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Munz Martina · Nationalrat · 2017-05-04

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-05-04

Wortprotokoll

Mit diesem Postulat soll der Bundesrat beauftragt werden, zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, wie der Bund innerhalb seiner Strukturen und bei Veranstaltungen so weit wie möglich Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung anbieten kann. Das ist sicherlich nicht der wichtigste Vorstoss. Aber Sie können damit dennoch ein Zeichen setzen.

Das Schweizer Modell der öffentlichen Wasserversorgung gilt international als vorbildlich bezüglich Qualität, Effizienz und demokratischer Kontrolle. Mit dem Angebot von Leitungswasser als Trinkwasser erfährt dieser Service public eine Wertschätzung und kann zur Imagewerbung bezüglich Nachhaltigkeit genutzt werden.

Im Bundeshaus wird viel Wasser herumgeschleppt, dies durch die "echten" Wasserträgerinnen und Wasserträger: Die Weibelinnen und Weibel müssen für die Kommissionssitzungen unzählige Wasserflaschen aufstellen und wieder abräumen. Wir könnten ihnen die Arbeit erleichtern, wenn überall im Haus Trinkwasserbrunnen zur Selbstbedienung zur Verfügung stehen würden. Mein Vorstoss betrifft aber nicht nur das Bundeshaus. Vielmehr soll er den Trinkwasserkonsum der gesamten Bundesverwaltung und der mit ihr verbundenen Institutionen betreffen.

Leitungswasser steht überall in der Schweiz in hervorragender Qualität kostengünstig zur Verfügung. Trinkwasser aus dem Wasserhahn ist umweltschonend, stammt aus der Region und benötigt rund 450-mal weniger Energie als die Aufbereitung von Mineralwasser in der Flasche. Auch preislich ist dieses Trinkwasser attraktiv, kostet doch ein Liter Trinkwasser aus dem Wasserhahn durchschnittlich weniger als 0,2 Rappen.

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches gab eine Studie in Auftrag, in welcher Trinkwasser, Mineralwasser und andere Getränke in einer Ökobilanz untersucht und miteinander verglichen wurden. Die Untersuchung umfasste den gesamten Zyklus von der Wasserförderung bis hin zum Konsum. Beim direkten Vergleich von Leitungswasser mit ungekühltem Mineralwasser verursacht das Hahnenwasser nur einen Bruchteil der Umweltbelastung von Mineralwasser. Auch bei gekühltem und sprudelndem Wasser aus dem Hahnen betragen die Umweltbelastungen dieses Wassers nur ungefähr einen Achtel der Belastung des Mineralwassers.

Aus Umweltsicht ist es grundsätzlich zu empfehlen, Hahnenwasser als Getränk gegenüber Mineralwasser und anderen Getränken zu bevorzugen. Mit Blick auf den Gesamtkonsum trägt der Verzicht auf Mineralwasser kaum wesentlich zum Umweltschutz bei. Damit liesse sich gerade einmal ein halbes Prozent der Pro-Kopf-Umweltbelastung reduzieren. Dennoch, wenn die ganze Bundesverwaltung auf Leitungswasser umstellte, wäre das echt vorbildlich. Der Bund würde zum Botschafter für gesundes Trinkwasser, für den Service public Trinkwasser.

Der verlangte Bericht müsste aufzeigen, wie viel Geld ohne den Zukauf von Wasser gespart würde, wie viele Arbeitsstunden ohne das Schleppen von Wasser anders genutzt werden könnten und wie lange es dauern würde, bis sich die Anfangsinvestitionen für Trinkwasserbrunnen und -kühlsysteme und allenfalls auch CO2-Sprudel amortisieren würden. Die Stadt Bern als erste grössere Schweizer Stadt und die Universität Bern als erste Schweizer Hochschule sind als leuchtende Beispiele vorangegangen und der "Blue Community" beigetreten. "Blue Community" ist das Bekenntnis für den vorbildlichen Umgang mit Wasser. Diese Auszeichnung würde dem Bund gut anstehen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie das Postulat gutheissen würden und der Bund zum Botschafter des Service public Trinkwasser würde.