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Gutzwiller Felix · Nationalrat · 2002-03-18

Gutzwiller Felix · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-03-18

Wortprotokoll

Ich darf noch einmal kurz an den Hintergrund dieser Motion erinnern, in der es ja darum geht, die Kantone endlich - endlich sage ich, denn mein Hauptanliegen ist ein zeitliches - dazu zu bringen, hier etwas mehr Druck aufzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Kinder bis spätestens im sechsten Altersjahr eingeschult sind.

Der Hintergrund ist Ihnen bekannt. Wir sind auf dem Weg zu einer Wissensgesellschaft. International wird in verschiedensten Studien anerkannt, dass die Schweiz heute im entsprechenden Vergleich einen späten Schuleintritt hat, dass wir überdurchschnittlich lange mittlere Studiendauern aufweisen, dass wir im europäischen Vergleich auch späte Studienabschlüsse haben. Das alles beginnt natürlich mit dem Einschulungsalter zu laufen. Das unterschiedlich späte Einschulungsalter in den Kantonen ist auch hinderlich für die Mobilität zwischen den Kantonen. Es ist zudem medizinisch unbestritten, dass sich die Kinder heute rascher entwickeln und früher für den Schuleintritt reif sind. Schliesslich könnte man auch auf die integrationspolitischen Vorteile eines früheren Schuleintrittes verweisen, wie sie in letzter Zeit thematisiert worden sind.

Ich habe mich gefreut, von Frau Bundesrätin Dreifuss in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" im September letzten Jahres zu lesen, dass sie sich klar für ein Schuleintrittsalter von fünf Jahren ausgesprochen hat. Es hat mich deshalb auch gefreut, dass der Bundesrat dieses Anliegen im Prinzip teilt, wenn ich seine Antwort richtig interpretiere, und ebenfalls der Meinung ist, dass die Einschulung früher stattfinden sollte, als sie es heute tut. Der Bundesrat ist hingegen offensichtlich der Meinung - und ich verstehe meinerseits diese Meinung -, dass das natürlich unter den Aspekten der Zuständigkeit klar primär eine kantonale Domäne ist. Es ist auch so, und Informationen vonseiten der EDK - der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren - bestätigen mir, dass die Erziehungsdirektoren mit dem Bericht Basisstufe und verschiedenen Modellvorhaben, die in den Kantonen laufen, in diese Richtung arbeiten wollen. Es freut mich, dass auch die Bildungspolitiker zuhören, aber es geht mir noch immer zu wenig schnell.

Ich bin aber einverstanden, und damit komme ich zu den Schlussfolgerungen, die Motion in ein Postulat umzuwandeln unter dem klaren Verständnis, dass wir hier weiter wachsam bleiben werden. In der Antwort des Bundesrates wird klar gesagt, die Kantone wollten vorwärts machen. Es käme allenfalls sogar der neue Bildungsartikel von Kollege Zbinden in Frage, um diese Probleme zu lösen. Ich bin also, Frau Präsidentin, mit einer Umwandlung in ein Postulat einverstanden. Ich werde mir aber vorbehalten - wenn es weiterhin zu lange gehen sollte -, in diesem Saal mit diesem Anliegen wieder zu kommen, auch wenn es nicht primär in die Zuständigkeit dieses Hauses gehört. Denn das Thema ist für die längerfristige Positionierung der Qualität unseres Bildungsplatzes, unserer Wissensgesellschaft zu wichtig, als dass wir hier eine zu langsame Arbeit und Vorgehensweise der Kantone akzeptieren könnten.

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