Guhl Bernhard · Nationalrat · 2016-03-17
Guhl Bernhard · Nationalrat · Aargau · Fraktion BD · 2016-03-17
Wortprotokoll
Ich bin gelernter Elektriker und weiss, wie sich Spannung und Strom anfühlen. Als Elektroingenieur kenne ich den Unterschied zwischen Energie und Leistung - etwas, das man nicht von allen Votantinnen und Votanten behaupten kann. Ich arbeite als Elektroingenieur bei Siemens im Energiebereich, womit ich meine Interessenbindung offengelegt habe.
Der Grundsatz des Stromnetzes ist einfach. In jeder Sekunde muss so viel Strom ins Netz eingespeist werden, wie gleichzeitig bezogen wird. Herr Imark - er ist nicht mehr im Saal, er hat vorhin Deutschland zitiert -, wir sind in der Schweiz meilenweit von deutschen Verhältnissen entfernt, wir haben in der Schweiz nicht dieselben Überkapazitäten an Fotovoltaik oder an Windenergie, wie sie Deutschland hat. Wir sind weit davon entfernt, dass wir zusätzliche Verbraucher wie Weichenheizungen usw. einschalten müssen, um Überkapazitäten zu verbrennen. Die Energiestrategie 2050, wie sie sich im Moment gestaltet, ist eigentlich eine Importstrategie, denn wir haben in der Schweiz nicht mehr die Kapazitäten, um den eigenen Strombedarf nonstop decken zu können, wenn die KKW abgeschaltet sind.
Herr Imark hat den deutschen Wirtschaftsminister Gabriel aus Deutschland zitiert. Aber dieser ist in etwa so repräsentativ wie andere konservative Energiepolitiker in der Schweiz - er ist also nicht unbedingt die Referenz. Die Schweiz ist keine Insel. Mit Stromhandel haben wir lange Zeit sehr gutes Geld verdient. Aber im Sinne der Versorgungssicherheit tun wir gut daran, uns nicht auf Importe zu verlassen, worauf es jetzt aber hinausläuft - will heissen: Wir sollten in der Schweiz weitere Kapazitäten zubauen.
Ich stehe voll und ganz hinter der Energiestrategie. Unter dem Strich die günstigste Energieart ist die Effizienz - das wurde mehrfach erwähnt. Jedes eingesparte Kilowatt, das wir nicht verbrauchen, müssen wir nicht erzeugen. Insgesamt ist jeder in Effizienzmassnahmen investierte Franken besser als ein in Kraftwerkskapazitäten investierter. [PAGE 510]
Als ich auf die Welt kam, gab es noch keine Mobiltelefone, noch keine Laptops, keine i-Pads. Die Strassenlampen konnte man in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, ungefähr an einer Hand abzählen, es gab nicht in jedem Quartier welche. Die mit Strom betriebenen Anwendungen nehmen laufend zu. Ich bin kein Hellseher, aber ich bin überzeugt: In zwanzig Jahren werden wir noch viele weitere, zusätzliche Anwendungen haben, die Strom benötigen werden. Es ist so, dass der Stromverbrauch insgesamt zunehmen wird. Wir werden vermutlich auch einiges substituieren, sprich Erdölheizungen durch Wärmepumpen ersetzen. Das wird den Stromverbrauch insgesamt steigern. Das Ziel dieser Stromeffizienz-Initiative stelle ich eigentlich infrage, aber unter dem Strich hilft sie eben dennoch, den Umbau unserer ganzen Energieversorgung dahingehend zu gestalten, dass sie CO2-mässig besser aussehen wird.
Ich empfehle diese Initiative zur Annahme, und zwar weil ich möchte, dass die Energiestrategie 2050 am Schluss durchkommt. Wenn diese Energiestrategie dann in Kraft gesetzt wird, dann wird diese Initiative ein Stück weit überflüssig und könnte zurückgezogen werden. Aber unter dem Strich ist das ganze Ziel der Initiative, die Effizienz zu steigern, sehr begrüssenswert, weshalb ich hier die Initiative zur Annahme empfehle.