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Reimann Lukas · Nationalrat · 2017-03-14

Reimann Lukas · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-03-14

Wortprotokoll

Auch wenn man in der Staatskarosse chauffiert wird und ein Erstklass-Generalabonnement hat, kann man als Eigentümer der SBB nicht einfach sagen, die SBB-Preise gingen einen nichts an. Die SBB-Preise sind für viele Leute ein Ärgernis. Es gibt zahlreiche Erhebungen zu diesem Thema. Als der SBB-CEO Meyer 2015 sagte, er möchte jetzt tiefere Preise für die SBB, sagten in einer Umfrage mit über 11 000 Teilnehmern 8 Prozent, sie würden das glauben, und 86 Prozent von diesen 11 000 Teilnehmern sagten, daran glaubten sie nicht. Ende 2016 glaubte auch Herr Meyer nicht mehr daran. Es wurden nämlich 1400 Stellen gestrichen und gleichzeitig die Preise erneut, wie schon in allen vergangenen Jahren, erhöht. In der anschliessenden Umfrage, ob man diese Motion unterstütze, sagten 81 Prozent von wiederum 11 000 Teilnehmern, sie unterstützten das.

Es gibt auch repräsentative Umfragen von den SBB selber, die die Zufriedenheit erheben. Dort erhält mit lediglich 23 Prozent das Preis-Leistungs-Verhältnis den zweittiefsten Wert von allen Werten. Das sind nicht einfach SBB-Gegner, die das sagen, sondern da gibt es zum Beispiel 83 Prozent Zufriedenheit bei der Freundlichkeit des Personals - zu Recht. Aber bei den Preisen sind die Werte unterirdisch. Auch beim "K-Tipp" hat man eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, und dort sagte eine absolute Mehrheit, dass die Preise schlecht, ungenügend oder - häufigste Antwort - sehr schlecht seien. Nur gerade 18 Prozent fanden die Preise der SBB okay.

Schauen Sie auch, was in den letzten Jahren passiert ist: Autofahren ist günstiger geworden, das Auto hält länger, das Benzin kostet weniger, und das Auto verbraucht immer weniger Benzin. Die Busse - die Motion Nantermod 15.4173 wurde heute angenommen - bieten günstige Preise an. Sie können heute sogar mit dem Flugzeug günstiger von Zürich nach Genf gelangen, als wenn Sie per Zug reisen. Da sind die Relationen nicht mehr vorhanden. Da kann man lange die SBB loben und sagen, es sei wünschenswert und schön, wenn alle mit dem Zug fahren würden. Aber sie fahren eben nicht mehr mit dem Zug. Alleine Flixbus soll im letzten Jahr nach Aussage der SBB eine Million Kunden den SBB abgeworben haben. Das wird zunehmen, wenn die Preise weiter so steigen - und wenn wir politisch nichts machen, werden die Preise weiter steigen.

Im Jahr 2016, als Herr Meyer gegenüber der "Handels-Zeitung" Stellung nehmen musste, weil die Preise wieder stiegen, sagte er, hohe SBB-Ticketpreise seien politisch gewollt. Die Preise sind also klar politisch und nicht wirtschaftlich begründet. Ich will politisch nicht so hohe und ständig steigende SBB-Preise. Ich bitte Sie deshalb, meine Motion zu unterstützen.

Ich finde es besonders stossend, dass sich von 2014 auf 2015 die Chefetage der SBB die Löhne von 5,1 auf 5,9 Millionen Franken und die Boni von 1,3 auf 2 Millionen Franken erhöhte. Gleichzeitig musste der einfache Bahnkunde für die SBB-Tickets noch mehr zahlen. Die Preispolitik ist Sache der Politik, ist Sache des Eigentümers der SBB.

Ich bitte Sie, hier Verantwortung zu übernehmen und für SBB-Preise einzustehen, die in einem vernünftigen Verhältnis zum Wünschbaren stehen und eine attraktive Eisenbahn ermöglichen. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zur Motion.