in dem es keine Wölfe gibt, mit dem Ziel, dass bei uns ausgerottete Tiere geschützt werden, und in dem Moment, in dem diese Tiere wieder da sind, sagen: Jetzt geben wir sie zum Abschuss frei, weil wir sie eigentlich gar nicht wollen. Dazu hätten wir die Berner Konvention gar nie unterzeichnen müssen.

Und dazu kommt noch der wesentliche Punkt, den ich heute Morgen gehört habe. Das scheint mir ein Punkt zu sein, für den wir, wie man so schön sagt, doch Ross und Reiter beim Namen nennen müssen. Kollege Hösli hat sich eines wunderbaren rhetorischen Elements bedient, er hat ein schönes, ein einfaches Beispiel gemacht. Rhetorik verrät aber häufig auch, worum es geht. Sie haben gesagt: Wenn ich Mäuse in meinem Haus habe, lege ich mir eine Katze zu. Ich lege mir die Katze aber nicht zu, damit von hundert Mäusen zehn gefressen werden, sondern, wie Sie gesagt haben, damit ich die Mäuse loswerde. Darum geht es in diesem Vorstoss. Das ist auch der Grund, warum ich mich jetzt zu später Stunde auch noch berufen gefühlt habe, hier das Wort zu ergreifen.

Ich glaube, man muss ehrlich sein. Allen, die jetzt gesagt haben, es gehe nur darum, dem Bundesrat etwas Beine zu machen, und man wolle eigentlich den Wolf nicht ausrotten, möchte ich Folgendes sagen: Diese Motion hat einen klaren Inhalt. Sie will den Wolf zum Abschuss freigeben. Bei zwanzig bis vierzig Exemplaren, die heute in der Schweiz sind, bei zwei Rudeln, bedeutet das, dass der Wolf zur Ausrottung freigegeben wird. Das ist für mich - wenn ich jetzt diese nüchterne Analyse mache, zu der Kollege Rieder aufgerufen hat - nicht das Ergebnis einer nüchternen Analyse.

Ich gebe Ihnen Recht, dass wir ein Problem haben. Wir haben auf der einen Seite ein Wildtier, und ich stehe dazu, dass wir dieses Wildtier haben wollen. Auf der anderen Seite verursachen Wildtiere Schäden, und mit diesen müssen wir vernünftig umgehen. Kollege Engler hat einen vernünftigen Vorschlag gemacht, der der Umsetzung harrt. Das ist das Instrument, das ich persönlich bevorzuge, d. h. eine Möglichkeit, einen Kompromiss zu finden. Das, was die vorliegende Motion will, ist kein Kompromiss. Ich möchte - nicht warnen, warnen ist immer ein schlechtes politisches Instrument - Folgendes sagen: Ich glaube, dass das, was Kollege Zanetti gesagt hat, in einem Punkt etwas ist, was sich insbesondere die Befürworter dieser Motion Imoberdorf vor Augen führen sollten. Im Moment sind wir hier in einem Gremium, in dem gegenüber den betroffenen Kantonen und Bevölkerungsteilen sehr viel Wohlwollen besteht. Vielleicht haben Sie aber gesehen, dass ungefähr 76 Prozent der Bevölkerung der Meinung sind, dass der Wolf in der Schweiz Platz haben müsse. Ich kann Ihnen sagen, ohne dass ich Umfragen gemacht hätte, dass es im Kanton Zürich noch wesentlich mehr sind. Von dem her, wenn es dazu kommt - was ich nicht hoffe -, dass einmal eine Volksabstimmung darüber stattfindet, ob der Wolf in der Schweiz Platz haben soll oder nicht, wird es dann schwierig sein, hier noch eine vernünftige Balance zu finden.

Deshalb möchte ich wirklich an Sie appellieren, und zwar für eine vernünftige Regulierung, wie sie die Motion Engler 14.3151 verlangt. Lehnen Sie aber diese Motion hier ab, weil sie definitiv zu weit geht. [PAGE 146]