Salzmann Werner · Nationalrat · 2016-03-09
Salzmann Werner · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-03-09
Wortprotokoll
Zuerst zu meiner Interessenbindung. Ich bin Bauernsohn, gelernter Landwirt und Agronom, bin Präsident des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik, der Mitglieder aus der Landwirtschaft und Lohnunternehmen im Bereich Gewerbe hat. Die Volksinitiative "für Ernährungssicherheit" ist aus meiner Sicht die richtige Antwort auf die Fehlentwicklung der Agrarpolitik und die weltweiten Ernährungskrisen.
Die Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg wird heute oft belächelt. Die jüngeren Generationen wissen schon fast gar nicht mehr, was das war. Man sagt, es sei lediglich eine psychologische Massnahme ohne Bedeutung für die Versorgung gewesen. Tatsache ist aber, die Anbauschlacht hat stattgefunden, und sie war richtig und wichtig in einer Zeit, in der man sich noch bewusst war, dass das tägliche Brot erarbeitet werden muss, in der man einen Grossteil des Lohnes für Lebensmittel verbrauchte. Heute sind es noch 7 Prozent der Lohntüte. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir unabhängig von der Jahreszeit stets alles verfügbar haben, weil bei Grossverteilern alles aus der ganzen Welt im Regal steht, oft sogar zu Schnäppchenpreisen. Die meisten Bürgerinnen und Bürger machen sich keine Gedanken, was im Krisenfall wäre; und die wenigsten haben heute noch Notvorrat. Es ist aber gefährlich, wenn die [PAGE 266] Ernährungssouveränität als hohes Gut kein Begriff und schon gar kein Ziel mehr ist.
Die Ernährungssicherheit muss doch in erster Linie auf einer soliden und hochwertigen einheimischen Produktion basieren. Denn eine auf lokalen Ökosystemen aufgebaute Lebensmittelversorgung wird gegenüber weltweiten Ernährungskrisen weniger anfällig sein als eine Versorgung, die vom globalen Lebensmittelmarkt abhängig ist. Übrigens argumentiert auch eine Studie der ETH Zürich in diesem Sinne. Die Konflikte, welche den Handel einschränken oder zum Erliegen bringen können, sind nicht weit. Als Regierung täte man gut daran, dafür zu sorgen, dass auch im eigenen Land genügend produziert wird und die Produktion nötigenfalls gesteigert werden kann. Eine vorsichtige und vorausschauende Regierung sorgt dafür, dass die Bevölkerung auch in Krisenzeiten versorgt ist und etwas angebaut wird.
Sehen wir uns in der Welt um: Viele Länder schützen ihre Landwirtschaft, allen voran die USA. Sie haben offenbar erkannt, dass man die Bevölkerung im Krisenfall versorgen muss. Es ist doch die Verantwortung der Politik, dass wir neben einer glaubwürdigen Armee auch eine glaubwürdige Selbstversorgung haben. Unsere dezentrale Produktion mit unseren kleinen Betrieben ist doch die ideale Voraussetzung für die Versorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten jeglicher Art.
Ein wichtiger Aspekt bei diesem Thema ist auch die Nahrungsmittelsicherheit. Wir können trotz allen EU-Vorschriften nur kontrollieren, was in unserem Land produziert wird. Nur hier haben wir die Möglichkeit, rasch, direkt und unmittelbar einzugreifen und so sicherzustellen, dass die Lebensmittel, die auf den Tisch kommen, nicht schädlich sind. Bei Importen sieht dies anders aus. Da erfahren wir meist erst etwas, wenn der Skandal bereits passiert ist. Ich erinnere Sie an die Gammelfleischskandale in Deutschland: Es brauchte ganze drei Jahre, bis eine neue EU-Richtlinie entstand, die mehr Lebensmittelsicherheit schaffen sollte.
Viele von Ihnen setzen sich doch stark für eine Energiewende ein. Zu dieser Debatte gehört nicht nur die Produktion von Biogas, Solar- und Windenergie, sondern auch das Einsparen von CO2 durch weniger Transporte. Es ist nicht neu, aber einmal mehr zu unterstreichen: Die inländische Produktion von Nahrungsmitteln ist auch ökologisch sinnvoll. Die Ökobilanz von Kartoffeln, die durch halb Europa gekarrt werden, ist nun mal schlechter als die Ökobilanz von Kartoffeln, die hier angebaut und hoffentlich auch von Ihnen gekauft werden.
Ich spreche hier natürlich auch von saisongerechter Ware. Wenn die produzierenden Bauernbetriebe in diesem Hause wieder die Beachtung fänden, die sie verdienen, wüsste die Konsumentin oder der Konsument vielleicht auch wieder, wann welches Gemüse Saison hat. Sie würden so ihren Teil zur vielzitierten Energiewende beitragen. Seltsamerweise scheint sich der Bundesrat wenig für diesen Aspekt zu interessieren. Eine produzierende Landwirtschaft ist auch für eine nachhaltige Entwicklung wichtig. Bauernbetriebe sichern eben nicht nur Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Gewerbe, sondern sie sind eben auch das Rückgrat unserer Wirtschaft. Deshalb zeigen diese Aspekte der Ernährungssicherheits-Initiative, dass diese für unser Land wichtig und richtig ist. Eine produzierende Landwirtschaft ist von staatspolitischer Bedeutung. "Das beste Wappen in der Welt ist der Pflug im Ackerfeld." Stimmen Sie der Initiative deshalb bitte zu!