Quadranti Rosmarie · Nationalrat · 2016-06-07
Quadranti Rosmarie · Nationalrat · Zürich · Fraktion BD · 2016-06-07
Wortprotokoll
Vielleicht ist es bei diesem Punkt ein Nachteil, dass das Gesundheitsberufegesetz in der WBK und nicht in der SGK behandelt wurde - dies, weil in der WBK vor allem Bildungspolitiker und nicht Gesundheitspolitiker sind.
Der Antrag meiner Minderheit hat eine positive Auswirkung auf das Gesundheitswesen. Deshalb wird er auch von der Gesundheitsdirektorenkonferenz, vom Berufsverband der Haus- und Kinderärzte Schweiz, von der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, der Schweizerischen Fachgesellschaft für Geriatrie und von der Nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdA Santé) unterstützt. Wir machen hier und heute ein Gesetz, welches nicht nur jetzt Gültigkeit haben soll, sondern möglichst lange in der Zukunft. Heute sind rund 400 Advanced Practice Nurses (APN) im Einsatz. Es ist also eine Ausbildung, die es bereits gibt. Sie wurde nicht in der Schweiz erfunden, aber sie wird auch hier angeboten. Das ist Grund genug, im Sinne der Patientensicherheit, aber vor allem auch im Sinne eines effektiven Miteinanders von Medizinalpersonen und Pflegepersonal, diese Ausbildung jetzt ins Gesetz aufzunehmen - getreu dem Motto: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen." Denn dass dieser Master "morgen" aufgenommen wird, scheint klar zu sein. Das wurde immer wieder betont.
Die Aufnahme ist aber heute wichtig, damit das Miteinander funktioniert: Der Arzt diagnostiziert Krankheiten und leitet die notwendigen Therapien von der Diagnose ab, führt sie selber aus oder delegiert sie. Die APN schätzt die Auswirkungen der Krankheit auf die Alltagsbewältigung des Patienten ein, leitet daraus die notwendigen Massnahmen ab und führt sie selber aus oder delegiert sie.
APN, die heute arbeiten, haben z. B. vertiefte pflegerische und medizinische Kenntnisse in Kardiologie oder Diabetologie und sind deshalb in der Lage, bei chronischen Situationen langfristig die Koordination der gesamten Patientensituation zu übernehmen. Sie können die Hausärzte massiv entlasten. Gerade beim heutigen Hausärztemangel ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und wie erwähnt: Die Hausärzte unterstützen die Annahme dieses Minderheitsantrages.
Ein weiteres Beispiel, das viele kennen: Der Spitalaufenthalt war tipptopp. Dann folgt eine Reha; es muss aber nicht nur einfach eine Reha gesucht werden, sondern eine Reha, die für die gute Genesung passend ist, und es braucht die Koordination, die den Patienten zeigt, wie sie im Alltag weiterkommen.
Oder denken Sie an die Betreuung von Chronischkranken. Es braucht oft keinen Arzt, aber doch eine kompetente Person, die koordiniert, die betreuenden Angehörigen berät und weiss, wann ein Arztbesuch zwingend notwendig wird.
Die APN ist also weder für den Arzt noch für die Pflegefachfrau eine Konkurrenz. Vielmehr kann sie mit ihrer Ausbildung, mit ihrer Befähigung zwischen Arzt und Pflegefachfrau angesiedelt werden. Das heisst, sie ist dank der Masterausbildung in der Lage, delegierbare Aufgaben vom Arzt zu übernehmen. Dazu braucht es ein grösseres Wissen, weil die Verantwortung ebenfalls grösser ist. Denken Sie daran, die Gesundheitsdirektorenkonferenz möchte die Aufnahme der APN heute und nicht erst morgen. Sie weiss, was vor Ort benötigt wird.
Stimmen Sie deshalb meinem Minderheitsantrag zu. Der APN-Studiengang bedeutet keine Verakademisierung, sondern eine sinnvolle Erweiterung des Pflegeberufes. Diese Masterausbildung konkurrenziert die Bachelorausbildung nicht, denn die APN werden in anderen Gebieten eingesetzt, und sie werden in Zukunft wichtiger werden. Denken Sie daran: Die Lebenserwartung ist gestiegen, die chronischen Krankheiten mit ihren diversen Krankheitsbildern nehmen zu, und es braucht hierfür eine Befähigung, die über das Wissen der Bachelorausbildung hinausgeht. Schlussendlich führt die Aufnahme der APN eher zu einer Vergünstigung als zu einer Verteuerung des Gesundheitswesens. Die APN verdient wohl mehr als die Pflegefachfrau mit Bachelorausbildung, aber weniger als der Mediziner, und sie übernimmt Aufgaben des Arztes.