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Quadranti Rosmarie · Nationalrat · 2017-03-13

Quadranti Rosmarie · Nationalrat · Zürich · Fraktion BD · 2017-03-13

Wortprotokoll

Letzten Dienstag habe ich den empfehlenswerten Film "Die göttliche Ordnung" gesehen. Ein Pflichtfilm für jeden von uns, meine ich. In diesem Film geht es um das Frauenstimmrecht. Warum erzähle ich das jetzt, wo es um Elternzeit geht? Es gibt Parallelen zum Film "Die göttliche Ordnung". Er zeigt eindrücklich, dass damals auch Frauen gegen das Frauenstimmrecht waren, nebst all den Männern, die es als göttliche Ordnung ansahen, dass Frauen nicht stimmen sollten. Geht es bei der Elternzeit nicht auch wieder um so etwas wie die göttliche Ordnung?

Ich bin mir bewusst: In den Augen der Mehrheit dieses Parlamentes ist es eben noch eine göttliche Ordnung, dass es keine Elternzeit gibt. Auch hier braucht es einen langen Schnauf und das Nichtaufgeben, denn die Zukunft wird mir Recht geben.

Ich hatte gerade kürzlich eine Schulklasse aus Eglisau bei mir im Rahmen des Projektes "Schulen nach Bern", die einen Elternurlaub von sechs Monaten wollte. Ich habe ihnen gesagt, dass sie dieses Anliegen unbedingt auch als Erwachsene weiterverfolgen sollten. Denn ich befürchte, dass sich diese heutigen Sekundarschüler der dritten Klasse dann immer noch dafür werden einsetzen müssen, weil dieses Anliegen, das einen wichtigen Bestandteil der Vereinbarkeit von Familie und Beruf darstellt, noch nicht so bald erfüllt sein wird.

Die parlamentarische Initiative hat einen schweren Stand, wahrscheinlich ist sie der Zeit voraus. Das Parlament in dieser Zusammensetzung war ja nicht einmal bereit, einen minimalen Vaterschaftsurlaub anzunehmen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass Elternzeit eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft ist. Sie ist positiv für die Kinder, für die Eltern und für den Wirtschaftsstandort Schweiz. [PAGE 378]

Die parlamentarische Initiative ist sehr offen formuliert. Der Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen bleibt unangetastet. Er bleibt für die Mutter bestimmt, einerseits als Erholung nach der Geburt, andererseits für eine ungestörte erste Stillphase. Weitere maximal 14 Wochen sollen also hinzukommen. Das heisst, sogar die Dauer der Elternzeit wäre gemäss Wortlaut noch genauer zu definieren.

Was will die Initiative? Eine Elternzeit, die bezogen werden kann, aber nicht bezogen werden muss. Der Vater muss einen Teil beziehen, ansonsten verfällt ein Teil der Zeit. Flexible Lösungen, die der Familie dienen, sollen möglich sein.

Was sind die Vorteile einer Elternzeit? Kinder und Eltern werden für einen guten Start als Familie mit dem ersten Kind oder bei der Vergrösserung der Familie unterstützt. Kinder können in den ersten Monaten elterliche Fürsorge erfahren und eine Beziehung zu Mutter und Vater aufbauen. Es bleibt Zeit für die Eltern, sich als Familie zu finden, und es bleibt genügend Zeit für die beiden Elternteile, ihre Erwerbssituation weiterzuentwickeln, und Zeit, um die künftige Arbeitseinteilung auszuhandeln.

Das heisst, dass Elternzeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt, Arbeitszeitmodellen auch für Väter Auftrieb gibt und dazu beitragen kann, dass auch Mütter verstärkt, also mit einem höheren Beschäftigungsgrad als heute, in der Erwerbstätigkeit verbleiben. Das heisst auch, dass Bildungsinvestitionen in Frauen besser genutzt werden. Eventuell kann Elternzeit auch dazu beitragen, dass die Geburtenrate erhöht wird.

Elternzeit kostet. Der Vorschlag der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen und der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen ist diesbezüglich klar. Er sieht vor, dass die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt werden. Die effektiven Kosten könnten genauer beziffert werden, wenn der Initiative in einer ersten Phase Folge gegeben würde und ein Modell ausgearbeitet werden könnte. Bei den Kosten gibt es einerseits die Kosten der Elternzeit, andererseits wäre auch die Frage zu stellen, wie hoch der Return on Investment ist: Was bedeutet es, wenn Frauen nach einem Studium oder einer Berufslehre stärker im Beruf verbleiben als heute?

Ich bitte Sie also, dieser Initiative in einer ersten Phase Folge zu geben. Es ist wirklich an der Zeit, Taten folgen zu lassen. Sonst bleibt der vielverwendete Begriff der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine leere Worthülse. Elternzeit ist wie damals das Frauenstimmrecht ein Bedürfnis und ein weiteres Element für Gleichstellung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Allerdings glaube ich leider, dass zu diesem Thema einmal Folge 2 von "Die göttliche Ordnung" gedreht werden kann.