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Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2017-06-15

Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2017-06-15

Wortprotokoll

Mit meinem Postulat verlange ich einen Bericht über die Schnupperangebote in den Mint-Berufen. Warum? Der Bundesrat und die zuständigen Verwaltungsstellen leisten im Rahmen der Fachkräfte-Initiative zwar sehr viel zur Förderung der Mint-Berufe. Wie Sie aus der Aufstellung des Seco vom Dezember 2016 herauslesen können, ist die Fachkräfte-Initiative aber stark auf die akademische Seite der Mint-Berufe ausgerichtet. Es gibt zwar auch ein Massnahmenpaket zur Stärkung der Praxisorientierung beim Fachhochschulzugang im Mint-Bereich. Wer aber diesen Weg über die Fachhochschulausbildung geht, der fängt in der Regel irgendwo mit einer Lehre an.

Die Fachkräfte-Initiative fördert den Quereinstieg aus den Gymnasien zu den Fachhochschulen. Das wird mancherorts kritisiert, weil diesen Maturandinnen und Maturanden der Praxisbezug fehlt. Genau deshalb muss der richtige Weg zur Fachhochschule, nämlich derjenige über die Lehre, ebenfalls gefördert werden. Der Weg über die Lehre stellt noch immer den Regelfall dar. Die Lehre bildet das Rückgrat unseres dualen Bildungssystems. Im Mint-Bereich bleiben jedoch noch immer viele Lehrstellen unbesetzt, was sich später auf der Ebene der Fachhochschulen bemerkbar macht.

Die Schnupperlehre ist das entscheidende Instrument im Berufswahlverfahren, um Jugendlichen die Mint-Lehrberufe näherzubringen. Offensichtlich sind jedoch die Angebote zu wenig attraktiv, oder die Information für Interessenten ist noch [PAGE 1149] immer ungenügend. Jährlich bleiben schweizweit 7000 Lehrstellen unbesetzt. Ein beträchtlicher Teil davon gehört zu den Mint-Berufen, was vor allem zulasten unserer Industrie und unserer KMU geht. Ohne ein attraktives Angebot an Schnupperlehrstellen gehen viele Interessentinnen und Interessenten bereits verloren, bevor sie sich ein Bild von den Berufen machen konnten.

Es gibt auch Massnahmen im Rahmen der Fachkräfte-Initiative, um die Berufswahlvorbereitung in der Volksschule zu verbessern. Aber dabei geht es in erster Linie um die Information in den Schulen selber. Das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist das Kennenlernen des Berufs in den Betrieben, damit sich die interessierten Jugendlichen ein konkretes Bild davon machen können, worauf sie sich einlassen, und zwar bevor sie sich entscheiden müssen, ob sie dies auch wirklich tun möchten.

Heute ist die Situation folgende: Die Jugendlichen können sich im Rahmen von einzelnen Schnuppertagen oder von Tagen der offenen Tür zwar mal kurz mit dem Beruf auseinandersetzen. Aber zu einem tieferen Einblick reicht das nicht. Nehmen Sie die Informatiker: Hier kommen die Kids oft mit falschen Vorstellungen, kennen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Informatikdisziplinen nicht und sollen sich dann bereits für eine Lehre entscheiden. Sie können nicht, wie z. B. im Hotelgewerbe, im Vorfeld mehr darüber erfahren. Fachleute sprechen davon, dass dazu mindestens drei Tage notwendig wären. Sie müssen sich aber zuerst um eine Lehrstelle bewerben, damit sie überhaupt eine Schnupperlehre machen können. Das Resultat: Sie sehen erst spät, gegen Ende des 9. Schuljahres, ob es das Richtige für sie ist, beziehungsweise die Betriebe sagen ihnen später ab, wenn sie selber zu diesem Schluss kommen. Und dann? Dann müssen sich die Jugendlichen noch kurzfristig umorientieren. Für viele dürfte das ein Grund sein, sich gar nicht erst zu bewerben, selbst wenn sie für diese Laufbahn geeignet wären. Wir wissen nicht, wie viele Talente uns so entgehen. Da nützen uns Fördermassnahmen in einer späteren Phase nichts.

Deshalb verlange ich vom Bundesrat, dass er dieser Frage nachgeht. Mir geht es nicht darum, dass der Bundesrat bei den Betrieben eingreift, aber mir geht es darum zu wissen, ob die Mittel, die durch die Fachkräfte-Initiative eingespiesen werden, auch am richtigen Ort eingesetzt werden.

Ich bitte Sie, das Postulat zu unterstützen, damit der Bundesrat aufzeigen kann, welche Möglichkeiten er zur Steigerung der Angebote sieht.