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Leuthard Doris · Bundesrat · 2017-09-13

Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2017-09-13

Wortprotokoll

Ich bin froh um das Votum von Herrn Ständerat Wicki, das eigentlich aufzeigt, dass das schon ein bisschen Verhältnisblödsinn ist, was wir hier diskutieren. Es ist eben wirklich so, dass die meisten Menschen sich anders verhalten. Die SBB machen das nicht, um jemanden zu plagen, sondern weil das Kundenverhalten sich geändert hat.

Es ist so, dass im letzten Jahr 18 Millionen Billette via Internet und Mobile-Apps verkauft wurden. Im ersten Halbjahr 2017 hat sich das Wachstum in diesem Bereich nochmals um 32 Prozent erhöht. Es sind noch 0,8 Prozent aller Billette, die an einem Schalter an einer Drittverkaufsstelle, um die es hier geht, erworben werden - 0,8 Prozent! Sie können schon sagen, zwei Jahre oder drei Jahre lang dürfe nichts passieren, aber der Markt wird sich weiterhin in diesem rasanten Tempo verändern. Wir wissen, das ist dann ein Hinausschieben des Entscheides bezüglich dieser Drittverkaufsstellen, aber er kommt, weil das Kundenverhalten sich ändert.

Sie haben jetzt gesagt, es seien vor allem Seniorinnen und Senioren, die man schützen müsse. Vor einer halben Stunde haben Sie jedoch gesagt, diese seien so gesund und fit, sie könnten auch die modernen Autos bedienen. (Heiterkeit) Ja, was sind sie jetzt? Ich glaube eben schon, dass auch viele Seniorinnen und Senioren selbstverständlich heute auch via App oder via Internet ein Billett bestellen können - sonst wäre der Markt ganz anders. Es gibt ja auch immer noch die Automaten, die ich persönlich viel komplizierter finde. Insofern glaube ich, es ist halt eine Entwicklung.

Schlussendlich muss man sagen: Auch bei diesen 52 Drittverkaufsstellen, um die es geht, wurde für die Mehrheit bereits eine Lösung gefunden, Frau Ständerätin. Bei acht der zehn privaten Stellen hat man eine Lösung. Zwei Stellen in Ihrem Gebiet haben abgelehnt, aus mir nicht bekannten Gründen, aber es ist so. Bei Nottwil ist man auf dem besten Weg, es sogar zu einem Center auszubauen. Die SBB betreiben ein Call Center Handicap. Man kann wie beim Hausdienst anrufen, und dann bekommt man den vollen Service. Das wird sogar ausgebaut.

Was gut ist: Die Appenzeller Bahnen werden künftig, ab dem 1. Januar, diese Verkaufsstellen anbieten, also ist hier auch schon eine Lösung für zig Stellen gefunden. Das ist für die Thurgauer gut. Für die St. Galler ist man noch im Gespräch mit Poststellen, um Synergien zu finden. Das macht das Unternehmen von sich aus. Dafür braucht es kein Moratorium, sondern das findet statt.

Vielleicht sind es am Schluss in der ganzen Schweiz noch zehn Drittverkaufsstellen, die strittig sind. Wenn Sie als Ständerat operativ auch noch das Problem dieser zehn Stellen lösen wollen, dann dürfen Sie das. Aber da hat Herr Ständerat Hösli vollkommen Recht: Das ist nicht Aufgabe des Ständerates. Sie könnten, wenn Sie wollen, das nächste Mal noch in den Leistungsauftrag hineinschreiben, dass die SBB soundso viele Drittverkaufsstellen aufrechterhalten müssen. Aber ich glaube nicht, dass das wirklich Sache der Politik ist.

Die SBB stehen im Clinch: Sie müssen einerseits den sich verändernden Kundenbedürfnissen Rechnung tragen und andererseits dies auch sozialverträglich gestalten. Ich habe wirklich nicht den Eindruck, dass sie das irgendwie zum Nachteil der Schweizerinnen und Schweizer machen würden. Um 0,8 Prozent der Billette geht es noch, vielleicht noch um zehn bis zwanzig Stellen, bei welchen man noch keine Lösung hat. Das ist, denke ich, wirklich kein Drama. Vielmehr ist das die Auswirkung einer Entwicklung, die mit der Digitalisierung einhergeht. Es wäre noch so gut, wenn Gemeinden oder andere sagen könnten, dass sie, wenn das gewünscht ist, eine solche Verkaufsstelle übernehmen. Dann würden sich die SBB sicher nicht dagegen wehren.

Ich bitte Sie deshalb, dem Antrag der Mehrheit Ihrer Kommission zuzustimmen.