Guhl Bernhard · Nationalrat · 2016-03-09
Guhl Bernhard · Nationalrat · Aargau · Fraktion BD · 2016-03-09
Wortprotokoll
Ich bin erfreut, dass in der heutigen Debatte die Bienen bereits mehrfach erwähnt wurden - ein Dank an Frau Ingold, an die Herren Ritter, Walti, Aebi usw. Auch ich bin Imker, Herr Aebi, und lege sicherheitshalber mal meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident von Apisuisse, dem Dachverband der Schweizer Imker. Als Redner tue ich hier aber meine persönliche Haltung kund und nicht jene des Verbandes.
Ich bin auch Bauernsohn. Als Bauernsohn und Imker bin ich bei dieser Initiative hin- und hergerissen. Auf der einen Seite ist es mir wichtig, dass die Existenz unserer Schweizer Bauernfamilien weiterhin gesichert ist, auf der anderen Seite soll aber auch die Existenz der Bienen gesichert bleiben.
Bei der Initiative schliesst sich das nicht gegenseitig aus. Sie lässt einigen Interpretationsspielraum; das wurde bereits mehrfach erwähnt. Es ist daher entscheidend, wie der Text dann ausgelegt wird. Ich mache hier mal eine Auslegeordnung mit Fokus auf die Bienen und die Imkerei.
Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz liegt beim Honig unter 50 Prozent. Aus meiner Sicht ist die Stärkung der Versorgung mit einheimischen Nahrungsmitteln, unter anderem mit Honig, aus vielfältiger, nachhaltiger Produktion richtig. Der Honig ist aber nicht der einzige Nutzen, den die Bienen erbringen. Viel wichtiger ist der Bestäubungswert. Der Bestäubungswert eines Bienenvolkes liegt allein für Obst und Beeren bei durchschnittlich über 1000 Franken pro Jahr. Hinzu kämen weitere Werte für Gemüse, Sonnenblumen, Futterpflanzen usw. Ohne Bienen läuft also gar nichts in Sachen Ernährungssicherheit! Die Initiative darf und kann darum nicht umgesetzt werden, ohne das Nahrungsangebot und den Lebensraum der Bienen zu verbessern - ich rede hier von Wildbienen und Honigbienen, die in Völkern gehalten werden. Es muss also auch die Gesundheit der Bienen beachtet werden.
Als Bauernsohn verstehe ich, dass die Bauern Pflanzenschutzmittel einsetzen müssen. Wenn diese aber die Bienen gefährden, so ist meines Erachtens - dies sollte auch den [PAGE 276] Bauern wichtig sein - der Schutz der Bienen höher zu gewichten als die Verwendung eines Mittels, welches letztendlich Bienen tötet. Der Einsatz von für Bienen gefährlichen Giften wäre wie Sägen am Ast, auf dem man sitzt.
Die Bienen brauchen Trachtpflanzen. Herr Aebi hat in seinem Votum den Raps erwähnt. Dieser ist eine davon. Die Bienen brauchen Nektar und Pollen über das ganze Jahr verteilt, und zwar nachhaltig. Diese finden sie nicht nur bei landwirtschaftlich angebauten Pflanzen wie Klee, Mais, Gurken, Bohnen oder Sonnenblumen, sondern auch bei Bäumen und Sträuchern oder bei Obst. Sie finden sie bei Waldpflanzen wie Buche und Eiche, aber dann auch wieder in der Landwirtschaft, etwa bei der Himbeere, und wiederum bei Efeu und Holunder am Waldrand.
Die Bienen brauchen die landwirtschaftlichen Flächen. Erfahrungsgemäss wird kaum eine Fläche, die einmal bebaut war, später wieder der Landwirtschaft zurückgegeben. Für die Bienen ist es darum wichtig, dass nicht alles zubetoniert wird. Die Forderung der Initiative, die Massnahmen gegen den Kulturlandverlust seien zu stärken, gilt es also klar zu unterstützen.
Mir ist es aber auch wichtig zu betonen, dass die Bienen ein lückenloses Trachtangebot brauchen. Das heisst, ohne Blühstreifen, ohne Sträucher, ohne Biodiversität geht es nicht. Ich habe den Präsidenten des Bauernverstandes (Heiterkeit) - ein Freud'scher Versprecher -, des Bauernverbandes so verstanden, dass er, basierend auf seiner Charta, mit dieser Initiative eben nicht an Punkten wie Biodiversität und Blühstreifen usw. rütteln möchte.
Als Bauernsohn werde ich dieser Initiative zustimmen. Als Imker werde ich darauf achten, dass bei der Umsetzung dieser Initiative, wenn sie denn vom Volk angenommen wird, der Passus "vielfältig und nachhaltig" respektiert wird, sodass die Bienen letztendlich dafür sorgen können, dass wir die Ernährungssicherheit in der Schweiz hoch halten können.