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Hösli Werner · Ständerat · 2017-09-13

Hösli Werner · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-09-13

Wortprotokoll

Es ist uns allen bewusst, dass wir uns hier mit einem relativ emotionalen Thema befassen, und es wird an diesem Morgen nicht zum letzten Mal so sein. Aber gerade bei solchen Themen ist es wichtig, dass wir den Gesamtüberblick behalten und Abwägungen anstellen zwischen eigenverantwortlichem Tun und Handeln sowie Vorschriften und Einschränkungen.

Wir haben alle in einer Sache keine Differenz: Unfälle auf Strassen sind möglichst zu vermeiden. Aber motorisierter Individualverkehr, Langsamverkehr sowie das Leben selbst bergen immer Gefahren. Denn leben heisst eben gerade auch erleben. Von den 11 000 Unfällen mit Personenschaden betrafen im letzten Jahr 4 Prozent die Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen, dies im Gegensatz zur Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, welche gerade bei den Schwerstunfällen einen extrem hohen Anteil aufweist. Das sind die Fakten. Diese sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Aber es sollten auch nicht einseitige Massnahmen mit ärztlichen Untersuchungen schon im jungen Seniorenalter angeordnet werden.

Wenn man das Ganze punkto Verkehrssicherheit wirklich voll durchziehen wollte, müsste man eigentlich alle Altersgruppen sporadisch in ärztliche Untersuchungen schicken, denn Krankheiten und Gebrechen machen leider vor keiner Altersgruppe halt. Der schweizerische Hausärzteverband spricht sich wohl nicht zuletzt deshalb ebenfalls für die Heraufsetzung der vertrauensärztlichen Untersuchung vom 70. auf das 75. Altersjahr aus. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Fachpersonen ein sehr gutes Bild von der durchschnittlichen Fahrtauglichkeit der zur Diskussion stehenden Altersgruppe haben und auch erkennen, dass man heute in diesem Alter doch noch ziemlich fit ist. Auch sollten wir nicht vergessen: Diese Gruppe schliesst mehr und mehr Jahrgänge ein, welche schon seit fünfzig Jahren und mehr Auto fahren, also sehr erfahren in Bezug auf Verkehr und Strassenverhältnisse sind. [PAGE 592]

Wir wissen es doch alle selber: Eine vertrauensärztliche Untersuchung im Behandlungszimmer des Arztes und das Fahren im Dunkeln bei Regenwetter und viel Gegenverkehr, im Schneesturm, bei Schneematsch oder in engen Tunnels sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Da ist die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten schon in meinem - noch fast jugendlichen - Alter immer nötig. Wir können das drehen und wenden, wie wir wollen: Im Strassenverkehr kommen wir nicht um die Eigenverantwortung herum. Gemäss meinen Erfahrungen nimmt diese im Alter in der Tendenz doch eher zu als ab. Es gibt aber natürlich immer Ausnahmen; wenn es um die Mobilität geht, sowieso.

In diesem Sinne denke ich doch, dass wir diese Erhöhung der Altersgrenze für die vertrauensärztlichen Untersuchungen unterstützen können. Ich danke Bundesrat und Verwaltung für die Bemühungen in dieser Sache.