Fetz Anita · Ständerat · 2016-03-16
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-03-16
Wortprotokoll
Ich möchte den Kollegen Rieder und Vonlanthen einmal einen Blick in die Wirklichkeit städtischer Kinder ermöglichen. Dann werden sie wohl auch ein bisschen verstehen, warum die Zeiten heute deutlich anders sind als vor zwanzig Jahren.
Das hat nämlich mit den Einkommen der Familien in den Städten zu tun. Die meisten Leute aus Bergkantonen meinen, in den Städten verdiene jeder supergut. Es sind die Durchschnittszahlen, die gut sind. Aber in Basel-Stadt beispielsweise verdient die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 50 000 und 60 000 Franken pro Jahr. Damit machen sie keine grossen Sprünge und auch keine Skiferien, das kann ich Ihnen sagen, und zwar schon deshalb, weil die Lebenshaltungskosten in der Stadt deutlich höher sind als auf dem Land. Das ist eines der grossen Probleme, warum heute sehr viel weniger Leute Ski fahren gehen: Sie können es sich schlicht nicht leisten, und zwar auch die Skilager nicht.
Sie müssen auch wissen: In den städtischen Kantonen ist in den letzten Jahren mit den Sparprogrammen in den Schulen die Unterstützung für Skilager gekürzt und zum Teil ganz abgeschafft worden. Es bringt Ihnen nichts, wenn Sie dann drei Zentren haben. Ich kann es schon ein bisschen verstehen: Sie wollen natürlich für Ihre Region auch ein solches Zentrum herausholen. Das ist aber eine kurzfristige Sichtweise, denn drei Zentren heisst schlicht und einfach, dass die gar nicht voll sein werden - das wird das Problem sein. Ich setze ein Fragezeichen dahinter, ob schon eines wirklich betrieblich einigermassen gut geführt werden kann. Offenbar hat das aber der Bundesrat entsprechend abgeklärt.
Kollege Rieder, Sie haben davon gesprochen, dass das nicht gehe wegen der regionalen Unausgewogenheit. Ja, Entschuldigung, aber die Zeiten, als in der Schweiz derart viel Geld vorhanden war, dass man jeder Region alles finanzieren konnte, die sind - man kann es bedauern - schlicht und einfach vorbei! Zudem, meine ich, leben wir nicht in einem Riesenland, sondern in einem schönen, kleinen, überblickbaren Land, in dem man mit den SBB an jeden Skiort hinkommt. Man könnte ja meinen, das wären Tagesreisen, die man unternehmen müsste, um in ein solches Zentrum zu kommen. Nein, es ist einfach so, dass drei oder mindestens drei Sportzentren einfach "nice to have" wären; hier spreche ich auch als Finanzpolitikerin. Gestern haben Sie ungefähr drei Milliarden Franken ausgegeben, letzte Woche eine halbe Milliarde Franken für die Armeelastwagen. Wir werden ein Stabilisierungsprogramm haben, das jedes Jahr eine Milliarde Franken sparen muss; das wird eventuell nur der Anfang sein. Da gehört es dazu, dass man sich beschränkt und sagt: Ja, schön wäre es, aber es ist eben "nice to have" - seien wir froh, dass wir überhaupt ein Sportzentrum mitfinanzieren können!
Ein letztes Wort, Kollege Rieder: Sie haben gesagt, man könne es ja mit den bestehenden Strukturen machen. Ja, machen Sie es! Das können die Kantone machen. Das ist kein Problem, aber es braucht dazu nicht noch Bundesfinanzen.