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Rieder Beat · Ständerat · 2016-03-16

Rieder Beat · Ständerat · Wallis · CVP-Fraktion · 2016-03-16

Wortprotokoll

Gegen die ganze Übermacht der WBK scheint es eigentlich hoffnungslos, Sie zu einem Meinungsumschwung bewegen zu können. Ich versuche es trotzdem:

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein. Die WBK steht dem Anliegen positiv gegenüber, formuliert das auch sehr höflich und sagt, dass wir es leider nicht realisieren können. Wenn wir schon ein Schneesportzentrum kaum finanzieren könnten, wie könnten wir dann drei oder mehr Zentren schaffen? Die Motion Lohr wird auch als etwas überholt betrachtet. Sie wurde ja bereits im Dezember 2013 eingegeben. Trotzdem kam dann der Nationalrat im Dezember 2015 zum Schluss, diese Motion anzunehmen. Wieso? Es ist klar, der Nationalrat hat einen Ausweg aus der Sackgasse gesucht, in die wir uns mit dem geplanten Schneesportzentrum manövriert haben.

Der Bundesrat hat 2013 ein grosses Auswahlverfahren gestartet, um den idealen Standort für ein Schneesportzentrum zu suchen. Im Prinzip ist es ganz einfach, d. h., wir wollen unseren Kindern, den Jugendlichen und den Vereinen die Möglichkeit geben, Ferienlager, Schneesportlager in der Schweiz durchzuführen. Der Bundesrat kam dann zum Schluss, dass es ein einziges Schneesportzentrum sein müsste, in der Lenzerheide. Es kostet 85 Millionen Franken, mit jährlichen Unterhaltskosten von 15 Millionen Franken. Trotz dieses Ergebnisses wurde dann im Jahr 2015 - dem Bundesrat war wahrscheinlich selbst nicht mehr wohl - eine Vernehmlassung im Rahmen der Gesamtschau Sportförderung des Bundes durchgeführt und folgende Fragestellung aufgeworfen: "Befürworten Sie die Realisierung eines entsprechenden Projektes am vorgeschlagenen Standort Lenzerheide?" Die Antworten waren mehrheitlich negativ, wie Kollege Eder richtig ausgeführt hat. Es gibt einige Kantone, die einen regionalen Bezug zur Lenzerheide haben, der Rest der Schweiz steht diesem Zentrum skeptisch gegenüber, und dafür gibt es einleuchtende Gründe. Dieses Schneesportzentrum an einem einzigen Standort hat nämlich drei grosse Nachteile:

Der erste Nachteil ist die regionale Unausgewogenheit und die schwere Erreichbarkeit. Ein einziges Zentrum, wie geplant, schliesst ganze Regionen der Schweiz vom Gebrauch aus und erschwert dessen Wirksamkeit. Die gesamte Westschweiz, aber auch die Zentralschweiz wären handicapiert, und damit würde das Breitensportziel verfehlt.

Der zweite Punkt, der ebenso negativ ist, ist folgender: Dieses Evaluationsverfahren beruht auf einem neuen Projekt, es wird ein neues Projekt aus der Landschaft gestampft. Es gibt Alternativprojekte, nämlich Projekte, die bereits gebaut sind und die in ein Schneesportkonzept integriert werden könnten, und zwar sowohl in der Westschweiz wie auch in der Zentral- und der Ostschweiz.

Der dritte Nachteil dieser Geschichte ist, dass das Konzept mit einem einzigen Schneesportzentrum nicht in die bestehenden Strukturen eingebettet ist. An diesem Beispiel zeige ich Ihnen auf, was Kollege Lohr gemeint hat. Wir haben bereits bestehende Strukturen, wir haben drei nationale Leistungszentren: das Leistungszentrum Ost in Davos mit dem Sportgymnasium, welches die Spitzensportler in der Ostschweiz ausbildet, das Leistungszentrum Mitte in Engelberg mit der Sportmittelschule, welches diese Gelegenheit in der Zentralschweiz bietet, und das Leistungszentrum West in Brig mit dem Kollegium, welches das zuständige Kompetenzzentrum für die Westschweiz ist. Wenn wir jetzt drei Schneesportzentren an diese bestehenden Strukturen angliedern könnten, dann hätten wir etwas für den Breitensport erreicht. Das sagt nicht Kollege Lohr allein, das sagen weitere prominente Verfechter einer dezentralen Lösung. Der Direktor von Swiss Ski hat es im November 2015 in der "Südostschweiz" klargelegt: "Wenn wir unsere drei regionalen Zentren ausbauen, kommt das Ganze günstiger und ist zudem effektiver." Swiss Ski bevorzugt den Ausbau der bestehenden Leistungszentren zu Schneesportzentren, zu eigentlichen Kompetenzzentren, gegenüber einem Zentrum, das für den Breitensport nicht taugt.

Mit der Annahme der Motion Lohr können wir jetzt ein Zeichen dafür setzen. Wenn Sie diese Motion annehmen, setzen Sie ein Zeichen für regionale Ausgewogenheit, für den Breitensport und für eine Lösung, die auch finanzierbar ist. Hier komme ich zu einem weiteren Kernpunkt. Im Rahmen des Evaluationsprozesses wurde aufgezeigt, dass zum Beispiel das Schneesportzentrum für die Westschweiz mit 6 Millionen Franken gebaut werden könnte. Das Gleiche gilt für das Zentrum für die Innerschweiz. Ich bin überzeugt, dass auch in der Ostschweiz ein Schneesportzentrum auf bestehenden Strukturen und ohne gigantischen Finanzrahmen gebaut werden könnte. Wir wollen nicht neue grosse Gebäude, wir wollen die Leute wieder zum Skifahren bewegen, und das können wir mit bestehenden Strukturen.

Wenn Sie diese Motion annehmen, geben Sie dem Bundesrat ein Zeichen, in welche Richtung die Reise gehen soll. Danke für die Unterstützung!